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Rüdesheim

Ästhetik in Blech lässt Enthusiasten schwärmen: Elftes "Wein trifft Classic" in Rüdesheim

Geschwungene Formen, blitzendes Chrom, weiches Leder, edle Patina: Zum elften „Wein trifft Classic“ laden die 40 Oldtimer-Freunde um Vorsitzenden und Ortsbürgermeister Jürgen Poppitz für Sonntag, 8. Juli, von 11 bis 20 Uhr ins Rüdesheimer Weingut Welker-Emmerich ein. Rund 120 Oldies und 1000 Gäste werden in den Winzerhof, der an diesem Tag ums Kleinspielfeld der Gemeinde und die teils gesperrte Jahnstraße „erweitert“ ist, kommen.

Die Formation The Sixties spielt, der Gesangverein Rüdesheim bietet Kaffee und Kuchen, Wein und kleinere Snacks kommen vom gastgebenden Weingut, Bewirtung und Mahlzeiten von der Metzgerei Balzer und Bier sowie Alkoholfreies steuert der Rüdesheimer Freizeitclub bei.

Automobile aus vergangenen Zeiten – schön anzusehen, aber auch schön zu fahren? Wir sprachen mit Jürgen Poppitz (59) und Hans-Jürgen Bäder (55), zwei Vierrad-Enthusiasten, über dieses kostspielige Hobby mit den knuffigen, staatstragenden oder ausgefallenen Vehikeln, etwa der Ära Adenauer, und über das Oldie-Event.

Herr Poppitz, Herr Bäder, wie kam es zu „Wein trifft Classic“?

Poppitz: Matthias Harke und Günter Aubel luden einst zum Oldtimer-Treff auf den Kronenhof Norheims. Irgendwann wurden wir gefragt, ob wir nicht auch mal ein solches Treffen ausrichten könnten.

Bäder: Wir wollten aber ein Event, bei dem man durch die Menge fährt und die Autos auch erläutert werden. Unser Moderator ist Jürgen Poppitz. Die Norheimer sind später mit ihrem Treff in den Kurpark von Bad Münster umgezogen. Heute sind dort Anfang August 500 Oldtimer zu sehen. Gut!

Wann wurde Ihr Club gegründet?

Bäder: 2007 als „Classic Automobile Rüdesheim“, abgekürzt CAR, mit sieben Leuten, die alle ein Herz für Oldtimer, also Fahrzeuge ab 30 Jahren aufwärts, haben.

Poppitz: Uns eint die Vorliebe für die Oldtimer, aber ein großes Vereinsleben haben wir nicht. Wir helfen uns bei technischen Fragen und fahren hin und wieder aus. Und laden jährlich zu „Wein trifft Classic“.

Wie wird man eigentlich zu einem Oldtimerfreund?

Poppitz: In jungen und geldarmen Jahren mussten wir unsere fahrbaren Untersätze, ob Mofas, Motorräder oder erste Autos, selbst reparieren können, um zu „unsere Meed“ zu kommen. Diese Vorliebe am Basteln, Schrauben und Reparieren der Autos hat uns später bei den ersten Oldtimern geholfen.

Bäder: Die Ersatzteile dafür bekamen wir anfangs bei großen Oldtimer-Märkten einmal im Jahr in Ludwigshafen oder Mannheim. Heute gibt es die meistens im Internet. Das Gute an den Oldies: Du kannst fast alles selbst reparieren, an modernen Autos sind die Teile verpresst, verbaut oder mit hochkomplexer Elektronik versehen. Keine Chance für Selbstschrauber.

Wenn es Originalteile nicht mehr oder nur selten gibt, ist bei einem Oldtimer Improvisation erlaubt?

Poppitz: Nein! Denn darauf gucken TÜV oder Dekra, die das Auto für zwei Jahre abnehmen, ganz genau. Schöner Schein außen und im Motor- oder Innenraum selbst gestrickte Lösungen sind tabu.

Bäder: Sonst kriegt man das H-Kennzeichen nicht. Und das braucht es für die niedrigere Steuer: 195 Euro im Jahr. Außerdem: Nur mit diesem Kennzeichen darf man in alle innerstädtische Umweltzonen fahren. Die Versicherung kostet etwa 400 Euro im Jahr, dafür braucht es ein Wertgutachten eines vereidigten Experten. Und: Wer einen Oldtimer bewegen will, muss den Führerschein wenigstens fünf Jahre haben. Zwischen Mai und Oktober werden die Autos vor allem gefahren. Im Winter stehen sie meist, um sie zu schonen und auch, weil nicht alle wintertauglich sind.

Alte Autos sind ja nett anzusehen, aber wollten Sie auf die Technik und die Assistenzsysteme in modernen Autos verzichten?

Poppitz (der im Alltag einen Mercedes CLS fährt): Ganz klar: Nein! Die übergroßen Lenkräder, die langsam anlaufenden Heizungen, die Anzeigen, das schwere Material, der Verbrauch, die Umweltfreundlichkeit: In modernen Autos ist man weit komfortabler unterwegs. Vor allem in puncto Sicherheit: Darin sind die Fahrzeuge von heute unschlagbar.

Bäder (der im Alltag einen A6-Kombi fährt): Wenn es aber um die Form, die Anmutung geht, ist es schon schön, sich in einem Oldtimer entspannt durch die Lande zu bewegen. Es macht Spaß, es ist aber auch nicht ganz billig. Beim Kauf bist du schnell im mittleren fünfstelligen Bereich und darüber. Das Fahren mit Oldtimern hat was von Spaß und Sorge zugleich, denn irgendwas geht immer kaputt.

Finanziell betrachtet sind Oldtimer Fässer ohne Boden?

Poppitz: Am Anfang ja, wenn man sie kauft und herrichtet. Später dann nicht mehr so sehr. Zurzeit steigen gut restaurierte Oldtimer im Wert kontinuierlich, können also auch eine rentable Geldanlage sein. Das kommt aufs Modell an; denn nicht alle Marken sind gleichermaßen gefragt.

Bäder: Und die Menge macht's. Nach und nach fluten Tausende Golf-1-Youngtimer den Markt.

Die Fragen stellte Stefan Munzlinger

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