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Monzingen

SERIE Nachwuchs im Wingert: In Australien machte es bei Laura Weber plötzlich klick

Kurt Knaudt

Auch wenn sie in einem traditionsreichen Weinbaubetrieb aufgewachsen ist: Der Berufsweg war für Laura Weber deshalb keineswegs vorgezeichnet. „Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht“, berichtet die frühere Naheweinkönigin und amtierende Jungwinzerin des Jahres. Erst als sie nach dem Abi mit ihrer Freundin im Jahr 2012 fünf Wochen durch Australien reiste, machte es irgendwann wie von selbst klick.

Laura Weber engagiert sich gern, allerdings nicht in der Politik: „Das ist nicht meins“, hat die 25-Jährige erkannt. Im traditionsreichen elterlichen Weingut kümmert sie sich um Marketing und Messen.  Foto: © territory Gütersloh / Jörg Sänger
Laura Weber engagiert sich gern, allerdings nicht in der Politik: „Das ist nicht meins“, hat die 25-Jährige erkannt. Im traditionsreichen elterlichen Weingut kümmert sie sich um Marketing und Messen.
Foto: © territory Gütersloh / Jörg Sänger

Da war plötzlich wie von Zauberhand in ihr der Entschluss gereift, in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten.

Eine neue Jungwinzergruppe

Nach ihrer Rückkehr begann sie in Geisenheim ein Studium für Weinbau und Oenologie, das sie im Februar 2016 als Bachelor of Science abschloss. Jetzt arbeitet die 25-Jährige in dem seit 1732 bestehenden Weingut ihrer Eltern in Monzingen mit, wo sie sich ums Marketing und um Messeauftritte kümmert. „Wir sind gut aufgestellt und ein sehr gutes Team“, betont sie. Die Größe ist mit 15 Hektar „für uns als Familienbetrieb genau richtig“, findet Laura Weber. Ihr als klassischem Familienmensch gefällt, dass dort einschließlich der 88-jährigen Oma drei Generationen unter einem Dach zusammenleben. Was nicht ausschließt, dass sie auch mal ein bisschen Distanz braucht.

Die findet sie in der Winzer-WG in Bad Kreuznach, in der sie zusammen mit Barbara Wollschied, ihrer Vorgängerin als Nahequeen, und Christian Staab, dem Bruder der Deutschen Weinkönigin Katharina Staab, wohnt. Das bedeutet für sie ein Stück mehr Selbstständigkeit und die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen. Dort werden – natürlich bei einem Glas Wein – des öfteren Ideen ausgetauscht, wie man das Anbaugebiet noch weiter nach vorn bringen könnte. „Die Nahe hat noch Mega-Potenzial.“ Laura Weber ist hier verwurzelt. Sie engagiert sich aus Überzeugung in der 2013 gegründeten Landjugend. Ihr liegt der dort gelebte Zusammenhalt sehr am Herzen. „Neid und Konkurrenzdenken schaden nur. Gemeinsam lässt sich am besten was bewegen“, weiß sie.

Ganz in ihrem Sinne ist deshalb eine neue Initiative: Sie gehört zu einer Jungwinzergruppe, die gemeinsam mit Gastronom Alexander Jakob zukünftig gemeinsame Veranstaltungen im Kurhaus von Bad Münster auf die Beine stellen will. „Das ist eine tolle Location“, schwärmt die 25-Jährige, die sich auch im Weinorden und in der DLRG Bad Sobernheim engagiert. Dort kümmert sich die Rettungsschwimmerin um die Ausbildung des Nachwuchses – und bedauert, dass die Zahl der Trainingsmöglichkeiten immer mehr abnimmt.

Die junge Aktivistin gehört bereits vier Vereinsvorständen an. In die Politik aber drängt es sie gar nicht: „Das ist überhaupt nicht meins“, hat sie früh erkannt. Ihr Wesen ist nicht auf Konfrontation und Streit ausgelegt: „Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch.“ Wo- bei sie aber nicht gleich klein beigibt, wenn ihr etwas wichtig ist: „Ich weiß, was ich will.“ Das gilt auch für ihren Geschmack. Laura Weber bevorzugt gereiftere Rieslinge – insbesondere zum Essen passen die ihrer Meinung nach besser als trockene Weine. Nachhaltigkeit ist für sie mehr als nur ein Schlagwort: „Man muss im Winter keine Erdbeeren essen.“ Zudem will die junge Frau möglichst immer genau wissen, wo ihr Essen herkommt.

Gegen neun Männer durchgesetzt

Sie liebt es einfach und klassisch. „Pellkartoffeln mit Quark oder Tortellini mit einer Käsesahnesoße gehen immer“, weiß ihre Mutter Sabine. Dem Klimawandel sieht Laura Weber mit einer gewissen Gelassenheit entgegen. „Früher kam es schon mal vor, dass die Trauben nicht reif geworden sind und viel zu viel Säure hatten. Ich hingegen habe bisher nur sehr gute Jahrgänge erlebt.“ Mit Spätfrösten, Starkregen und Trockenheit hadert sie nicht: „Man muss sich in diesem Beruf immer darüber im Klaren sein, dass es diese Risiken gibt.“

Als sie zehn war, schenkte ihr der Opa einen 0,5 Hektar großen Weinberg – eine Geste mit symbolischer Tragweite. Damals ahnte Laura Weber noch nicht, dass sie 20 Jahre später Jungwinzerin 2017/18 sein würde. Bei der Finalrunde setzte sie sich als einzige nominierte Frau gegen neun männliche Konkurrenten durch. Die Fachjury der Deutschen Landwirtschaftsgestellschaft (DLG) hob sie nach Vorstellungsrunde, Blindverkostung und Weinquiz auf den Thron. Sie freut sich darüber – nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Nahe, „die deutschlandweit leider immer noch nur ein Geheimtipp ist“. Sie will mit dazu beitragen, dass sich das schon bald ändert.

Von Kurt Knaudt

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