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    SERIE Braun Büffel als Kleinbonum der Feintäschner: Statt Massenware Handwerkskunst zelebrieren

    Wer Kirn sagt, sagt Leder. Immer noch. Dabei ist die Lederwarenindustrie aus der Kleinstadt an der mittleren Nahe weitgehend verschwunden. „Wir fühlen uns ein bisschen wie Kleinbonum“, sagt Christiane Brunk, die das Kirner Ledertraditionshaus Braun Büffel seit 2005 Jahren in vierter Generation führt.

    Kleinbonum, der Heimatort von Asterix und Obelix, das Dörfchen der unbesiegbaren Gallier, die gegen die römische Weltmacht antreten. Braun Büffel bildet heute als einziger Betrieb in ganz Rheinland-Pfalz noch Feintäschner aus, die zum Berufsschul-Blockunterricht nach Ingolstadt müssen.

    Sie nehmen es sportlich wie Jasmin Schaab aus Berschweiler. Sie kam, wie sie uns sagt, eher zufällig dazu, das alte Handwerk zu lernen. Ein halbstündiger SWR-Fernsehbeitrag hat unter anderem dabei geholfen.

    Serie: Champions der Region

    Ja, wer sich einmal eingehend mit der 130-jährigen Geschichte von Braun Büffel beschäftigt und bei einem Rundgang durch Produktion und Ausstellung hautnah sieht und riecht, was Leder ausmacht, findet Gefallen an den exklusiven Produkten.

    „Wir müssen lernen, etwas langsamer zu arbeiten“, sagt Christiane Brunk. Nein, damit ist nicht gemeint, die 50 Kirner Mitarbeiter sollten trödeln. „Zeit lassen“ heißt, das Exklusive herausarbeiten. Das ist die Idee. Denn mit Massenproduktion ist in der globalisierten Lederwelt nicht mehr viel zu holen.

    Beim Kunsthandwerker- und Bauernmarkt nächste Woche in Kirn will Braun Büffel mit einem Workshop im großen Ausstellungszelt der Gewerbeinitiative einen tiefen Einblick in die Handwerkskunst der Feintäschner geben. Das hatte man im vergangenen Jahr mit überraschend großem Erfolg in Singapur gemacht. Total überrascht sei man gewesen, als junge Manager und Banker mit Hingabe an Schlüsselanhängern und Handyetuis bastelten.

    Könnte das ein nachhaltiges Angebot auch für Kirn sein? Bei der Gewerbeschau soll es ein Test sein, der vielleicht beim Andreasmarkt wiederholt werden könnte. Es gab immer wieder Anfragen für ein Engagement in der Kirner Innenstadt, doch vorerst sieht man sich mit dem Outlet-Verkaufsraum in den eigenen Räumen in der Industriestraße gut aufgestellt. Denkbar sei, sich bei den Überlegungen der Stadt im alten Gerbhaus einzubringen.

    Lederverarbeitung ist extrem anspruchsvoll und kann so viel Spaß machen. Braun-Büffel-Chefin Christiane Brunk und Feintäschnermeister Manfred Goll freuen sich über die gute Entwicklung des Kirner Unternehmens.
    Lederverarbeitung ist extrem anspruchsvoll und kann so viel Spaß machen. Braun-Büffel-Chefin Christiane Brunk und Feintäschnermeister Manfred Goll freuen sich über die gute Entwicklung des Kirner Unternehmens.
    Foto: as

    „Wir sind stets offen für Neues“, sagt Christiane Brunk und verweist auf das gut laufende Onlinegeschäft. Da gebe es eine überraschend kleine Retourenquote sagt sie. Sie sieht den Internethandel nicht als Bedrohung, schätzt das schnelle Feedback der Kunden, die die exklusive Marke offenbar stark nachfragen. Dazu passt die zweistellige Umsatzsteigerung im bisherigen Jahresverlauf. Dabei beginnt das Weihnachtsgeschäft gerade erst.

    Wichtig ist aber nach wie vor die Präsentation in exklusiven Läden. Etwa demnächst im Hamburger Alsterhaus. In Köln und Berlin war man im August sehr erfolgreich. Hannover, Frankfurt, Kassel und Stuttgart stehen auf der Liste. Dort zeigen Feintäschnermeister Manfred Goll und sein Team, wie Leder verarbeitet wird. In Kirn hat man zum Glück noch eine starke Mannschaft, die das kann.

    Zum Beispiel werden dort Prototypen entwickelt. „Wir haben da manchmal großen Spaß“, sagt Christiane Brunk mit dem Hinweis auf die rote Riesengeldbörse im Ausstellungs- und Besprechungsraum. Im acht Meter hohen Schaufenster in Berlin machte das gute Stück einen guten Eindruck.

