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Bad Kreuznach

Ab in den Stofftempel: Tausende Knöpfe wechseln den Besitzer

Silke Bauer

Es gibt sie in klein und in groß, in rund und in länglich, sie sind mit feinem Stoff überzogen, bestehen aus Horn, Kokosholz, Ebenholz, Steinnuss, Perlmutt oder Plastik und glänzen in den schillerndsten Farben: Im Laden Wenk Mode und Accessoires in der Salinenstraße lagern in altmodischen Schubladen Tausende Knöpfe die nur darauf warten, eines Tages ein Kleidungsstück zu zieren. Doch bevor sie die Welt sehen dürfen, müssen sie ihr altes Domizil erst mal verlassen, denn Karin Wenk schließt ihre Boutique zum 20. Juli und gibt ihr riesiges Knopfsortiment an Petra Häffner ab, die in der Poststraße den Stofftempel betreibt.

Karin Wenk schließt ihre Boutique in der Salinenstraße am 20. Juli. Ihr riesiges Sortiment aus hochwertigen Knöpfen hat in Petra Häffner, die in der Poststraße den „Stofftempel“ betreibt, einen Abnehmer gefunden.  Foto: Silke Bauer
Karin Wenk schließt ihre Boutique in der Salinenstraße am 20. Juli. Ihr riesiges Sortiment aus hochwertigen Knöpfen hat in Petra Häffner, die in der Poststraße den „Stofftempel“ betreibt, einen Abnehmer gefunden.
Foto: Silke Bauer

Karin Wenk fällt es nicht ganz leicht, ihren Laden, den ihre Eltern Hermann und Gretel Wenk 1949 als Geschäft für Schneidereibedarf gründeten und in den sie 1979 einstieg, für immer zu schließen, schließlich ist sie hier groß geworden, genau wie ihre eigene Tochter auch. Doch die Geschäftsaufgabe ist ihre eigene Entscheidung, denn Wenk möchte sich schon länger beruflich verändern. Die Räumlichkeiten, die ihr schon lange ein wenig zu groß sind, hat sie anderweitig vermietet, auch wenn sie noch nicht verraten will an wen. Sie ist nun offen für eine neue berufliche Herausforderung. Mit Mode muss diese nicht unbedingt etwas zu tun haben, betont sie. „Es kann auch eine Büroarbeit oder etwas im Servicebereich sein. Ich bin neugierig.“ In den Anfangsjahren befand sich das Geschäft noch in der Turmstraße, dann zogen die Eltern um in die Salinenstraße 36 – an die Stelle, wo die Volksbank aktuell ihren Neubau errichtet. Erst 1974 wechselten sie auf die andere Straßenseite, wo sich der Laden noch heute in einer kleinen Passage neben dem Café Wonsyld versteckt. Doch das tut er wie gesagt nur noch wenige Wochen. „Die Räume sind bereits anderweitig vermietet, erzählt die 61-Jährige. Den 70. Geburtstag im nächsten Jahr hat ihr Laden somit knapp verfehlt.

Das Geschäft der Familie Wenk verkaufte in den Anfangsjahren weder Kleidung noch Accessoires – erst im Laufe der Jahre bekamen die Reißverschlüsse, Knöpfe und Bindfäden nach und nach Gesellschaft von Hüten, Kleidern, Schals und Modeschmuck. Seit den Siebzigern können sich die Bad Kreuznacher Damen bei Karin Wenk von „Knopf bis Fuß“ einkleiden, wie es auch ein Schriftzug an der Tür verspricht.

Wie so viele andere in diesen letzten Öffnungstagen auch, nutzt Wenks Stammkundin Karin Schlaadt die Gelegenheit und deckt sich im Räumungsverkauf noch einmal mit Kleidern und Nähmaterial ein. „Ich finde es schade, dass Frau Wenk ihren Laden schließt“, sagt die 78-Jährige. Die alte Dame legt bei ihrer Garderobe Wert auf Qualität: „In meinem Alter braucht man etwas Hochwertiges“, sagt sie.

Hochwertig sind auch die Knöpfe, die demnächst in den Stofftempel umziehen werden. „Das ist ein über die Jahre gewachsenes Sortiment, für das wir weit über die Grenzen Bad Kreuznachs hinaus bekannt sind“, sagt Wenk. Anders als in den großen Kaufhäusern nutzt Wenk keine Röhrchen zur Aufbewahrung der Knöpfe, sondern präsentiert sie an einer speziell angefertigten Wand mit integriertem Schubladensystem. Es war Wenk wichtig, dass der neue Besitzer ebenfalls mit diesem System arbeitet. Ein solcher hat sich mit Petra Häffner, die mit dem Stofftempel ein Fachgeschäft für Handarbeiten betreibt, aufgetan. „Das war Fügung“, finden die beiden. Häffner ist sich sicher, dass die Knöpfe zahlreiche Abnehmer finden werden. Anders als noch in der Generation der um 1950 Geborenen, bei denen das Nähen regelrecht verpönt ist, liegen Handarbeiten nämlich mittlerweile wieder im Trend, erzählt die gelernte Schneiderin. „Jeder, der etwas auf sich hält, stellt sich was Eigenes her“, erzählt sie. „Bei vielen ist dieser Nachhaltigkeitsgedanke da, sie wollen sich von der Masse abheben und weg von der Wegwerfgesellschaft.“ Deswegen seien die meisten Kunden auch bereit, den ein oder anderen Euro mehr für einen hochwertigen Stoff oder einen schönen Knopf auszugeben.

Von unserer Redakteurin
Silke Bauer

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