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Bad Kreuznach

20-jähriger Drogendealer verkaufte auf Spielplatz – 25 000 Euro eingezogen

Marian Ristow

Der Widerruf seines Geständnisses nutzte ihm nichts: Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Kreuznach verurteilte einen 20-jährigen Bad Kreuznacher zu einer Jugendeinheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Richter Roman Hamel sprach den jungen Mann in sechs Fällen schuldig, größere Mengen Marihuana angekauft zu und diese mit erheblichem Gewinn weitergedealt zu haben.

Nach Auffassung des Jugendschöffengerichts war der Spielplatz an der Schäfergasse ein Drogenumschlagplatz.  Foto: Marian Ristow
Nach Auffassung des Jugendschöffengerichts war der Spielplatz an der Schäfergasse ein Drogenumschlagplatz.
Foto: Marian Ristow

Der Heranwachsende, der nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, ist kein unbeschriebenes Blatt: das Verlesen seiner Einträge im Bundeszentralregister dauerte länger als das Verkünden des eigentlichen Urteilsspruchs. Zurzeit seiner neuerlichen Verurteilung saß er eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten wegen Falschaussage ab. Zum Zeitpunkt seiner umtriebigen Drogenhändlertätigkeit stand er unter Bewährung.

Sechs mal soll der 20-Jährige, der über keine Berufsausbildung verfügt, bei einem Großdealer, der inzwischen hinter Gittern sitzt, jeweils ein halbes Kilo Marihuana angekauft haben. Er zahlt zwischen 4,50 und 5 Euro pro Gramm. Er verkaufte es für doppelt so viel weiter. Sein Pech: Seine Bezugsquelle wurde bereits seit langem von der Polizei überwacht. So kamen die Behörden „Babahaze“, so wohl der Szenename des 20-Jährigen, auch wenn er das vor Gericht nicht zugeben wollte, auf die Spur.

Eine Hausdurchsuchung bei dem einschlägig Vorbekannten brachte den Durchbruch und die sofortige Verhaftung: In seiner Wohnung im Pariser Viertel fanden die Beamten neben einem schlafenden Drogenfreund, 900 Euro in ein Zigarettenschachtel versteckt und über 300 Gramm Marihuana, sauber in Plastiktütchen verteilt, im Bettkasten, in einer Sporttasche und auf der Fensterbank. Seine minderjährige Freundin, die zwar von seinem Dealerdasein wusste, von der er seine Machenschaften aber konsequent fernhielt, machte gerade den Haushalt, als die Beamten die Tür aufbrachen. Sein bevorzugter Verkaufsplatz: Der Pocket Park mit angegliedertem Spielplatz an der Ecke Planiger Straße/Schäfergasse.

Nach seiner Verhaftung war der Mann geständig. Bei der Polizei leistete er umfassende Aufklärungshilfe und sorgte maßgeblich dafür, dass seine Bezugsquelle, ein im Frühjahr 2017 verurteilter Türke, inhaftiert werden konnte. Dieser bestätigte in seinem Verfahren diese Angaben und gestand ebenfalls.

So richtig rund lief es für den 20-Jährigen, der bis er 18 wurde, in einem Jugendheim in Trier aufgewachsen ist, nie. Seine kriminelle Laufbahn begann mit einem Cheeseburger-Diebstahl in einer Norma-Filiale, später kamen Körperverletzungsdelikte hinzu. Und dazu immer wieder Drogen. Nach eigenen Angaben konsumierte in der Phase vor seiner Inhaftierung acht Gramm Marihuana pro Tag. Auch die Jugendgerichtshilfe attestierte dem jungen Mann erhebliche Entwicklungsverzögerungen. Ohne die Bekämpfung seiner Sucht, könne man ihm keine positive Sozialprognose attestieren. Beruflich habe er sich nach seinem guten Hauptschulabschluss noch nicht orientieren können. Bisher hat der junge Mann noch nicht wirklich gearbeitet, seine Hartz-4-Bezüge hat er mit den Einnahmen aus Drogenverkäufen aufgebessert.

Für Staatsanwalt Günter Horn war es trotz des widerrufenen Geständnisses unstrittig, dass „Babahaze“ mit Drogen gedealt hat. Die Einlassungen bei der Polizei seien glaubhaft gewesen. Er forderte eine Haftstrafe von drei Jahren. Richter Roman Hamel blieb mit dem Urteil etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, eingedenk der umfassenden Aufklärungshilfe, die der 20-Jährige leistete. Außerdem muss der Verurteilte den kalkulierten Profit von rund 25.000 Euro nachzahlen, was der verschuldete Mann wohl nicht aus eigener Kraft leisten kann. Er nahm den Richterspruch gefasst zu Kenntnis und schwieg.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

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