40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Oeffentlicher Anzeiger
  • » Bad Münster am Stein kurt seit dem Mittelalter: Ältestes Bad war mehr private Wellnessoase
  • Aus unserem Archiv
    Bad Münster-Ebernburg

    Bad Münster am Stein kurt seit dem Mittelalter: Ältestes Bad war mehr private Wellnessoase

    Bad Kreuznach feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen als Heilbad. Im neuen Stadtteil Bad Münster am Stein reicht die Badtradition allerdings mindestens bis ins späte Mittelalter zurück, wie eine Urkunde im Generallandesarchiv Karlsruhe belegt.

    Am 6. Juni des Jahres 1490 verleiht Kurfürst Philip von der Pfalz zu Heidelberg „seinem obersten Meisterkoch Conrat Brune und dem Mathis von Nuwendorff, ebenfalls Koch, die Salz- und Badbrunnen, die sich beiderseits der Nahe gezeigt haben zwischen Ebernburg und Creuznach, besonders aber einen Salzbrunnen oberhalb Münster gegenüber dem Rheingrafenstein als Erblehen“.

    Neben der Errichtung von Salzsiedeanlagen erlaubte ihnen der Landesfürst, dass sie dort „ein oder mehr Badestätten aufrichten und ihre Wirtschaft darin halten mögen, als dazu gehört und man ander natürlich Bäder anschickt, daß Armen und Reichen Handlung geschehe. Dafür sollen sie für jeden Menschen, der einen Tag zu Bade geht, 1 Heller an den Kurfürsten abführen“. Auch die Kurtaxe ist also nicht neu an der Nahe.

    1493 soll die Anlage aus zwei Salzsiedepfannen und zwei Badehäusern für Gäste bestanden haben. Leider ist über die frühe Badgeschichte von Bad Münster noch nicht weiter geforscht worden. Umfang und Dauer des Badebetriebes sind nicht bekannt. Reste der ersten Badeanlagen wurden bisher nicht gefunden, doch sind sie sicher im Bereich des Kurparks nah bei den Quellen zu lokalisieren.

    Wie bereits die Urkunde von 1490 bemerkt, hat Bad Münster keine gebohrten Brunnen sondern artesische Quellen, deren salzhaltiges Wasser von allein an die Oberfläche tritt. Mehrere der am Ufer und in der Nahe liegenden Quellen liefern bis zu 30 Grad warmes Thermalwasser. Es ist nicht auszuschließen, dass schon die badefreudigen Römer dies nutzten.

    Das erste Badehaus, über dessen Lage und Aussehen wir genauer unterrichtet sind, wurde im 18. Jahrhundert von der Frankfurter Salinensocietät Bartels und Rupprecht gegenüber der ehemaligen Kurverwaltung erbaut.

    1843 heißt es: „Unten im Garten steht ein rundes, in Tropfstein ausgeführtes, mit Schiefern gedecktes Badehäuschen, das älteste und erste im Nahetal, Durchmesser 10 Fuß (3,14 Meter), Höhe 12 Fuß (3,76 Meter).“ Bei Tropfstein handelte es sich wohl um Dornstein, also versteinerte Gradierwerksreiser. Die Grotte im Kreuznacher Schlosspark, aus dem gleichen Material errichtet, gibt eine Vorstellung, wie dieses erste Badehaus ausgesehen haben wird.

    Laut Pfarrer Schneegans diente dieses älteste konkret nachweisbare Bad mit Solewasser den an der Sozietät beteiligten Familien aus Frankfurt a. M., ihren Verwandten und Freunden – diente also eher als private Wellnessoase denn als öffentliches Kurbad.

    Noch vor dem Verkauf der Saline an den preußischen Staat 1843 muss sich zu Anfang des Jahrhunderts ein allgemeiner Badebetrieb entwickelt haben. Schneegans veröffentlicht 1839 einen Kupferstich mit dem Untertitel „Badhaus zu Münster am Stein“.

    Wenig später machte Salineninspektor Schnoedt Werbung für das „Brom- und Jode-haltige Sool-Bad.“ Bäder, Gästezimmer und eine Weinwirtschaft wurden im Verwaltungsgebäude eingerichtet. Kaum begann der Badebetrieb in Münster am Stein sich zu entwickeln, da drohte Ungemach aus der Nachbarschaft. Der bekannte Kreuznacher Badearzt Dr. Prieger machte 1846 eine Eingabe an die preußische Regierung. Zitat: „Es ist wünschenswert, will man den Bewohnern Kreuznachs eine besondere Berücksichtigung schenken, das ganze Badeleben in dieser Stadt zu konzentrieren und Münster als Badeetablissement eingehen zu lassen.“ Irgendwie kommt uns das heute bekannt vor.

    „Es ist wünschenswert, will man den Bewohnern Kreuznachs eine besondere Berücksichtigung schenken, das ganze Badeleben in dieser Stadt zu konzentrieren und Münster als Badeetablissement eingehen zu lassen.“ Das schrieb der Kreuznacher Badearzt Dr. Prieger 1846 in seiner Eingabe an die preußische Regierung

    Der Appell tat seine Wirkung. Schon im selben Jahr wurde der Badebetrieb in Münster am Stein geschlossen. Immerhin konnte die Gemeinde Münster am Stein durch Eingaben bei der Regierung in Koblenz erreichen, dass der Badebetrieb 1852 wieder aufgenommen wurde. 1857 wurde sogar das Gebäude über dem Hauptbrunnen mit einer Trinkhalle neu errichtet. Dessen Innenteil wurde 1910 beim Bau des Kurmittelhauses in Richtung Nahe als Soleturm versetzt und existiert noch heute.

    Bald fanden sich unter dem Rheingrafenstein Badegäste aus dem In- und Ausland ein, darunter solche mit großem Namen. 1862 weilten Clara Schumann und Johannes Brahms zusammen mit dem Oldenburger Hofkapellmeister Albert Dietrich hier. Brahms wohnte in Ebernburg, Clara Schumann mit ihren Kindern in Münster. Dietrich schrieb über diesen Aufenthalt: „Brahms und ich arbeiteten fleißig. Frau Schumann übte und nachmittags, wenn wir nicht alle zusammen eine Tour in die Umgebung machten, musicirten wir nach Herzenslust. Brahms componierte hier die ersten zwei Hefte seiner wunderherrlichen Magelonenlieder. Sie waren die schönsten von allen, die er gemacht.“

    Einen gravierenden Einschnitt ins beschauliche Leben brachten die Eröffnung der Rhein-Nahe-Eisenbahn 1859/60 sowie die Anbindung der Alsenzbahn 1871. Münster am Stein wurde zum Eisenbahnknotenpunkt wichtiger Linien von Holland nach Mailand und von Russland und Berlin nach Paris. Dem Bahnbau folgten ein rasanter Aufschwung und die große Zeit der Kur unter dem Rheingrafenstein.

    Von Stefan Köhl

    200 Jahre Heilbad: Die Kur im Wandel der Zeit

    Heute: Die

    Anfänge der Kur in Bad Münster

    Bad Kreuznach
    Meistgelesene Artikel
    UMFRAGE
    UMFRAGE Jamaika ist passé: Wie soll's weitergehen?

    Nach der Aufkündigung der Jamaika-Gespräche durch die FDP: Wie soll es nun weitergehen?

    Anzeige
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis 201

    Die Kandidaten im Wahlkreis 201: Porträts, Interviews und Aktionen

    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Donnerstag

    10°C - 14°C
    Freitag

    8°C - 13°C
    Samstag

    3°C - 10°C
    Sonntag

    3°C - 7°C
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Jahresrückblick 2016