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Bad Kreuznach

Bombenalarm am Nikolausmarkt: Wie die Kreuznacher reagierten

Silke Bauer

Er stand einfach so da, an eine Straßenlaterne gelehnt: Ein herrenloser Koffer hat am Donnerstagnachmittag für mächtig Aufregung in der Bad Kreuznacher Neustadt gesorgt. Wie die Evakuierten und Passanten mit der bedrohlichen Lage umgingen, beobachtete unsere Redakteurin Silke Bauer,

Gegen 14.30 Uhr meldete sich ein Anrufer, der den Koffer am Eingang zum Nikolausmarkt (Poststraße) bemerkt hatte, bei der Polizei. Die sperrte den Bereich um den Eiermarkt sicherheitshalber weiträumig ab, mehrere Beamte zeigten Präsenz, während man auf die Ankunft der Mainzer Sprengstoffexperten wartete.

Die Passanten reagieren unterschiedlich auf die Situation. Viele ignorieren das Durchgangsverbot und schlängeln sich unter den rot-weißen Absperrbändern durch. Ein Vater schiebt seinen Sohn im Rollstuhl quer durch das Sperrgebiet, Autofahrer drehen wieder um, Passanten bleiben stehen und warten darauf, was als Nächstes passiert. Einer von ihnen ist Mostafa Mansoori, der seine Wohnung in der Nähe des Schlossparks verlassen musste. „Die Polizei hat geklingelt, als ich gerade im Bad war“, erzählt er.

Mansoori und seine Mutter müssen das Haus verlassen. Conny Dhonau vom Nahe-Lädchen, das unterhalb vom Bocksbrunnen und nicht weit entfernt vom Standort des Koffers liegt, hat Verständnis für die Absperrmaßnahmen: „Die Polizei tut, was sie tun muss. Sicherheit geht vor.“ Kein Verständnis hat sie für Passanten, die gereizt reagieren, weil sie einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Doch die sind an diesem Nachmittag in der Minderheit. Die meisten Passanten zeigen Verständnis, auch wenn einige von ihnen wichtige Termine verpassen. Ein älterer Herr cancelt am Handy seinen Termin beim Hautarzt.

Gänzlich abgesperrt ist der Eiermarkt indes nicht: Über die Schuhgasse gelangt man problemlos zum Eiermarkt, wo die Schausteller nur vereinzelt Kunden bedienen. Hiltrud Kreuser von der Mandelbude gibt sich unaufgeregt: „Ich habe gar keine Angst“, sagt sie und vermutet, dass es sich bei dem Koffer wahrscheinlich lediglich um Sperrmüll handle oder um den Streich eines boshaften Mitbürgers.

Die erfahrene Schaustellerin und ihre Mitarbeiter haben solche Szenarien schon öfter erlebt, beispielsweise auf dem Rotweinfest in Ingelheim oder 2011 auf dem Bad Kreuznacher Jahrmarkt. Sie sei nur froh, dass es nicht am Abend zur Stoßzeit, sondern zu Beginn des Markts passiert sei“, sagt Kreuser und hofft, dass die Besucher sich von dem Vorfall nicht davon abbringen lassen, den Nikolausmarkt weiterhin zu besuchen. Auch sie und ihre Kollegen zeigen Verständnis für die Vorsichtmaßnahmen: „Da gibt es keine Diskussionen, da fügen wir uns“, sagt sie.

Als die Sprengstoffexperten aus Mainz eintreffen und sich dem Koffer nähern, wird es noch mal richtig spannend: Die Passanten, die sich vor den Absperrbändern versammelt haben, halten den Atem an, als zwei Fachleute den Koffer öffnen. Dann folgt die Entwarnung: Im Innern befinden sich lediglich einige Decken sowie eine Lichterkette. Eine alte Dame bricht in Tränen aus, die Ereignisse wecken in ihr Sorgen um ihren Enkel, der in Berlin studiert und im vergangenen Jahr den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz miterlebt hat. Am Donnerstag ist er wieder dort unterwegs – zusammen mit seiner Mutter, zum Kummer der alten Dame. Eine kurze Begegnung, die zeigt: Der Terror der vergangenen Jahre ist nicht spurlos an den Menschen vorbeigegangen.

Von unserer Redakteurin Silke Bauer

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