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    LahnsteinWohnmobilpark: Stadtrat sagt Nein zur Erweiterung

    Nach einer hitzigen und sehr emotional geführten Debatte hat der Stadtrat einer temporären Erweiterung des Wohnmobilparks „Am Kränchen“ auf die nahe gelegene Hundewiese am Rheinufer eine Absage erteilt: 16 Mandatsträger von SPD, Unabhängiger Liste (ULL), Grünen und Freier Bürgerliste (FBL) lehnten die Pläne von Betreiber Michael Mohr und die dafür notwendige Änderung des Bebauungsplans „Sportzentrum Niederlahn- stein“ ab, zwölf Räte inklusive Oberbürgermeister Peter Labonte stimmten dafür, einer enthielt sich.

    Trübes Wetter, trübe Aussichten: Zumindest auf der nahe gelegenen Hundewiese wird es keine Erweiterung des Wohnmobilparks geben. Foto: Tobias Lui
    Trübes Wetter, trübe Aussichten: Zumindest auf der nahe gelegenen Hundewiese wird es keine Erweiterung des Wohnmobilparks geben.
    Foto: Tobias Lui

    Damit kann Michael Mohr, Augenzeuge der öffentlichen Ratssitzung, keine Dependance auf der Hundewiese einrichten. Darauf hatte der Unternehmer bis zuletzt gehofft, Alternativflächen kommen für ihn wegen der zu großen Entfernung nicht infrage, er möchte Synergieeffekte nutzen. Sein 2015 eröffneter Wohnmobilpark ist ein riesiger Erfolg, allein in der vergangenen Saison gab es 10.200 Übernachtungen auf dem ehemaligen Sportplatz. Um Gäste bei Überfüllung nicht mehr wegschicken zu müssen, wollte Mohr auf der Hundewiese eine Erweiterung mit rund 50 Plätzen installieren. Der Haupt- und Finanzausschuss hatte im März grünes Licht gegeben, die Mitglieder im Fachbereich 4 (Bauausschuss) hingegen vor wenigen Wochen die Suche nach Alternativflächen favorisiert.

    Und aus der Anwohnerschaft hagelte es Kritik: Anlieger der umliegenden Straßen befürchteten einen Anstieg des ohnehin hohen Verkehrsaufkommens, da die Zu- und Abfahrt der Wohnmobilisten über Blücherstraße und/oder Stolzenfelsstraße erfolgen müsste. Der Tennisclub Rhein-Lahn wiederum fürchtete um seine Parkplätze. Dies alles führte nun zu einer sehr hitzigen Debatte im Stadtrat. Zunächst ging OB Labonte auf von Ausschussmitgliedern geäußerte Kritik ein, dass der Grundsatzbeschluss in den Haupt- und Finanzausschuss verlagert worden war. „Da Uneinigkeit bestand, wollten wir den vollen Rückhalt aus der Politik. Nur deshalb sind wir damit auch in den Hauptausschuss gegangen“, wehrte sich Labonte. Die fachliche Beratung im Fachbereichsausschuss 4 habe man dann nachgereicht. „Es tut weh, wenn Manipulation unterstellt wird. Niemand will hier irgendjemanden aushebeln.“ Zur Frage der Erweiterung des Wohnmobilparks äußerte er sich auch – mit einer klaren Präferenz. „Dies wäre eine sinnvolle Ergänzung des erfolgreichen touristischen Angebots“, lobte der Stadtchef. „Die ganze Branche boomt, es bleibt viel Geld in Lahnstein hängen – wir sollten den Investor nicht vor den Kopf stoßen.“

    Erstaunt über die Meinungsentwicklung bei dem Thema zeigte sich CDU-Fraktionchef Johannes Lauer. „Leute, die bisher immer für den Stellplatz waren, sind plötzlich komplett anderer Meinung – und das innerhalb von zwei Jahren“, kritisierte der Mehrheitsführer im Rat. „Dabei können wir doch froh sein, wie gut sich der Platz entwickelt hat.“ Eine Verkehrsproblematik in der befürchteten Schärfe sieht Lauer nicht und verweist auf die Johannesstraße: „Bis heute ist mir von Seiten der Anwohnern nicht eine Beschwerde über eine zu hohe Belastung durch Wohnmobile zu Ohren gekommen.“

    Sieglinde Bornschier, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, dagegen hat eine „extrem hohen Verkehrsbelastung in dem Bereich“ beobachtet, „zumal diese Straßen für so viele so große Fahrzeuge nicht ausgelegt sind“. Wenn man das wechselseitige Parken in der Blücherstraße abschaffe, entstehe eine Rennstrecke. Abgesehen davon könne die wunderschöne Hundewiese noch eine gute Rolle spielen, sollte das Mittelrheintal die Buga 2031 ausrichten. Fraktionskollege Richard von Eyß ergänzte die Aussagen noch mit einer Expertise des ADAC. „Straßen wie die Blücherstraße sind wegen ihres Querschnitts nicht für Aufnahme solcher Mobile geeignet“, heißt es darin.

