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Bad Kreuznach

Besorgte Mutter vertraute sich der Kirche an – Pädophile Neigung des Betreuers ignoriert?

Eine erschütternde Erkenntnis brachte der fünfte Verhandlungstag gegen einen 44 Jahre alten Mann aus dem Kreisgebiet, dem der sexuelle Missbrauch eines Jungen auf einer Thailandreise und eines weiteren Jungen in einer Ferienfreizeit an der Nordsee vorgeworfen werden. Es hätte wohl nicht dazu kommen müssen.

Der Prozess läuft zur Zeit am Bad Kreuznacher Landgericht und sorgt für Aufsehen.
Der Prozess läuft zur Zeit am Bad Kreuznacher Landgericht und sorgt für Aufsehen.

Es gab Hinweise, die verhindert hätten, dass der Angeklagte im Sommer 2000 vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes als Betreuer engagiert wurde und in dieser Eigenschaft mutmaßlich einen damals zehn Jahre alten Jungen missbrauchen konnte.

Denn schon zwei Jahre zuvor war der kaufmännische Angestellte bereits bei einem Zeltlager der Pfadfinder der Franziskusgemeinde aufgefallen, weil er eine ausgeprägte Vorliebe für einen damals etwa acht Jahre alten Jungen entwickelte. Nach Abschluss des Zeltlagers versuchte der Angeklagte, seinerzeit auch noch, den Kontakt zu dem Kind weiter zu halten, was aber die Mutter des Jungen unterband.

Sie reichte bei der Kirchengemeinde einen sechs Seiten umfassenden Brief des Angeklagten an ihren Sohn ein und erhielt die Versicherung, dass man dafür sorgen werde, dass der Mann nie wieder in die ehrenamtliche Betreuung von Kindern eingebunden wird. „Ich habe der Kirche vertraut, deshalb habe ich keine Anzeige bei der Polizei erstattet“, sagte die Mutter.

Der Inhalt des Briefes hatte sie schockiert. Immer wieder hatte der Absender beteuert, dass er ihren Sohn lieb habe. Während des Zeltlagers war der älteren Schwester des Jungen aufgefallen, dass der Betreuer engen Kontakt zu ihrem Bruder suchte. „Er sagte ihm, dass er auch zu ihm kommen könne, wenn er Heimweh hat, und dass er ihn auch eincremen würde. Er müsse deswegen nicht immer zu seiner Schwester gehen“, berichtete die junge Frau.

Ihrem Bruder war die Nähe, die der Betreuer unter anderem bei gemeinsamen Spaziergängen zu ihm suchte, damals nicht unangenehm. Das Zeltlager verlief nach seiner Erinnerung unbeschwert und ohne negative Erlebnisse – wie alle anderen Sommerferien bei den Pfadfindern. Seiner Mutter erschien es jedoch verdächtig, dass der Betreuer nach den Ferien häufig vor ihrem Haus stand und ihren Sohn abpasste, wenn er aus der Schule kam. An ihrem Kind fielen ihr aber keine Wesensveränderungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf.

Die Kammer hörte außerdem unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen 13-jährigen Jungen aus Bingen, zu dem der Angeklagte angeblich ebenfalls Kontakt suchte. Die Polizeibeamten hatten bei der Durchsuchung im Haus des 44-Jährigen eine Notiz gefunden, die hinter dem Namen des Jungen mehrere kleine Geldbeträge aufführt. Wie die Mutter des 13-Jährigen bestätigte, soll ihr Sohn den Angeklagten von der Skaterbahn im Park am Mäuseturm kennen. Dort hatte der 44-Jährige zeitweise ehrenamtlich an der Spieleausgabe gearbeitet. Das Verfahren wird am Donnerstag, 22. März, um 8.45 Uhr fortgesetzt.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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