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Bad Kreuznach

Casinogebäude: CDU befürchtet ein Millionengrab

Harald Gebhardt

Die Bad Kreuznacher Stadtverwaltung steckt beim denkmalgeschützten Casinogebäude im Brückes 1 im Dilemma. Das wurde bei der teilweise erbittert geführten Debatte im Ausschuss für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr einmal mehr deutlich. Die Kosten für die Rettung des Gebäudes und seinen barrierefreien Ausbau sind explodiert. Eine Entscheidung, wie es weitergehen soll, ist auch jetzt noch nicht gefallen. Der Ausschuss sprach sich nur dafür aus, wie von Erich Menger (SPD) und Bettina Mackeprang (CDU) vorgeschlagen, 75.000 Euro für die Öffnung der Decken und ein Brandschutzgutachten auszugeben. Das aber einstimmig.

Die Außensanierung des Casinogebäudes im Brückes wird in diesem Jahr fertig. Wie es mit dem Innenausbau weitergeht, ist noch offen. Foto: Harald Gebhardt
Die Außensanierung des Casinogebäudes im Brückes wird in diesem Jahr fertig. Wie es mit dem Innenausbau weitergeht, ist noch offen.
Foto: Harald Gebhardt

Hermann Bläsius (Grüne) brachte es auf den Punkt: „Zurück können wir nicht mehr, raus kommen wir auch nicht.“ 2,5 Millionen Euro steckt die Stadt in das 1830 erbaute Haus. Das ist die aktuelle Beschlusslage. Sämtliche Maßnahmen werden zwar vom Land gefördert, aber unterschiedlich: Die unterlassenen Instandhaltungen am Dach werden mit 60 Prozent geringer gefördert als beispielsweise der barrierefreie Umbau des Hauses mit 80 Prozent.

Angefangen hat man mit einem Kostenrahmen von 1,4 Millionen Euro. Die Schätzungen für die Gesamtsanierung und den barrierefreien Ausbau gehen derzeit von 5,9 Millionen Euro aus. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit aber noch nicht erreicht sein. Deshalb spielt die Suche nach Einsparungen in der politischen Debatte eine große Rolle.

Wenigstens eine gute Nachricht hatte Bauamtsleiter Klaus Christ: „Wir haben das Haus gerettet, schließen jetzt die Dachfläche.“ Die Details für die Sanierung der äußeren Putzfassade sind mit der Oberen Denkmalbehörde festgelegt. Christ will sie in der nächsten Ausschusssitzung vorstellen. Für den Außenbereich stehen die Mittel bereit. „Beim ersten Paket ist ein Haken dran. Wir brauchen jetzt eine schnelle Entscheidung über den Innenausbau.“ Dabei spricht auch die Denkmalbehörde ein Wort mit.

Den Christdemokraten ist das alles zu teuer. „Wir sind außerordentlich unzufrieden“, erklärte Werner Klopfer. „Auf dieser Basis sollten wir auf keinen Fall weitermachen.“ Aus der Verantwortung könne man sich nicht stehlen, doch „jetzt ist die letzte Gelegenheit, dieses Millionengrab zu vermeiden“. Er und Manfred Rapp legten eine kostengünstigere Variante vor – einen Verzicht auf die Nutzung des Ratssaals. Die Sitzungen von Rat und Ausschüssen könne man in den Sitzungssaal der Kreisverwaltung verlegen. Das Gebäude sollte man als reines Verwaltungsgebäude sanieren. Dann bräuchte man keine Entlüftungsanlage für 600.000 Euro und könnte auch beim Brandschutz sparen, so Rapp.

Günter Meurer hält das für keine gute Lösung. Der SPD-Mann betonte: „Wir haben die Sanierung verschleppt. Der Sanierungsstau ist ignoriert worden.“ Sein Parteikollege Menger sprach sich ebenfalls dafür aus: „Wir sollten das Gebäude nach jahrzehntelanger Vernachlässigung jetzt ordentlich sanieren.“

„Eigentum verpflichtet“, erklärte Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer. Wie könne man von privaten Hausbesitzern fordern, dass sie denkmalgeschützte Häuser sanieren, „wenn wir sagen: Das ist uns zu teuer. Wir müssen Vorbild sein“, appellierte sie an die Ausschussmitglieder. Christ pflichtete ihr bei. „Ich sehe das auch als Chance für das Gebäude. Es ist prägend für das Stadtbild, ein Aushängeschild.“

Langfristig wäre eine Sanierung ohnehin fällig gewesen. „Der Ratssaal ist Kern dieses Gebäudes“, so Christ. Bei den weiteren Kosten „ist der Brandschutz die große Unbekannte“. Um dies zu klären, müsse man ein Gutachten erstellen und dazu die Decken öffnen.

Auch Greber widersprach Klopfer und hielt ein Plädoyer für den Erhalt des Gebäudes: „Es als Millionengrab zu bezeichnen, halte ich für falsch. Es ist ein Kulturgut, ein tolles Gebäude.“ Bläsius meinte: „Auf einen Ratssaal zu verzichten, halte ich für absurd. Dass wir das Gebäude brauchen“, ist für ihn unstrittig. Trotzdem seien die Kosten erschreckend: „Ich denke, da muss der Rotstift noch mal angesetzt werden.“ Rainer Wirz (CDU pflichtete ihm bei, das gehe in die richtige Richtung: „Wir müssen das Gebäude für eine repräsentative Nutzung wieder herstellen.“

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

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