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    Bad Ems

    "Und sie bewegt mich noch!": Reminiszenz an großen Kabarettisten

    "Und sie bewegt mich noch!" - so heißt das Bühnenstück für Hanns Dieter Hüsch, das als Beitrag des "Gegen den Strom"-Festivals im Badhaustheater in Bad Ems aufgeführt wurde. Passender konnte der Ort für dieses Stück nicht sein, wird doch auf der Badhausbühne monatlich Kabarett gespielt und einmal im Jahr ein Kabarettpreis verliehen.

    Sie würdigten den großen Kabarettisten (von links): Jürgen Kessler, Irmgard Haub, Johannes Reinig und Holk Freytag.
    Sie würdigten den großen Kabarettisten (von links): Jürgen Kessler, Irmgard Haub, Johannes Reinig und Holk Freytag.
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    Von unserem Mitarbeiter Karl Haxel

    Hüsch wäre im Mai 2015 neunzig Jahre alt geworden. Jürgen Kessler, der Autor der Hüsch-Hommage, war geradezu prädestiniert, seine Erinnerungen an den berühmten Kabarettisten als szenische Lesung auf die Bühne zu bringen. Kessler, Leiter des Kabarettarchivs in Mainz, verbrachte viele Jahre sozusagen an einer ergiebig sprudelnden Quelle. Mehr als fünfzig Jahre stand Hüsch auf der Bühne, und in mehr als drei Jahrzehnten war Kessler sein Fahrer, sein Tourneemanager und Begleiter.

    Drei Akteure teilten sich die Lesung: Holk Freytag, der lange mit Hüsch befreundete Regisseur, Dramaturg und Intendant, Kessler als Hüschs Agent, die Sängerin Irmgard Haub, die auch in die Lesung einbezogen war. Am Klavier saß Johannes Reinig. "Zehn Jahre nach Hüschs Tod widmen wir ihm den heutigen Abend. Mit seinen eigenen Worten, Bildern, seiner Gedankenmusik wollen wir seine kabarettistische Poesie, seine poetische Musikalität sprechen und erklingen lassen", erklärten die Akteure ihr Projekt. Die Ansage mündete unmittelbar in die Melancholie des "Abendlieds" und die Bitterkeit des Maigedichts "Da preisen sie", in eine Stimmung, der sich niemand entziehen konnte. Wie Hüsch an seiner alten Philicorda, saß Freytag auf der Bühne und sprach im gleichen Duktus wie das Original. Die Ähnlichkeit verblüffte. Die Telegrammstil-Biografie, die Worte vom "schwarzen Schaf" brachten die Rede auf Hüschs Geburtsort Moers und den Niederrhein. Die Weggefährten sagen: "Niederrhein war seine Lebensmusik, der Klang seiner Kindheit."

    Im Dialog "Agent - Hüsch" verfolgten die Zuhörer den faszinierenden Parcours durch 30 gemeinsame Jahre. Befreundete Künstler tauchten auf, Hüschs Anfang in Mainz, wo er 1948 sein erstes Programm spielte, Bühnenerfolge ebenso wie das private Leben, wie Liebe und Freundschaft. Im 51. Bühnenjahr kam der Schock: Bei Hüsch diagnostizierte man Lungenkrebs. Er holte alle ausgefallenen Termine nach und feierte noch einmal Summertime am Niederrhein. "Ich möcht' ein Clown sein", sang Irmgard Haub, während Kessler ein Resümee zog: "Hüsch hat immer Kabarett für seine Verse und Gedanken gemacht. Sein Kabarett war Zwiesprache eines Dichters mit seinem Text. Verglichen mit heute war er ein Anti-Kabarettist: ein Lyriker. Hüsch - das war Bergpredigt in den Tälern der Gleichgültigkeit."

    Grußbotschaften etwa von Renate Hildebrandt oder Ottfried Fischer gingen per O-Ton nach drüben in die Anderwelt. Zunehmend zeit- und gesellschaftskritischer wurde der Abend, die Texte streuten Salz in offene Wunden. Das Kabarett von heute bekam sein Fett weg, die Politiker erst recht. Von einem dieser Zunft soll der Versprecher stammen: "Wir werden alles dafür tun, die Wahrheit zu erfinden." Eigentlich spielte es keine Rolle, ob der Text von Hüsch stammte oder vom Autor, der dessen Stil bruchlos fortschreibt und seinem Vorbild in puncto Levitenlesen in nichts nachsteht. Mit "Lobe den Gott Gelassenheit", einem gesungenen Choral, wechselte Hüsch aus der Zone unbequemer Zeitkritik in ruhigeres Fahrwasser. Im gut besetzten Saal entspannten sich die nachdenklichen Mienen, und ein Beifallssturm ging nieder über den Akteuren der großartigen Hanns-Dieter-Hüsch-Reminiszenz.

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