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Mittelrhein

Stimmen zur Entscheidung: Welterbe sieht die Buga 2031 als Chance

Starker Applaus ertönt im Binger Kulturzentrum als der Vorsteher des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal und Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Frank Puchtler, das Ergebnis nach der Auszählung verkündet: 98,4 Prozent wollen die Buga 2031.

An vielen Stellen wehen im Welterbe Oberes Mittelrheintal bereits die Buga-Fahnen wie hier in Osterspai mit dem Bopparder Hamm im Hintergrund. Bis 2031 soll das Großprojekt die Region zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz für Touristen und Einheimische voranbringen. Foto: Andreas Jöckel
An vielen Stellen wehen im Welterbe Oberes Mittelrheintal bereits die Buga-Fahnen wie hier in Osterspai mit dem Bopparder Hamm im Hintergrund. Bis 2031 soll das Großprojekt die Region zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz für Touristen und Einheimische voranbringen.
Foto: Andreas Jöckel

Puchtler ist die Erleichterung über die breite Zustimmung nach der Versammlung anzumerken: „Damit haben wir einen großen Schritt gemacht, um die Visionen einer BUGA 2031 Wirklichkeit werden zu lassen.“ Zwar gab es schon im Vorfeld eine positive Grundstimmung für das Großprojekt im Tal, aber nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie im November 2017 war an einigen Stellen noch Überzeugungsarbeit zu leisten, insbesondere in Bezug auf den Finanzierungsanteil der Landkreise und Kommunen in Höhe von 14,4 Millionen Euro am 108 Millionen Euro umfassenden Gesamtbudget. Puchtler ist sich bewusst, dass die eigentliche Arbeit erst noch beginnt: „Dabei wird der Zweckverband weiter Motor der Entwicklung sein.“v

Vom Ergebnis überrascht

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Überrascht vom Ausmaß der Zustimmung war Innenminister Roger Lewentz (SPD), der vor etwa drei Jahren die Idee der Buga 2031 zur Entwicklung der strukturschwachen Welterberegion ins Spiel gebracht hatte: „Fast 100 Prozent! Klasse ist das. Ich freue mich wirklich sehr.“ Auch der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises und Zweckverbandsvorstand Marlon Bröhr (CDU) war über das Ergebnis erfreut: „Das zeigt, dass alle die schöne Chance Bundesgartenschau erkannt haben. Jetzt haben wir noch einige Zeit, um uns darauf ordentlich vorzubereiten und dann hoffentlich auch etwas zu präsentieren, was uns noch viele Jahre in Erinnerung bleibt.“

Koblenzer Seilbahn soll bleiben

Innenminister Roger Lewentz: „Vor uns liegt eine große Aufgabe. Aber die Buga im Mittelrheintal ist machbar!“
Innenminister Roger Lewentz: „Vor uns liegt eine große Aufgabe. Aber die Buga im Mittelrheintal ist machbar!“
Foto: Andreas Jöckel

Dass Weltkulturerbe und behutsame Weiterentwicklung mit Gartenschauen kein Widerspruch sind, hat sich nach Meinung des Koblenzer Oberbürgermeisters Joachim Hofmann-Göttig (SPD) schon bei der Landesgartenschau 2008 in Bingen und bei der Buga 2011 in Koblenz gezeigt. Auch wenn eine Flächenschau ungleich mehr Aufwand als in einer Stadt bedeute, könne der gemeinsame Weg zum Erfolg führen: „Wir in der Region rechts und links des Rheins müssen fest entschlossen sein, das Projekt zum Erfolg zu bringen!“ Für Koblenz erhofft sich der OB, dass die Seilbahn nicht nur bis zur Buga 2031 betrieben werden darf, sondern auch darüber hinaus ohne zeitliche Begrenzung: „Dafür werden wir uns bei der Unesco einsetzen.“

Rüdesheimer Bahnübergang soll weg

In Koblenz und den angrenzenden Regionen hatte die Buga 2011 eine nachhaltig positive Entwicklung bei den Übernachtungszahlen ausgelöst, die bis heute anhält. Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich Zweckverbandsvorstand Karl Ottes (FWG), der sich als Welterbedezernent des Rheingau-Taunus-Kreises insbesondere auch für den hessischen Teil des Welterbes einsetzt, auch von der Buga 2031: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Bundesgartenschau auch eine besondere Ausstrahlung über Rüdesheim und Lorch hinaus in den Rheingau hat.“ Zudem könne die Buga-Bewegung den Druck auf die Bahn erhöhen, um das südliche Einfallstor des Welterbes auf der rechten Rheinseite von einem verkehrstechnischen Übel zu befreien: „Bis 2031 sollte der Bahnübergang Rüdesheim endlich der Vergangenheit angehören.“

