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    Waldböckelheim

    SERIE Nachwuchs im Wingert: Der Vater gewährt Freiraum für eigene Ideen

    Es riecht deutlich nach Herbst und Most, als Christiane Koebernik die Tür der Vinothek öffnet. Im Hof ist ihr Vater Ernst-Günter mit einem Mitarbeiter dabei, Gerätschaften für das Keltern zu reinigen, denn für dieses Jahr ist die Weinlese im Waldböckelheimer Weingut Emmerich-Koebernik beendet.

    Die Arbeit im Keller gehört zu Christiane Koeberniks liebsten Tätigkeiten.  Foto: Weinland Nahe
    Die Arbeit im Keller gehört zu Christiane Koeberniks liebsten Tätigkeiten.
    Foto: Weinland Nahe

    „Vorige Woche haben wir die Lese abgeschlossen. Mit der Qualität sind wir sehr zufrieden, wenn auch die Erntemenge deutlich durch den Spätfrost im Frühjahr reduziert wurde“, zieht die Kellermeisterin Bilanz. Nun beginnt derjenige Arbeitsabschnitt, der mit zu ihren liebsten Tätigkeiten im vielseitigen Winzerberuf gehört: der Ausbau der Moste, die in den Stahltanks lagern. „Die Arbeit im Keller und mit dem Wein unterwegs sein, bei Veranstaltungen oder auf Messen, macht mir am meisten Spaß“, bekennt Christiane Koebernik.

    Sie wurde als zweite Tochter von Doris Emmerich-Koebernik und Ernst Günter Koebernik im Oktober 1986 geboren. Das verraten die geschnitzten Fassböden der Hochzeitsfässer ihrer Eltern, die ein Blickfang am Eingang zum ansonsten funktionalen und mit moderner Technik ausgestatteten Keller sind. „Ein echtes Herbstkind“, wirft sie schmunzelnd ein.

    Für ihre Entscheidung in den Familienbetrieb einzusteigen, hat sie sich Zeit gelassen. „Das ist ein Entschluss, hinter dem man auch stehen muss. Das muss von Herzen kommen“, unterstreicht Christiane Koebernik, die nach dem Abitur an der Hochschule Geisenheim Internationale Weinwirtschaft studiert hat.

    Die Vinothek, ein Kubus mit Holzverkleidung und großen Glasflächen, bietet zur Hauptstraße hin ein gastfreundliches, offenes Entree für Besucher. In dem langgestreckten, warm wirkenden Raum im Obergeschoss ist die mit Fotos der Familie und der Weinbergs- und Kellerarbeit gestaltete Decke nahezu der einzige Farbtupfer.

    Jagd ist die zweite Leidenschaft

    Als Christiane Koebernik 2012 als neunte Generation in den 14 Hektar großen Weinbaubetrieb einstieg, gaben ihr die Eltern viel Freiraum, damit sie eigene Ideen umsetzen konnte. Dazu gehörte unter anderem die Produktausstattung und das Corporate Design des Weinguts sowie die Klassifizierung der Weine in Gutsweine, Terroirweine und Lagenweine.

    Eigene Akzente setzt die junge Winzerin darüber hinaus beim Ausbau der Weine mit Schwerpunkt auf den Riesling und die Burgundersorten, etwa mit einem im Barriquefass ausgebauten Weißburgunder. Anregung für ihre Linie „Bock auf Wein“ war auch die neben dem Weinmachen zweite Leidenschaft der 31-Jährigen, die Jagd.

    Ihr ständiger und aufmerksamer Begleiter sowohl im Weingut als auch im Revier ist Henry, ein fünf Jahre alter Labradormischling. Christiane Koebernik hat dem vierbeinigen Familienmitglied scherzhaft den Status des „Chief Happiness Officers“ verliehen.

    Die Arbeit der Winzer und der Jäger hat für sie viele Überschneidungen – die enge Verbindung zur Natur etwa oder auch als jährliche Herausforderung für die Jagd auf den besten Riesling. In der preisgekrönten Vinothek des Weinguts können Wild- und Weingenießer bei Veranstaltungen wie dem Wildseminar selbst schnippeln und braten oder sich beim Wintermenü von Profiköchen verwöhnen lassen.

    Der Familienbetrieb bewirtschaftet seine Weinberge, zu der auch renommierte Steillagen wie der Schlossböckelheimer Königsfels gehören, konventionell. Hier will Christiane Koebernik auf lange Sicht einen stärkeren ökologischen Akzent einbringen. Bodengesundheit ist ein großes Thema, bestätigt sie, und ist froh, dass sie dabei auf Vater Ernst-Günter mit seiner langjährigen Erfahrung bauen kann.

    Rotweinkultur im Kommen

    Christiane Koebernik hat sich auch ehrenamtlich für das Anbaugebiet engagiert. Als Naheweinprinzessin 2009/2010 knüpfte sie an die Familientradition an: Mutter Doris Emmerich-Koebernik war in den 1970er Jahren Naheweinprinzessin, Nahweinkönigin und Deutsche Weinkönigin. Die Nahe kann mit ihrer Bodenvielfalt durchaus punkten, und zwar nicht nur mit Riesling und Silvaner, ist Christiane Koebernik überzeugt. Auch die Rotweinkultur an der Nahe hat sich aus ihrer Sicht seit den Anfängen in den 1980er Jahren gut entwickelt, nicht zuletzt durch den Klimawandel, der der niederschlagsarmen Region noch mehr Sonnenstunden beschert. Der Absatz von deutschem Wein im Inland ist insgesamt zufriedenstellend. Für den qualitativ hervorragenden deutschen Winzersekt ist noch Schützenhilfe vonnöten, ist die Weinfachfrau überzeugt.

    Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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