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Auen

Marcus Hees: Aus Liebe zum Wein gern ein bisschen verrückt

Unendlich weit reicht die Aussicht über das Naheland vom Flurstück „Die Insel“ in der Lage Römerstich in der Gemarkung von Auen. Ein Fasan tippelt zügig, aber souverän außer Sichtweite, als sich ein Fahrzeug nähert. Hier oben – auf der hoch gelegenen „Insel“ – hat Marcus Hees ein Jungfeld mit Rieslingreben angelegt.

Marcus und Sabrina Hees am Jungfeld im Römerstich. Im Auener Tal erfordert der Weinbau in den steilen Lagen jede Menge Handarbeit. Trotzdem findet Hees die Zeit, um alte Weinbergshäuschen zu erhalten. Foto: Christine Jäckel
Marcus und Sabrina Hees am Jungfeld im Römerstich. Im Auener Tal erfordert der Weinbau in den steilen Lagen jede Menge Handarbeit. Trotzdem findet Hees die Zeit, um alte Weinbergshäuschen zu erhalten.
Foto: Christine Jäckel

Mit seinen 33 Jahren hat sich der junge Winzer, der inzwischen der einzige Weinbauer im Dorf ist, schon einen Namen in Fachkreisen gemacht. Seine Weine werden in bekannten Weinführern vorgestellt und gelobt. Für Marcus Auen kein Grund abzuheben. „Es ist schön, wenn man Bestätigung bekommt, aber es funktioniert auch nur, wenn da ein paar Generationen vorher gewerkelt haben“, gibt sich Hees ebenso bescheiden wie aufgeräumt. Und für das, was er sich vorgenommen hat, muss man, so sein Bekenntnis, schon „ein bisschen verrückt sein“.

Dabei zeigt sich im Gespräch, dass da einer ganz genau weiß, wo er herkommt und wo er hin will – eine Portion Idealismus oder eben Verrücktheit inbegriffen. Die Anfänge des Weinbaus in dem beschaulichen Seitental der Nahe, nur ein paar Autominuten vom geschäftigen Verkehr auf der B 41 entfernt, gehen zurück auf die Römer. Im Laufe der Jahrtausende war die Entwicklung an solchen Standorten stets wechselvoll, weiß Hees, der seine Winzerlehre in Meddersheim und beim Staatsweingut in Bad Kreuznach absolvierte, wo er danach die Prüfung zum Techniker erfolgreich ablegte.

Im Familienbetrieb, zu dem neben dem Weinbau ein Lokal und ein Hotel mit zwölf Zimmern gehören, arbeitet er seit 2011 mit. Die Weinberge und der Keller sind sein Schwerpunkt. In der auf das Jahr 1824 zurückgehenden Familientradition spielte der Weinbau bislang nicht die Hauptrolle. Das hat sich nun in der neunten Generation durch Marcus Hees' Passion für das Weinmachen geändert. Von zweieinhalb Hektar auf jetzt zehn Hektar hat er die Betriebsfläche des Weinguts vergrößert, die vorwiegend mit Riesling und Weißburgunder bestockt ist.

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Weil am alten Standort innerorts kein Platz für Erweiterung war, siedelte Familie Hees den Weinbaubetrieb aus und investierte dafür in den Neubau eines Kellereigebäudes. „Wir haben hier im Tal ein besonderes Mikroklima durch die kühle Lage, wir können die Trauben lange reifen lassen“, erklärt Hees. Seine Reben wachsen fast ausschließlich auf Steillagen bis zu 60 Grad, die vom Wald gesäumt werden. Dass bedeutet auch: anstrengende Handarbeit im Hang bei Frost, Hitze und Regen, vom Schneiden im Januar bis zur Lese im Herbst. „Man legt auch mal extrem unwegsame Sachen an, die spannende Ergebnisse bringen“, bekennt Hees sich als unkonventioneller Weinbauer. Sein Credo: Im besten Fall schmeckt der Wein nach seiner Herkunft.

Der Weißburgunder wächst auf Parzellen mit höherem Lehm- und Tonanteil, der Riesling auf den kargen Schieferböden. Auch im bekannten Monzinger Halenberg hat Marcus Hees einen Rieslingweinberg. „Das Klima in Deutschland ist derzeit gut für deutschen Wein“, so seine Erfahrung, die sich auch auf die Entwicklung des Gästeaufkommens stützt. Ehefrau Sabrina Hees, die als Personalreferentin arbeitet und nach Feierabend im Familienbetrieb mit anpackt, kann das bestätigen. Verstärkt schätzen Urlauber die erholsame Ruhe im Tal, die kurzen Wege zu vielen schönen Flecken in der Umgebung und vor allem das gute Essen und den guten Wein. Christine Jäckel

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