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Kreis Bad Kreuznach

Beton-Gold glänzt im Kreis Bad Kreuznach: Die (Zins-) Zeichen stehen weiter auf Eigenheim

Stefan Munzlinger

Kreis Bad Kreuznach. Niedrige Zinsen, neues Bauland: Immer mehr junge Familien im Kreis Bad Kreuznach erfüllen sich den Traum eines Eigenheims oder kaufen sich eine bezugsfertige Immobilie. „230 Objekte haben wir 2017 vermarktet“, sagt Andreas Kern (39), seit zwei Jahren Chef der Immobilienvermittlung der Sparkasse Rhein-Nahe, auf Anfrage. 2018 werden es über 300 sein.

Drüben das Eigenheim, rechts die zu kaufende Wohnung: Im Rheingrafenblick, begehrtes Kreuznacher Neubaugebiet, ist beides zu haben.  Foto: Stefan Munzlinger
Drüben das Eigenheim, rechts die zu kaufende Wohnung: Im Rheingrafenblick, begehrtes Kreuznacher Neubaugebiet, ist beides zu haben.
Foto: Stefan Munzlinger
Das verdankt man einem Nieder-Olmer Neubaugebiet: 113 Plätze hat das Kreditinstitut vermittelt – zu dort marktüblichen Preisen zwischen 360 und 510 Euro pro erschlossenem Quadratmeter. 900 Interessenten meldeten sich, 400 bewarben sich um einen Platz. Wen wundert's: 1,35 Prozent beträgt der aktuelle Zins bei einer zehnjährigen Bindung.

Wer glaubt, dass es allerdings beim Bauland teurer kaum geht, muss nur in den Mainzer Winterhafen schauen: Dort werden sagenhafte 8000 Euro den Quadratmeter verlangt. Tendenz steigend, wie im gesamten Rhein-Main-Raum. Werner Langner (Alzey), Leiter des Gutachterausschusses Rheinhessen-Nahe, informierte 40 Experten beim von Udo Bausch initiierten und seinem Stadtnachfolger Markus Schlosser wiederbelebten Immobilienfachgespräch am Freitagmorgen im Bad Kreuznacher Brauwerk über die Preissituation am Grundstücksmarkt.

Mit Blick auf den Kreis Mainz-Bingen sagt Langner: „Wahnsinn, wie schnell sich die Preise dort bewegen.“ 2016 kostete der erschlossene Quadratmeter bei Bodenheim 480 Euro, am 1. Januar 2018 schon 600 Euro, und bei jüngsten Verkäufen wurden gar 850 Euro erzielt. Zum Vergleich: Im Rheingrafenblick Bad Kreuznachs sind es um 300 Euro, in KH-City zwischen 130 und 220 Euro, in der 77 Plätze großen und längst ausverkauften Roxheimer Langgewann Süd 160 Euro. Weit abgeschlagen dagegen der wirtschaftlich schwächelnde Kreis Birkenfeld: 15 bis 30 Euro kostet Bauland, mit leichtem Aufwärtstrend.

Die Daten für diese Immobiliengrafik sind dem Magazin „Capital – Wirtschaft ist Gesellschaft“ entnommen.
Die Daten für diese Immobiliengrafik sind dem Magazin „Capital – Wirtschaft ist Gesellschaft“ entnommen.
Christian Stark (66), seit 1985 in der Bad Kreuznacher Immobilienbranche tätig, kennt den Markt genau. Keine Frage für ihn: „Sein Geld in eine Immobilie zu investieren, um selbst darin zu wohnen? Das macht Sinn.“ Als reine Geldanlage sieht er Häuser dagegen eher kritisch. Dann lieber eine, zwei Wohnungen in einer Stadt mit fußläufiger Verbindung zu Geschäften, Apotheken... kaufen, weil die von einem Hausmeister betreut würden. „Um ein Einfamilienhaus und seine Mieter muss man sich selbst kümmern“, sagt Stark, „das bedeutet meist: Stress.“ Der Staat unterstütze den nicht selbst genutzten, also zu vermietenden Wohnungsbau mit bislang 2 Prozent steuerlicher Absetzbarkeit über 50 Jahre und hebe diese 2 Prozent nun sogar auf attraktive 7 Prozent in den ersten vier Jahren an. Starks Rat: „Die Steuervorteile nicht in die Finanzierung einrechnen.“ Jungen Familien rät er ferner, beim Standort ihrer Immobilie darauf zu achten, dass es einen Bahnhaltepunkt, eine Kita, eine Schule gibt. Sein Beispiel: Staudernheim; von dort komme man schnell nach Bad Sobernheim, etwa für die ärztliche Versorgung.

Wer über ausreichende Rücklagen verfüge, könne natürlich auch in KH bauen oder kaufen, müsse aber mit kleineren Bauplätzen rechnen. Da lebe es sich mit Kindern auf dem Lande mit großen Grundstücken besser, findet der Immobilienexperte. Der Wert liege stets im Baugrund: „Jedes Grundstück der Welt ist einmalig.“ Die Baustoffe kosteten überall dasselbe. Nun warnten manche schon vor einer Immobilienblase, so Stark weiter. Er sieht diese Gefahr zurzeit nicht: Man kaufe sich ein selbst zu nutzendes Haus ja nicht für drei Jahre, sondern meist für 20 Jahre und länger. Das Gute: „Man bekommt das Geld, das man mal bezahlt hat, immer raus.“ Die Alternative zum Eigenheim wäre eine 20-jährige Miete, die jedoch seit 1998 um mehr als das Doppelte gestiegen sei: „Bad Kreuznacher Army-Wohnungen kosteten damals um 4 Mark den Quadratmeter.“
Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

Baukosten steigen ständig und fressen den Zinsvorteil auf

Mit einem Ende der Niedrigzinsphase rechnet momentan keiner der Experten. Grund sei die „europäische Vernetzung der Geldpolitik“, sagt Andreas Kern von der Immobilienvermittlung der Sparkasse Rhein-Nahe. Schwankend dagegen und mit Tendenz zum steten Anstieg: die Baukosten.

Bis zu 45 Prozent kletterten sie in den vergangenen Jahren an, fressen damit auch ein Stück der Zinsersparnis auf, sagt Werner Langner. Er leitet den Gutachterausschuss Rheinhessen-Nahe, der empfehlende Bodenrichtwerte für die Kreise Mainz-Bingen, Bad Kreuznach, Alzey-Worms und Birkenfeld erstellt. In diesem Gremium sitzen 60 ehrenamtliche Mitglieder, elf Mitarbeiter aus Finanzverwaltungen, 14 Landwirte, 24 Architekten und Ingenieure und elf Bürger mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen – eine Mischung aus Experten und Laien. Die Preisentwicklung der Grundstücke ist dem Gremium immer ein Stück voraus. mz
Bad Kreuznach
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