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    Briefwahl schlägt alle Rekorde

    Bad Kreuznach -  Die Briefwahl boomt. Wählen daheim im stillen Kämmerlein oder unter südlicher Sonne ist in. In den Wahlämtern in Bad Kreuznach und den Verbandsgemeinden werden Rekordmarken angepeilt. 4295 Briefwahlunterlagen hat die Stadt bislang herausgegeben, 2006 bei der Landtagswahl waren es 3192.

    Christine Götz und Horst Deginther praktizieren die „Briefwahl“ ohne Post. Das geht so: Wahlunterlagen abholen, unterschreiben, Kreuzchen machen, und ab damit in die Urne.
    Christine Götz und Horst Deginther praktizieren die „Briefwahl“ ohne Post. Das geht so: Wahlunterlagen abholen, unterschreiben, Kreuzchen machen, und ab damit in die Urne.
    Foto: Armin Seibert

    Bad Kreuznach -  Die Briefwahl boomt. Wählen daheim im stillen Kämmerlein oder unter südlicher Sonne ist in. In den Wahlämtern in Bad Kreuznach und den Verbandsgemeinden werden Rekordmarken angepeilt. 4295 Briefwahlunterlagen hat die Stadt bislang herausgegeben, 2006 bei der Landtagswahl waren es 3192.

    Wahlpost aus Teneriffa flatterte jetzt auf den Schreibtisch von Jessica Botens, die im Bürgerbüro der Stadtverwaltung mit ihren Kolleginnen derzeit vor allem mit Briefwahl zu tun hat. Die Resonanz ist groß, denn viele Wähler nutzen die Gelegenheit, frühzeitig ihre Wahl zu treffen und sich damit den Sonntag freizuhalten. Wer am Sonntag noch Briefwahl beantragen will, sollte sich beim Wahlamt anmelden (0671/800296).
    Wahlpost aus Teneriffa flatterte jetzt auf den Schreibtisch von Jessica Botens, die im Bürgerbüro der Stadtverwaltung mit ihren Kolleginnen derzeit vor allem mit Briefwahl zu tun hat. Die Resonanz ist groß, denn viele Wähler nutzen die Gelegenheit, frühzeitig ihre Wahl zu treffen und sich damit den Sonntag freizuhalten. Wer am Sonntag noch Briefwahl beantragen will, sollte sich beim Wahlamt anmelden (0671/800296).
    Foto: Armin Seibert


    „Heftig“! So kommentiert auch Gerhard Zuck die Briefeflut. 1800 der 10 500 Wahlberechtigten in der Verbandsgemeinde Langenlonsheim haben Briefwahlunterlagen beantragt. Absoluter Rekord. 2006 waren es 1100. Ob es daran liegt, dass Julia Klöckner in Guldental zu Hause ist? „So eine starke Resonanz hätten wir nicht erwartet“, sagt Zuck. Und noch immer holen Wähler Briefwahlunterlagen ab. Bis Freitag, 18 Uhr, ist das offiziell möglich. In Notfällen, etwa bei Erkrankung, kann auch noch bis Sonntag, 15 Uhr, nachgeordert werden. „Zwei, drei Fälle gibt's immer“, sagt Zuck. Spannend ist es für ihn immer, ob die ins Ausland geschickten Unterlagen rechtzeitig heimkommen. Der weiteste Wahlbrief ging diesmal nach Indien. Zuck: „Er ist noch nicht zurück.“

    Weniger Wahlurlauber als gewohnt
    Hohe Resonanz auch in Bad Münster-Ebernburg (9343 Wahlberechtigte). Christiane Sutter: „Wir sind schon bei über 1500, weit mehr als beim letzten Mal.“ Ins Ausland schickte sie diesmal nur wenige Briefe. „Im Sommer sind's mehr. Es sind noch nicht viele Leute im Urlaub.“ Seit Wähler nicht mehr begründen müssen, warum sie nicht sonntags in ins Wahllokal kommen können (oder wollen) nimmt die Briefwahl deutlich zu.
    Das bestätigt auch Ulrich Demary (VG Stromberg; 9333 Wahlberechtigte). 2006 waren es 806 Briefwähler, jetzt sind es schon fast 1000. Das könnte eigentlich auf eine recht hohe Wahlbeteiligung schließen lassen. Demary begrüßt den Wegfall der Begründung: Den wenigen, die noch wählen gehen, sollte man nicht noch Steine in den Weg legen. Wenngleich die Briefe mitunter etwas Aufwand in den Verbandsgemeinden verursachen. Bis 18 Uhr kann man Briefe dort abgeben. Dann werden sie in die Wahllokale in den Gemeinden gebracht, wo sie ausgezählt werden.
    Bei Bundestags- und Europawahlen fahren die Wahlbrief-Kuriere „andersrum“, bringen Briefe zum Auszählen in die Verbandsgemeinden. In der VG Bad Kreuznach ist auch schon die 1000er-Marke geknackt. 15 Prozent sind bei 7258 Wahlberechtigten angepeilt, sagt Wahlsachbearbeiter Klaus Christ.

    In Rüdesheim lag die Zahl der ausgegebenen Wahlbriefe gestern bei 2832 – 2006 waren es nur 1815. Die Briefwahlrekorde von Bundestagwahl 2009 (3632) und der Kommunalwahl 2009 (3850) werde man aber nicht erreichen, sagt Wahlsachbearbeiter Heinz-Martin Schwerbel. Bei der Kommunalwahl sei die Briefwahl wegen der komplizierten und langwierigen Stimmabgabe besonders beliebt. Knapp 3200 Briefe werde man aber wohl erreichen, schätzt der stellvertretende VG-Büroleiter. Das wären bei 19804 Wahlberechtigten immerhin knapp 17 Prozent. 2006 waren es 19 646 Wahlberechtigte. Seit 2010 nimmt die Bevölkerung in der VG Rüdesheime aber schon wieder leicht ab.
    Am Montag holten sich immerhin noch 132 Wahlberechtigte ihre Unterlagen ab. Deutlich weniger Resonanz kam diesmal aus dem Ausland. Schwerbel: „Anfangs ein paar Spanier, aber es ist halt noch keine richtige Urlaubszeit.“

    Wahlbriefe aus Teneriffa
    Auch in der Stadt Bad Kreuznach ist das „Auslandsgeschäft“ diesmal eher flau. Einige ließen sich aber ihre Unterlagen beispielsweise nach Teneriffa schicken. Mit bunten Schmetterlingsbriefmarken kamen sie jetzt von dort zurück. „Alle ausgegebenen Briefe kommen natürlich nicht wieder,“ weiß Hauptamtsleiter Helge Oberst. Rund 95 Prozent werden es wohl sein. Oberst hofft, dass die Kombination von Landtags- und Oberbürgermeisterwahl die Wahlbeteiligung in der Stadt auf über 50 Prozent treibt: „Weniger wäre ernüchternd.“

    Z Die Verwaltung rät, Wahlbriefe spätestens am Donnerstag in den Briefkasten einzuwerfen, um den Zugang per Post bei der Verwaltung zu garantieren.

    Bad Kreuznach
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