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    Loreley

    Schotten-Rock mit Charisma und Charakter

    So muss die Stimmung sein, wenn Runrig in heimischen Gefilden, im Castle von Edinburgh, auftreten: Blaue und weiße Luftballons treiben durch die aufgeheizte Luft, Schottenflaggen werden geschwenkt und ein tausendfacher Chor singt absolut textsicher die heimliche schottische Nationalhymne "Loch Lomond" mit.

    Loten die Tiefen der keltischen Seele aus: Runrig mit Sänger Bruce Guthro (Mitte) vor 7000 Fans auf der Loreley. Fotos: Norbert Schmiedel
    Loten die Tiefen der keltischen Seele aus: Runrig mit Sänger Bruce Guthro (Mitte) vor 7000 Fans auf der Loreley. Fotos: Norbert Schmiedel
    Foto: Norbert Schmiede

    Von Michael Stoll

    Die Highlands aber finden sich an diesem Abend im Mittelrheinischen Schiefergebirge, statt des Castles rockt die bekannteste schottische Band die Loreley, einen ja nicht minder mystischen und magischen Ort, und die rund 7000 Fans sind meist deutsch, wenn auch der ein oder andere selbstbewusst einen Kilt trägt. 40 Jahre Runrig gilt es zu feiern, 40 Jahre Bandgeschichte, die sich in zahlreichen Hits widerspiegelt, von denen "Loch Lomond" aber vielleicht der elegischste und ergreifendste ist.

    Was im April 1973 mit einem kleinen Konzert in Glasgow begann, hat sich seitdem zu einer in der Rockgeschichte eher seltenen Erfolgsgeschichte mit eherner Kontinuität ausgewachsen. Die Personalwechsel blieben übersichtlich, am einschneidendsten war sicherlich der Weggang des charismatischen Sängers Donnie Munro, der von Bruce Guthro ersetzt wurde, die Musik findet bei allen modernistischen Experimenten immer wieder zu ihren folkloristischen Wurzeln zurück.

    Und der Anhang feiert jeden Auftritt wie eine Party, die Fans sind Familie, die vertrauten Melodien Evergreens. Runrigs Auftritt im Amphitheater der Loreley zeigt: Die Musiker sind Volkshelden, nicht nur zu Hause, denn ihre Songs sprechen, mehr als das für gewöhnlich die meisten anderen Rockstars tun oder getan haben, Gefühlswelten zwischen Leidenschaft und Melancholie an, loten Geschichte und Gegenwart aus, wie dies in archaischer Volksmusik stets zu finden ist.

    Auch auf der Loreley sind Runrig immer dann stark, wenn sich das Keltische in den Liedern bahn bricht. Da müssen sie nicht Gälisch singen, das tun sie ja auch, sondern es reichen diese bodenständigen Melodien und Rhythmen, die neben den stets vorhandenen poppigen Arrangements und harten Rockeinschlägen den Stil der Band ausmachen. Da verwundert es schon, dass die Gruppe streckenweise meint, gesichtslosen Poprock spielen zu müssen, der jederzeit und an jedem Ort dieser Welt aus den Studios rausgehauen werden könnte.

    Trotz der abendlichen Hitze kühlt sich die Begeisterung im Freilichttheater hoch überm Rhein angesichts solcher Ausflüge in die Beliebigkeit dann doch merklich ab. Alles gut und schön intoniert, die Fans aber wollen die musikalischen Landschaften hören, die die Bilder im Bühnenhintergrund versprechen. Die Berge, Flüsse und Seen, die die Höhen und Tiefen schottischer Seele charakterisieren.

    Sie wollen Musik mit Charisma und Charakter, Pathos und, ja, auch Schmalz, herzergreifende Balladen und Rocksongs, so rau wie das Meer. Und das alles so authentisch und echt, dass ja kein billiges Klischee daraus wird.

    Und Runrig, vergleichbar vielleicht mit den irischen U2, schaffen genau dies: Mit Liedern wie "Dance called America", "Every River", "Alba" und "Beat the Drum" spielen sie sich und ihr Publikum in einen Rausch, nur unterbrochen von einer mitreißenden Percussioneinlage. Song für Song wird wie in der Südkurve lauthals mitgesungen. Gotthilf Fischer hätte Tränen in den Augen bei diesem Chorgesang.

    Aber auch so fließen Tränen, Tränen der Freude, Tränen der Ergriffenheit. Dann noch einmal Gänsehaut: "There must be a place under the sun, where hearts of olden glory grow young". Ein akustisches Stück Sehnsucht, "Hearts of Olden Glory" - tiefer und weiter kann populäre Musik vermutlich nicht reichen. "Loch Lomond" unterstreicht das am Ende nur noch mit einem dicken Ausrufezeichen.

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