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Bad Kreuznach

Am Abend kaum Durchkommen, doch: Halbseitige Sperrung der Alzeyer Straße könnte bloß Vorgeschmack sein

Inzwischen hat man sich in Bad Kreuznach daran gewöhnt: zu gewissen Zeiten geht auf der Alzeyer Straße nichts mehr. Die Bauarbeiten der vergangenen Wochen werde zwar voraussichtlich heute abgeschlossen – die Staus und die erheblichen Wartezeiten während der Instandsetzung, vor allem zu den Stoßzeiten im Stadtsüden, die so manchen Verkehrsteilnehmer zur Verzweiflung brachten, könnten aber ein dunkles Vorzeichen gewesen sein.

Die Alzeyer Straße wie man sie kennt: viel befahren, verstopft, der Verkehr stockt. Foto: Harald Gebhardt
Die Alzeyer Straße wie man sie kennt: viel befahren, verstopft, der Verkehr stockt.
Foto: Harald Gebhardt

Komplizierte Umleitungen

Der Eindruck täuscht nicht, die Alzeyer Straße hat den viel zitierten Verkehrskollaps bereits erlitten. Besonders deutlich wurde das in den vergangenen 14 Tagen, als diese eminent wichtige Nord-Süd-Achse im Abschnitt zwischen Rewe-Kreisel und Aldi halbseitig gesperrt war. Ein kompliziertes Umleitungssystem war die Folge.

Dort nahm der Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Erneuerung der Asphaltdeckschicht vor – eine Maßnahme, die unumgänglich war, wie Marc Rauhut von der Behörde berichtet. Zuvor wurde der Knotenpunkt von Alzeyer und Mannheimer Straße umgestaltet sowie die Voraussetzungen für diverse Fußgängerüberwege geschaffen.

„Die Sanierung der anderen Spur der Alzeyer Straße haben wir ins neue Jahr verschoben“, erklärt Rauhut, dass auch 2018 mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen ist. Auch weil man befürchtet, vor dem angekündigten Winterfrost nicht mehr rechzeitig fertig zu werden und Teile der Baustelle offen liegen lassen zu müssen. Der LBM investiert in toto 350.000 Euro, die Stadt steuert 60.000 Euro bei.Die nötige Maßnahme bot Wochen lang einen Ausblick auf das, was bald Alltag sein könnte.

Umfrage: Verkehrskonzept in Bad Kreuznach nur mäßig befriedigend

Im Endbericht des IVEK zeigen sich die Bad Kreuznacher Autofahrer nur mäßig zufrieden insgesamt mit der Verkehrssituation innerhalb der Stadtgrenzen.

Bei einer Umfrage anlässlich der Erstellung des Verkehrskonzeptes wurde das Verkehrssystem „Auto“ lediglich mit der Schulnote 3,3 (knapp befriedigend) beurteilt. Und somit schlechter als in den Vergleichsstädten Lemgo und Taunusstein. ri

Hat die Alzeyer Straße schon jetzt mit einer in der Summe zu hohem Verkehrsaufkommen zu kämpfen, werden sich die Zustände t noch verschlimmern. Im Moment sorgt vor allem die engmaschige Abfolge von Verkehrskreiseln und Querungsmöglichkeiten für Fußgänger dafür, dass es zu langen Staus kommt. In naher Zukunft, wenn die neue Kita und das neue Wohngebiet „Rebstock“ ans Netz gehen, wird sich die Belastung steigen. Das im Rahmen der Planung der Wohnbebauung auf dem „Dschingis-Khan“-Gelände vom Bauherren in Auftrag gegebene Gutachten beziffert die Steigerung des Verkehrsaufkommens auf 466 Pkw- und 5 Lkw-Fahrten pro Tag – und dabei ist noch keine Rede vom großen Neubaugebiet „In den Weingärten 2“, das teilweise ebenfalls über die Alzeyer Straße erschlossen wird, da es an Alternativen mangelt.

Gutachter ändern ihre Meinung

Der Urheber dieses Gutachtens, das Dortmunder Büro Planersocietät, zeichnete 2016 auch für die Erstellung des Integrierten Verkehrskonzeptes (IVEK) verantwortlich. Während das Büro im Endbericht des IVEK formulierte, dass die Alzeyer Straße zu Spitzenzeiten überlastet sei, fällt die neuerliche Betrachtung im Rahmen des Verkehrsgutachtens im Februar 2017 etwas anders aus. Überraschend wohlwollend. Die Leistungsfähigkeit der Straße könne weiterhin konstatiert werden, auch mit der Mehrbelastung von 460 Autofahrten pro Tag. Eine Auffassung, die nur wenige Autofahrer, die tagtäglich die Alzeyer Straße passieren, teilen dürften. Der Gutachter empfiehlt eine Aufweitung der Straße, allerdings nur im Bereich der Einmündung zur neuen Kita. Dort soll es eine eigene Spur für die stadteinwärts fahrenden Autos, die links in Richtung Kita abbiegen möchten, geben. Parken am Rand der Alzeyer Straße ist damit passé.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

Kommentar: Der Rubel rollt, der Verkehr nicht

Die Bauarbeiten an der Alzeyer Straße haben wieder einmal schmerzlich vor Augen geführt, dass diese Straße funktionieren muss. Ohne Baustelle stockt der Verkehr dort schon, mit halbseitiger Sperrung geht gar nichts mehr.

Marian Ristow
Marian Ristow

Die Alzeyer Straße ist mit ihren zwei Spuren und drei Verkehrskreiseln aus Autofahrersicht besonders perfide: Weil Verkehrskreisel mit zuschaltbaren Fußgängerampeln nicht mehr in der Lage sind, den anfallenden Verkehr abzuwickeln.

Radwege? Mangelware. Wenn man daran denkt, dass der städtische Süden weiterhin wächst und eine Südumgehung noch Jahre dauern könnte, kann einem Angst und Bange werden. Wie man dieser Straße ernsthaft und guten Gewissens attestieren kann, noch mehr Fahrzeuge zu vertragen, entzieht sich jeglicher Vernunft und scheinbar auch jedweder Sachkompetenz.

Da haben die Gutachter versagt. Und die, die aus jedem freien Zentimeter in der Stadt Baurendite herauspressen wollen, ebenso. Der Rubel rollt, der Verkehr nicht.

E-Mail an marian.ristow@rhein-zeitung.net

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