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Kreis Bad Kreuznach

Blitzschnelles Internet in abgehängte Dörfer bringen

Kreis Bad Kreuznach. Breites Band, breites Kreuz: Das braucht, wer sich mit schnellem Internet fürs Land befasst. Alle wollen alles und das schnell, schneller am schnellsten, auch im Kreis KH. Dabei zeigt sich: Der Teufel steckt im Detail, besonders, wenn's um die öffentliche Förderung geht. Und da schaut der Steuergeld gebende Bund ganz genau hin, fordert Infos, Dokumentationen und eine Koordination.

Birgit Beuscher und Jürgen Klotz von der Breitband-Stabstelle des Kreises. Sie koordinieren und helfen, aber den Zeitplan bis zu Ausschreibung und Ausbau 2018 diktiert die Politik, vornehmlich der Bund.  Foto: Stefan Munzlinger
Birgit Beuscher und Jürgen Klotz von der Breitband-Stabstelle des Kreises. Sie koordinieren und helfen, aber den Zeitplan bis zu Ausschreibung und Ausbau 2018 diktiert die Politik, vornehmlich der Bund.
Foto: Stefan Munzlinger

Den Zeitplan diktieren andere

Glasfaser hätten alle gerne. Doch das ist finanziell nicht zu leisten. Und so bleibt es bei der aufwendigen Verbindung von Kupfer und der Wunderfaser.
Glasfaser hätten alle gerne. Doch das ist finanziell nicht zu leisten. Und so bleibt es bei der aufwendigen Verbindung von Kupfer und der Wunderfaser.
Foto: Jürgen Klotz

Den Überblick behalten, Fragen beantworten, alle ins Boot holen, kurz: den Druck von ganz oben und unten abfedern. Das soll die Breitband-Stabstelle des Kreises, seit 15. September mit Jürgen Klotz (59, Bockenau) und Birgit Beuscher (46, Wallhausen) besetzt. Sie ist Diplom-Verwaltungswirtin und seit 1990 in der Kreisverwaltung tätig und weiß um die administrativen Abläufe. Er ist ehrenamtlicher Ortsbürgermeister Bockenaus und kennt die Belange der Gemeinden nur zu gut.

Mittwochmorgen. Ortstermin in der Stabstelle, Kreisverwaltung dritter Stock, Zimmer 331. Anfangs hatten Birgit Beuscher und Jürgen Klotz auch Kontakt mit nach schnellem Internet fragenden Normalbürgern, Nichtfunktionären. Mittlerweile sind es in erster Linie hauptamtliche Kommunalpolitiker, die sich nach Vorgaben erkundigen, technische und organisatorische Fragen zum Internetausbauprogramm des Bundes stellen, das für den Kreis Bad Kreuznach eine Förderung von 14,3 Millionen Euro vorsieht; vorausgesetzt, die beteiligten Städte und Verbandsgemeinden bringen ihren Eigenanteil auf. Koordinator ist die Stabstelle. Jede VG und die Städte Bad Kreuznach und Kirn schließen mit dem Kreis Verträge. Einige der sieben VGs haben das schon getan, andere folgen. Mit großen Widerständen gegen die Eigenanteilsregelung ist nicht mehr zu rechnen. Der VG-Rat Stromberg hatte, weil ihm genauere Investitionszahlen fehlten, seinen Beschluss vor Wochen ausgesetzt; am Donnerstagabend könnte er zustimmen.

Kommunen, die auf eigene Faust Verträge mit Internetbetreibern abschließen wollen, können das tun, sind aber aus der Förderung raus. „Der Bund springt da ein, wo eine Breitbandversorgung wirtschaftlich nur schwer zu realisieren ist“, betonen die beiden Stabstellen-Beschäftigten. Erklärtes Ziel: Bis Ende 2018 sollen alle schnelles Internet haben, wenigstens 30 Megabit (15 Prozent) und zum Großteil 50 Megabit (85 Prozent).

Sämtliche 69.000 Haushalte des Kreises müssen nicht versorgt werden, denn in den Vorjahren haben einige bereits stark ins Standort aufwertende Internet investiert, etwa die Verbandsgemeinden Rüdesheim und Langenlonsheim. Oder die Stadt Bad Kreuznach, wo 87 Prozent der Haushalte versorgt sind. Hier geht es noch um 311 Familien mit lahmen Netz; insgesamt sind es in Stadt und Kreis rund 2000 Haushalte, um deren Anbindung sich das Förderprogramm dreht.

Jetzt auch Schulen in der Förderung

Neu: Jetzt werden auch alle Schulen in das Zuschussprojekt aufgenommen. Grund: Sie gelten als Internetkonzentrationsgebiet mit hoher Priorität. 24 weiterführende Bildungseinrichtungen gibt es zwischen Kirn und Bad Kreuznach; 22 davon trägt der Kreis. Dass sie mit schnellerem Internet ausgestattet werden sollen, könnte auch benachbarten Anwohnern zugute kommen. Dann nämlich würden die gleich mitversorgt. Kurze Wege, reduzierte Kosten – ein durchaus gewünschter Ausbaueffekt. Alle zwei Monate treffen sich Jürgen Klotz und Birgit Beuscher mit dem vom Bund beauftragten Internet-Projekt-Realisierer AteneKom in Wiesbaden. Dabei geht es um etliche Details. Eine Beratung des Kreises in technischen wie rechtlichen Fragen unterstützt der Bund ebenfalls, gibt dafür zusammen 50.000 Euro. Am Montag wird sich der Kreisausschuss damit in nicht öffentlicher Sitzung befassen; Thema ist die Rechtsberatung bei allen anstehenden Fragen des Ausbaus.

Ein Knackpunkt sind die Aussiedlerhöfe und alle anderen außerhalb gelegenen Ortsteile, beispielsweise Wochenendhausgebiete. Wie ist deren Status? Müssen sie angebunden werden? Und wenn ja: Was kostet das? Kleinstansiedlungen um jeden Preis ans blitzschnelle Internet anschließen? Auch wenn es die Betroffenen nicht gerne hören, aber da wird der Bund gleich einen Riegel vorschieben. Sonst würde, hieß es einst aus Berlin, unverhältnismäßig viel Geld aus dem Internet-Fördertopf aufgebraucht bei vergleichsweise geringer Nutzerzahl.

Komplex: der Technikaufwand

Wer sich der technischen Seite des Ausbaus nähert, merkt schnell, wie komplex die Ausbauthematik ist. Denn die öffentliche Diskussion wird teils von profundem Unwissen geführt. Etwa Glasfaser mal so nebenbei an alte Kupferleitungen im Haus anschließen? Geht nicht, winkt Jürgen Klotz kopfschüttelnd ab. Da komme es aufs vorhandene Material an, auf Kabel- und Hauptverteiler, auf Entfernungen wie die 850 Meter, wenn die Signalwirkung nachlässt, auf Verstärkungen ... Wir sehen: Einfach geht anders.

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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