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Bad Kreuznach

Casinogebäude bald bei 6 Millionen: Kosten explodieren in Bad Kreuznach

Harald Gebhardt

Erst ein verzögerter Baubeginn, jetzt die Kostenexplosion: Die denkmalgerechte Sanierung und der barrierefreie Umbau des Casinogebäudes im Brückes 1 wird mit insgesamt 5,9 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer.

Die Sanierung des Casinogebäudes Brückes 1 dauert länger. Voraussichtlich kann es nun erst Ende 2019 wieder genutzt werden.  Foto: Marian Ristow
Die Sanierung des Casinogebäudes Brückes 1 dauert länger. Voraussichtlich kann es nun erst Ende 2019 wieder genutzt werden.
Foto: Marian Ristow

Das teilte Bauamtsleiter Klaus Christ bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr mit. Die Ausschussmitglieder müssen heute über die Erweiterung der Sanierung des Bad Kreuznacher Verwaltungsgebäudes entscheiden.

Erste Schätzung: 1,4 Millionen Euro

Ursprünglich, so lautete der Grundsatzbeschluss, sollten nur das Dach saniert und das Gebäude statisch ertüchtigt werden. Das war vor Christs Zeit als Bauamtsleiter. Dafür ging man von Kosten in Höhe von 1,4 Millionen aus, die dann auf 2,5 Millionen Euro angestiegen sind. Doch wenn man das Gebäude auch künftig nutzen will, muss es einen zweiten Bauabschnitt geben, werden weitere umfangreiche und teure Maßnahmen notwendig. Dazu zählen der Austausch der Kunststofffenster aus den 70er-Jahren, die Erneuerung der Elektroinstallation, der Neubau der Lüftungsanlage, die Neuorganisation der Räume im Kellergeschoss, die Herstellung der notwendigen Brandschutzunterlagen sowie die Sanierung des Ratssaals. Für ihn ist eine offene Bestuhlung angedacht. Die vorhandenen Einbauten werden demontiert.

Nach den bereits begonnenen Baumaßnahmen mit statischer Ertüchtigung, Dachtragwerk, Fassade und Fenster, die bis Ende August 2018 fertiggestellt sein sollen, befinden sich die Ausschussmitglieder wohl in einer Einbahnstraße. „Im Prinzip gibt es jetzt kein Zurück mehr“, findet Christ. Nach der Freigabe durch den Ausschuss können die Anträge für die Förderung der Maßnahmen (bis zu 80 Prozent) gestellt werden. Ende 2019 könnte dann der zweite Bauabschnitt abgeschlossen sein.

Erst im September 2017 musste bei den Kosten erneut nachgebessert werden – um 680 000 Euro auf 2,5 Millionen Euro. Auf Wunsch des Ausschusses vom Oktober 2017 sollten auch die mögliche Sanierung des Ratssaals und ein Komplettaustausch der Fenster untersucht werden. Diesen Auftrag nutzte Christ, um das Gebäude komplett zu untersuchen. Bei der technischen und rechtlichen Prüfung ergaben sich weitere zwingend notwendige Arbeiten, vor allem um die Sicherheit zu gewährleisten. „Jetzt wissen wir, was mit dem Gebäude los ist“, so Christ.

Die Ergebnisse des Checks lesen sich wie eine Horrorliste: Das gesamte elektrische System inklusive der Hausmeisterwohnung dürfte nicht mehr genutzt werden, weil die bestehende zweiadrige Verkabelung nicht mehr zulässig ist. Für den Ratssaal und den Ratskeller gelten Versammlungsstättenrichtlinien, die eingehalten werden müssen. Das heißt, die Fluchtwege müssen in allen Geschossen überprüft, die baulichen Gegebenheiten angepasst werden. Die Lüftungsanlage ist nicht für die Bedürfnisse ausgelegt und wurde bereits vor acht Jahren aus statischen Gründen stillgelegt. Die Ursprungsvariante im Dachgeschoss führte zu unlösbaren statischen Problemen und zusätzlichen Brandschutzproblemen. Als sinnvolle Variante sollen nun alle technischen Anlagen in den Keller verlegt werden, so auch die neue Heizungsanlage vom Dachgeschoss. Der Weinkeller wird umgesiedelt.

Fluchtwegsbeleuchtung fehlt

Auch der Brandschutz wurde überprüft. „Hier werden ebenfalls umfangreiche Maßnahmen notwendig“, erklärte Christ. Nach den Ergebnissen der Begehung mit einem Sachverständigen steht fest, dass die gesamte Deckenunterseite freigelegt und brandschutztechnisch ertüchtigt werden muss.

Zusätzlich ergeben sich Kosten durch fehlende Fluchtwegsbreiten, fehlende Brandmeldeanlagen und mehr. Im Ratskeller muss eine fehlende Fluchtwegsbeleuchtung installiert, der zweite Rettungsweg verbreitert werden. „Im Hinblick auf den Brandschutz darf das Gebäude in seinem jetzigen Zustand nicht weiter betrieben werden. Dies betrifft auch die zusätzlichen Einbauten der vergangenen Jahre“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Unterm Strich werden auf Basis der aktuellen Entwicklung für den Innenausbau, Haustechnik, Brandschutz und der Fenster die Gesamtkosten 5,9 Millionen Euro betragen. Ob vor diesem Hintergrund der Grundsatzbeschluss zur Sanierung des Gebäudes getroffen worden wäre, ist fraglich. „Es wäre sinnvoll gewesen, schon von Anfang von einer kompletten Sanierung auszugehen“, räumt Christ ein. Andererseits: „Die öffentliche Hand ist auch verpflichtet, solche denkmalgeschützten Gebäude – zumal an einer solch exponierten Stelle zu erhalten.“

Bislang hat die Sanierung des 1834 nach Plänen des Kreisbaumeisters Ludwig Behr erbauten Gebäudes jede Menge Probleme bereitet: Die Bauarbeiten begannen verspätet erst im März 2017, weil dem ersten Gerüstbauer gekündigt werden musste, da er keine abnahmefähige Leistung ablieferte. Die Maßnahme wurde erneut ausgeschrieben. Mit Beginn der Sanierungsarbeiten am Dachstuhl stellte sich heraus, dass der Zustand weitaus schlimmer war als angenommen – weite Teile waren zerstört oder erschöpft. Auch eine komplette Sanierung der Putzfassaden wurde notwendig. Die Außenwandflächen wurden inzwischen vom alten Putz befreit.

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt
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