    Bei den Präsentationen in den Großstädten wird nicht nur gezeigt, was mit Leder machbar ist, sondern auch Aufklärung betrieben. Da geht es um nachhaltige Produktionsmethoden. Und darum, dass im Hinblick auf die Lederproduktion und Verarbeitung nicht alles über einen Kamm geschoren werden darf. Brunk setzt sich im Schuh- und Lederwarenverband für faire Arbeitsbedingungen ein. Sie sagt: „Wir kennen die Betriebe sehr gut, mit denen wir arbeiten.“

    Fakten und Zahlen zu Braun Büffel

    • 1887 von Johann Braun gegründet
    • Karl-Heinz Braun entwickelt den Markennamen Braun Büffel 1974
    • heute in 4. Generation von Christiane Brunk geführt
    • 250 Mitarbeiter, 50 davon in Kirn
    • neben einer Basiskollektion zwei saisonale Kollektionen im Jahr
    • 2017 bei der Berlin Fashion Week
    • zum zweiten Mal Sponsoring der Anja-Gockel-Show, Designerin des Jahres
    • August bis Dezember 2017 Schaufensteraktionen in sieben deutschen Großstädten
    • 2017 Start der Do-it-yourself-Workshops deutschlandweit mit Fachhändlern. Kunden stellen dabei Lederaccessoires selbst her
    • drei Feintäschnermeister im Betrieb, Ausbildung von Feintäschnern
    • 500 Verkaufsstellen in Deutschland
    • 200 Verkaufsstellen im Ausland, wo 35 Prozent der Umsätze generiert werden
    • ständiges Wachstum

    Leder ist vielfältig. Beim Rundgang durch die Produktion legt Manfred Goll verschiedene Häute auf, zeigt Unterschiede. Wenn ein Rind in aller Ruhe ohne Konkurrenzdruck auf der Almwiese stand oder aber auf engem Raum in der Herde täglich kämpfen musste, dann sieht man das am Leder. So variieren auch die Preise, reichen von 35 bis über 100 Euro pro Quadratmeter. Büffel- und Hirschleder wird bei Braun Büffel ebenso verarbeitet wie exklusives Pferdeleder (Cordovan) aus den USA. Die meisten Häute, die Braun Büffel verarbeitet, kommen heute aus Italien.

    Wie geht es weiter mit Braun Büffel, 130 Jahre nachdem der damals 26-jährige Sattler und Polsterermeister Johann Braun den Grundstein für die internationale Marke gelegt hatte. Christiane Brunk fühlt sich der Tradition verpflichtet, setzt auf „Made in Germany“. Kürzlich feierte sie selbst ihr silbernes Arbeitsjubiläum. 1992 war sie ins Familienunternehmen eingetreten. Damals war das als Überbrückung bis zu einer neuen Tätigkeit als Beraterin in einer Personalagentur geplant.

    Aber Vater Karl-Heinz Braun braucht sie dauerhaft. Sie übernimmt 2005 die Führung des Betriebs mit 250 Mitarbeitern als Alleingesellschafterin. 2013 eröffnet Braun Büffel eigene Geschäfte in München und Hamburg (wir berichteten). 2016 startet Braun Büffel mit Workshops mit Endverbrauchern in Singapur. Dort ist Braun Büffel in sechs Boutiquen vertreten. In Indonesien und auf den Philippinen sind es 14, in Malaysia 20, in China ist man in 50 Herrenmodeshops und in 70 Lederwarengeschäften präsent. Outlets gibt es neben Kirn in Wadgassen und in Landquart (Schweiz).

    2016 gewann die Ledermanufaktur Braun Büffel den vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie gestifteten Preis „Best in Basics“, der „Oscar“ der Lederbranche für ihre „Savona Businesstasche“. Braun Büffel hat dabei mit Oliven gegerbtes Leder verarbeitet und eine Vorreiterrolle in der Branche übernommen. Das rein pflanzlich gegerbte Leder zeichnet sich durch einen extrem weichen Griff und besonderen, leicht mediterranen Duft aus. Die Jury: „Die Kombination aus nachhaltig hergestelltem Premiumleder und traditionsreicher Handwerkskunst der Feintäschnerei macht Savona zur einzigartigen Kollektion.“

    Nun präsentiert sich Braun Büffel auch in Kirn beim Kunsthandwerker- und Bauernmarkt. Christiane Brunk, Manfred Goll und das Braun-Büffel-Team sind gespannt, wie die Präsentation ankommt.

    Kirn und Leder. Bis in die 80er-Jahre war das jedem klar. 4000 Menschen lebten und arbeiteten damit. Braun Büffel will im kleinen und feinen Stil dran arbeiten, dass Leder in Kirn eine Zukunft hat.

    Von unserem Redakteur Armin Seibert

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