    ULL-Chef Lennart Siefert verwies darauf, dass seine Fraktion den Wohnmobilpark vom ersten Tag an unterstützt habe – „andere, wie die CDU, waren lange dagegen“, kritisierte er. Was lautstarken Widerspruch bei Johannes Lauer hervorrief: Die CDU habe ursprünglich zwar den alten Platz in der Blüchstraße favorisiert, „wir haben den Betreiber nach der Mehrheitsentscheidung für das Kränchen aber zu 100 Prozent unterstützt“. Für Siefert jedenfalls sind die umliegenden Straße nicht geeignet, auch noch Wohnmobilverkehr aufzunehmen. Seit Fazit: „Aufgabe der Politik ist es, zu steuern – und nicht, neue Probleme zu schaffen.“

    FBL-Fraktionschef Reiner Burkard hingegen stimmte einer Erweiterung zu. „Ich persönlich betrachte das eher von der unternehmerischen Seite. Als Unternehmer hat man es heute schon schwer genug.“ In seiner Fraktion stand Burkard mit dieser Meinung allerdings allein da, sowohl Edi Wolf als auch Othmar Gehling stimmten mit Nein. Genau wie Gerhard Schmidt. „Der Bereich sollte als Naherholungsgebiet für Niederlahnstein erhalten bleiben“, argumentierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Schmidt kritisierte auch den Ratskollegen Lauer. „Der Vergleich Blücherstraße mit dem kleinen betroffenen Stück der Johannesstraße ist wohl völlig utopisch.“ Etwas überraschend stimmte auch FDP-Ratsmitglied Sascha Weinbach gegen die Erweiterung, „obwohl ich grundsätzlich Befürworter von Menschen bin, die sich finanziell in Lahnstein engagieren“. Persönlich findet er, sei es zu früh, an Expansion zu denken, das müsse aber natürlich jeder Kaufmann für sich entscheiden. „Aber auch ich sehe die Verkehrsprobleme.“ Für ihn ist der „Verkehrskollaps ohnehin schon vorprogrammiert.“

    Sichtlich unzufrieden mit dem Verlauf der Diskussion meldete sich der Stadtchef noch einmal zu Wort. „Wenn man das hier so hört, glaubt man kaum, dass wir Touristen haben wollen“, kritisierte Labonte. Es sei doch nicht die Verwaltung, die diese anlocke. „Es sind Leute wie dieser Unternehmer, der sein eigenes Geld investieren will und dafür hier fast beschimpft wird.“ Labonte in Richtung Stadtrat: „Wenn wir uns abschotten wollen, können wir das tun! Aber dann müssen wir das auch ehrlich sagen.“ Er warb für ein Zeichen an den Investor – vergeblich. Die Mehrheit entschied anders.

    Von unserem Redakteur Tobias Lui

    Tobias Lui zur Diskussion im Stadtrat: Schlechte Verlierer

    Johannes Lauer gehört zweifelsohne zu den stärksten Rednern im Stadtrat. Klug, bissig, selten um einen humorigen Spruch verlegen und immer deutlich in seiner Aussage – gerade die SPD hat dies in den vergangenen Jahren immer wieder zu spüren bekommen.

    Tobias Lui 
    Tobias Lui 

    Diese Maissitzung des Gremiums gehörte aber sicherlich nicht zu Lauers Sternstunden. Denn es war nicht seine CDU, die 2012 die Idee für einen Wohnmobilstellplatz auf dem Kränchen in die politische Diskussion geworfen hatte – es waren Sozialdemokraten und Unabhängige Liste. Die Christdemokraten hätten damals lieber eine entsprechende Infrastruktur in der Blücherstraße gesehen, wurden aber überstimmt. Seitdem, da hat Lauer recht, erfreut sich Investor Mohr auch der Unterstützung der CDU. Und dessen aktueller Wunsch nach Erweiterung ist nachvollziehbar, schließlich besteht eine entsprechende Nachfrage. Mohr ist Unternehmer, muss wirtschaftlich denken – und auch Lahnsteins Touristiker und die heimische Wirtschaft würden sich sehr freuen. Trotzdem hat auch eine kritischere Betrachtung ihre Berechtigung. Denn der Kitabau in der Schillerstraße wird die Verkehrsbelastung in dem Quartier noch einmal gewaltig ansteigen lassen. Und dass die Blücherstraße, sagen wir mal, suboptimal für die teils sperrigen Wohnmobile ist, wird wohl keiner bestreiten.

    Es gibt also durchaus auch einiges, was gegen eine Erweiterung auf die Hundewiese spricht. Genau wie vieles dafür spricht. Die gewählten Volksvertreter mussten also abwägen, was sie auch getan haben. Das Ergebnis kann einem gefallen, muss es aber nicht. Nach einer sehr lebendigen Diskussion im Stadtrat als Oberbürgermeister den Neinsagern zu unterstellen, sie wollten Lahnstein abschotten und seien investorenfeindlich, offenbarte ein merkwürdiges Demokratieverständnis. Denn keiner der Kritiker erweckte den Eindruck, er gönne dem Investor seinen Erfolg nicht oder wolle 50 Wohnmobilisten unbedingt den Zutritt nach Lahnstein verbauen. Sie haben die Sorgen vieler Anlieger und die Verkehrssituation schlichtweg anders bewertet als die Befürworter. Das ist legitim. Und demokratisch.

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