Skeptische Stimmen zur Buga 2031 gab es bei der Versammlung zwar keine, aber Ortsbürgermeister Hans-Josef Kring (SPD) aus Lykershausen, der als einer von drei Höhengemeinden mit Nein stimmen musste, gab zumindest eine Erklärung ab: „Ich habe im Gemeinderat für einen positiven Beschluss gekämpft, aber keine Mehrheit bekommen.“ An die künftigen Buga-Planer appellierte Kring deshalb, sich verstärkt auch um die Höhengemeinden zu kümmern, um vielleicht auch noch letzte Zweifler mit ins Boot zu holen.

Ein Lernprozess für alle Beteiligten

Eine Buga 2031 GmbH soll noch in diesem Jahr gegründet werden, sobald die Deutsche Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) dem Mittelrhein den Zuschlag erteilt hat. Zu je einem Drittel sollen daran der Zweckverband, die DBG und die Ausstellerkommunen beteiligt sein. Laut DBG-Geschäftsführer Jochen Sandner wird die Entscheidung nach einer Bereisung der Region am 16. Mai relativ schnell getroffen werden können: „Mit der Machbarkeitsstudie, die wir über weite Strecken auf Augenhöhe begleitet haben, liegt eine gute Grundlage für die nächsten Schritte vor.“ Darauf aufbauend werde es bis 2031 Entwicklungen und Erkenntnisse geben, die derzeit gar nicht abzusehen sind. Eine dezentrale Gartenschau über 67 Rheinkilometer sei auch für die DBG noch ein Lernprozess: „Wir freuen uns jedenfalls darauf, diesen Weg mit Ihnen zu gehen.“

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel
  • 98,4 Prozent der Stimmen in der Versammlung des Zweckverbandes waren pro Buga 2031. Von 185 anwesenden Delegiertenstimmen entfielen 182 dafür, drei dagegen. Insgesamt sind im Verband 202 Stimmen mit unterschiedlicher Gewichtung auf Länder, Landkreise und Kommunen verteilt. Rheinland-Pfalz hat beispielsweise 30 Stimmen, die Stadt Koblenz 18, die Verbandsgemeinde Loreley neun, kleine Städte und Ortsgemeinden jeweils eine. aj

Kommentar: Mittelrhein muss sein Potenzial jetzt nutzen

Andreas Jöckel zu den Chancen der Buga 2031

Andreas Jöckel
Andreas Jöckel

Die Zeit des Lamentierens ist vorbei. Jammern über Schwachstellen und Defizite hilft dem strukturschwachen Welterbe Oberes Mittelrheintal nicht dabei, die kommenden Jahrzehnte trotz der demografischen Entwicklung zu überleben. Themen anpacken, um die Aufenthalts- und Lebensqualität zu erhöhen, dagegen schon. Das Oberzentrum Koblenz hat es mit der Buga 2011 bereits vorgemacht. Mit der Buga 2031 kann die Region zwischen Deutschem Eck und Mäuseturm – mit der Loreley als Wiege des Tourismus in Deutschland im Zentrum – beweisen, dass sie auch als Ganzes „funktioniert“.

Der Zuschlag der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft dürfte sicher sein. Denn für die Zunft der Gärtner und Landschaftsplaner ist die Weiterentwicklung der Marke Buga von der integrierten Stadt- zur Regionalentwicklung in einem Unesco-Weltkulturerbe eine ebenso interessante wie zukunftssichernde Herausforderung. 108 Millionen Euro werden laut Machbarkeitsstudie mindestens an öffentlichen Mitteln ins Tal fließen. Wie das Beispiel Koblenz bereits zeigte, werden auf jeden öffentlich investierten Euro noch mehrere an Privatinvestitionen folgen. Das ist die Chance für das Mittelrheintal, seine verkehrstechnische und digitale Infrastruktur nicht nur für Einheimische zu verbessern, sondern die Aufenthaltsqualität für Gäste im romantischen Rheintal und auf den Höhen so zu erhöhen, dass es den weltweiten Vergleich mit anderen touristischen Destinationen nicht scheuen muss.

Nicht minder wichtig ist dabei in einer Region, die wirtschaftlich auf den Tourismus angewesen ist, das Bewusstsein für Gastfreundlichkeit und Servicekette. Auch wenn beträchtlicher Nachholbedarf besteht: Das Potenzial am Mittelrhein ist da, man muss es jetzt nur nutzen.

E-Mail: andreas.joeckel@rhein-zeitung.net

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