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Kreis Bad Kreuznach

Beginnt die Weinlese schon zum Jahrmarkt?

Kurt Knaudt

Kreis Bad Kreuznach. Auch wenn US-Präsident Donald Trump den Klimawandel immer noch ignorant bestreitet: Die Auswirkungen sind unter anderem auch in den Weinbergen an der Nahe und in Rheinhessen zu besichtigen. Neuester Superlativ: Noch nie waren die Trauben zum jetzigen Zeitpunkt schon so reif wie in diesem Jahr. „Wir sind sogar noch eine Woche früher als in den Ausnahmejahren 1976, 2003 und 2007. Das gab's noch nie“, staunt Wolfgang Eckes, Vorsitzender von Weinland Nahe. Wenn es so weiter geht, könnte die Lese der frühen Sorten diesmal sogar schon pünktlich zum Kreuznacher Jahrmarkt beginnen.

Auf frühzeitigem Wachstum stehen die Zeichen auch in den Weinbergen des Nahelandes, hier hoch über Bad Kreuz-nach. Bald geht die Ernte los. „Früher hat die Lese im Oktober begonnen, heute sind wir Anfang Oktober fertig“, beschreibt der Langenlonsheimer Winzer Thomas Haas die klimatischen Veränderungen.  Foto: Stefan Munzlinger
Auf frühzeitigem Wachstum stehen die Zeichen auch in den Weinbergen des Nahelandes, hier hoch über Bad Kreuz-nach. Bald geht die Ernte los. „Früher hat die Lese im Oktober begonnen, heute sind wir Anfang Oktober fertig“, beschreibt der Langenlonsheimer Winzer Thomas Haas die klimatischen Veränderungen.
Foto: Stefan Munzlinger

Auch das in Bodenheim bei Mainz ansässige Deutsche Weininstitut (DWI) berichtet quer durch alle deutschen Weinregionen von einem Entwicklungsvorsprung von zwei bis drei Wochen. Gut möglich ist deshalb laut DWI, dass die Lese für den neuen Wein, den Federweißen, in den südlicheren Anbaugebieten bereits Mitte August startet. Aber noch ist es nicht so weit: Denn oft entscheide nicht die Geschwindigkeit der Reife, sondern mehr noch der Gesundheitszustand der Trauben, wann sie geerntet werden (müssen), betont Edgar Müller, Weinbauberater beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe. Für ihn ist deshalb bei allen Prognosen zurzeit noch viel Kaffeesatzleserei dabei. Aber auch er rät den Winzern, sich darauf vorzubereiten, möglicherweise so früh wie noch nie zu lesen. Er geht davon aus, dass beim Müller-Thurgau ab dem 20. Juli die ersten Beeren weich werden und der Reifebeginn – wenn das für etwa die Hälfte der Beeren zutrifft – zwischen dem 23. und 25. Juli liegt, beim Riesling um die Monatswende.

Bisher ist 2018 für die meisten Winzer fast alles nach Wunsch gelaufen. Anders als 2017 gab's zumindest keine schlimmen Frostnächte, und auch die Hagelschäden halten sich bisher in Grenzen. Zudem bereitet auch der Pflanzenschutz keine größeren Probleme. Das trockene Wetter hat beispielsweise den Falschen Mehltau abgebremst, berichtet Müller. Selbst die Quantität stimmt nach mehreren Jahren mit eher schwachen Erträgen. „Eine überdurchschnittliche Ernte könnten wir gut gebrauchen“, hofft Eckes.

Allerdings gibt es da Unterschiede: Während manche Wingerte nach Aussage von Müller „brechend voll hängen“, ist mitunter sogar direkt nebenan eine rätselhafte Verrieselung zu beobachten, die mit dem Verlauf der Blüte allein nicht zu erklären ist. Das Phänomen gibt's nach Aussage des DLR-Experten nicht nur beim Riesling, sondern auch bei Sorten, die eigentlich nicht zur Verrieselung neigen. Der Vorsitzende von Weinland Nahe sieht ansonsten aber alle Voraussetzungen für einen „superschönen Jahrgang“ erfüllt. Auch die Trockenheit ist kein Thema: „Es ist noch Feuchtigkeit im Boden“, berichtet Eckes. Der Winzer weiß aber nur zu gut, dass noch viel passieren kann.

Die große Unbekannte ist wie immer das Wetter: In den nächsten Tagen droht wohl keinerlei Gefahr. „Aber die letzten vier Wochen vor der Lese können mehr kaputt machen als die vier Monate vorher gut gemacht haben“, gibt Edgar Müller zu bedenken. Ein paar warme Regentage oder ein Hagelschauer – und schon sieht alles plötzlich wieder ganz anders aus. Auch große Hitze wäre schädlich. „Es soll jetzt bis zur Lese möglichst so bleiben wie in den vergangenen Tagen“, wünscht sich Wolfgang Eckes. „Dann kann es sogar einen großen Jahrgang geben.“

Von Kurt Knaudt

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