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Obernhof

Rundgang durch Obernhof: Hingabe für den Ort beeindruckt Jury

Carlo Rosenkranz

Es ist schon wie ein Treffen alter Bekannter, wenn die Kommission des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ zu Gast ist. 2011 hat die Gemeinde Obernhof zum ersten Mal am teilgenommen, vier Mal erreichte der Ort die dritte Runde auf Landesebene. Auch 2018 tritt man wieder an, den Anfang macht der Kreisausscheid, in dem sich insgesamt fünf Gemeinden im Rhein-Lahn-Gebiet dem Urteil der Fachleute rund um Horst Klöckner stellen. Obwohl der Baufachmann der Kreisverwaltung Obernhof in den vergangenen Jahren schon etliche Male unter die Lupe genommen hat, will sich keine Routine einstellen. „Es ist immer wieder verblüffend, was sich hier tut, welche Gedanken hier gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden“, sagt er nach der zweistündigen Rundreise durch den Ort.

Neue Hinweistafeln sollen rund um den Ort an allen Wegen und Zufahrten über Obernhof, seine Geschichte, Gastronomie und Unterkünfte informieren. Über QR-Codes wird zusätzlich auf die Internetseiten verwiesen.
Neue Hinweistafeln sollen rund um den Ort an allen Wegen und Zufahrten über Obernhof, seine Geschichte, Gastronomie und Unterkünfte informieren. Über QR-Codes wird zusätzlich auf die Internetseiten verwiesen.
Foto: Carlo Rosenkranz

Dass in Obernhof ständig neu gedacht und gemacht wird und selbst an kleinen Dingen gefeilt wird, zeigt schon die Art und Weise, wie Jury und Bürger an diesem sonnigen Morgen empfangen werden. Statt wie üblich im Bürgerhaus zusammenzukommen, versammelt man sich auf der Dachterrasse des Hotels am Goetheberg. Praktisch: Von dort hat man einen perfekten Blick auf die Lahn, an der die Gemeinde neue Anlegestege installieren will, und die Weinberge, die sich durch die Flurbereinigung sichtbar verändern werden. Auf einem gegenüberliegenden Platz stellt die Gemeinde an diesem Morgen ihre neuen Info-Tafeln und einiges mehr aus. Und immer wieder ein Pfund, mit dem man wuchert, ist die Bereitschaft der Einheimischen, den Ort von seiner besten Seite zu präsentieren. In der Praxis heißt das, dass neben Ratsmitgliedern und Vereinsvertretern immer auch etliche Bürger dem Empfang der Kommission beiwohnen. „Das ist fast nicht zu toppen“, sagt Klöckner anerkennend.

Riesige Projekte wie die Flurbereinigung, die in der Gemarkung einiges umkrempelt, und große Vorhaben wie das geplante Freizeitgelände an der Lahn gehen in Kürze in die entscheidende Phase. Doch auch im Kleinen zeigt Obernhof, dass seit einigen Jahren ein frischer, junger Wind weht, der die Gemeinde unmittelbar belebt und unzählige positiv wirkende Folgeerscheinungen nach sich zieht. Ein Beispiel: Da man vor allem vom Fremdenverkehr lebt, entwickeln Gemeinde und Private das Dorf in enger Zusammenarbeit als Marke. Logo und Farbgebung lassen Prospekte, Internetseite und Hinweisschilder aus einem Guss wirken. Gemeinsam hat man sich auf Touristik-Messen in Koblenz und Limburg mit einem eigenen Stand präsentiert. Dort stellte man sich als modern, jung und sehr aktiv vor, was viele Messegäste überraschte, „weil sie dachten, wir würden hier schlafen“.

Unermüdliche Triebfeder ist dabei Monique Thesing, die sich mit Kreativität, Tatendrang und einer ordentlichen Prise Durchsetzungskraft einbringt. Sie betreibt nicht nur das Hotel am Goetheberg und engagiert sich im Werbering Nassauer Land, sie brennt auch für ihren Heimatort. „Ich liebe Obernhof, und das kann auch jeder wissen“, sagt sie beim Rundgang mit der Kommission, und das nimmt man ihr auch ab. Überhaupt wirkt in der Lahngemeinde alles authentisch, wie man heute sagt. „Man sieht, dass Sie uns hier keinen erzählen, sondern sich mit dem Ort identifizieren“, sagt ein Kommissionsmitglied. Das tun viele in Obernhof, und das führt zu einer breiten Basis, die sich ehrenamtlich einbringt oder es im Ort wagt, sich eine berufliche Existenz aufzubauen. Dabei betrachtet man sich als Gemeinschaft, in der jeder vom Erfolg der anderen profitiert, und nicht als Konkurrenz.

Der Zweite Beigeordnete Markus Lotz zeigt der Kommission die frisch gerodete Fläche am Adelhahn, während ein Arbeiter die letzten Wurzelstöcke in einer Schubkarre sammelt. Die 2,5 Hektar oberhalb von Schloss Langenau sollen noch im Mai mit Reben bepflanzt werden und künftig biologisch bewirtschaftet werden. An dem Hang wurden vor 700 Jahren die ersten Rebstöcke gesetzt. Ende der 1960er-Jahre wurde der Wingert aufgegeben.  Foto: Rosenkranz
Der Zweite Beigeordnete Markus Lotz zeigt der Kommission die frisch gerodete Fläche am Adelhahn, während ein Arbeiter die letzten Wurzelstöcke in einer Schubkarre sammelt. Die 2,5 Hektar oberhalb von Schloss Langenau sollen noch im Mai mit Reben bepflanzt werden und künftig biologisch bewirtschaftet werden. An dem Hang wurden vor 700 Jahren die ersten Rebstöcke gesetzt. Ende der 1960er-Jahre wurde der Wingert aufgegeben.
Foto: Rosenkranz

Jüngstes Beispiel war die gemeinsame Vorstellung unter dem Dach der Ortsgemeinde auf der Expomeile in Nassau. Von den rund 100 beteiligten Ausstellern kamen allein 18 aus Obernhof. Ob Eisdiele, Motorradwerkstatt oder Pension – in der 400-Seelen-Gemeinde trauen sich immer mehr Leute, ein Gewerbe zu eröffnen, was wiederum für weitere Belebung sorgt. So soll sich das Lahnufer an den lauen Abenden in den vergangenen Wochen mehr und mehr zum abendlichen Treffpunkt für Bürger jeden Alters entwickelt haben, weil die erst vor wenigen Wochen eröffnete Eisdiele bis 22 Uhr geöffnet ist und zum beliebten Ziel abendlicher Spaziergänge geworden ist.

Flurbereinigung, Freizeitgelände und eine geplante Hängeseilbrücke sind Großprojekte, aber im Kleinen sind die Obernhofer nicht weniger kreativ. Jüngstes Beispiel ist der Entwurf neuer Bootsanlegestege, die die Gemeinde nun nach und nach installieren wird. Dabei kooperierte man mit dem Verein Pro Lahn und ließ sich den Steg-Typ von der zuständigen Behörde genehmigen, sodass nun auch interessierte Private diesen kurzfristig und ohne bürokratische Umwege gleichermaßen übernehmen können. Zudem hat man im Zuge von ohnehin anstehenden Straßenarbeiten Strom zum Lahnufer legen lassen, um künftig Versorgungssäulen zu montieren – eine Errungenschaft, die es beispielsweise in der Stadt Nassau noch immer nicht gibt. Und wo die Ideen derart sprudeln und nicht gleich von Bedenkenträgern ausgebremst werden, machen auch die Privaten und Gewerbetreibenden gern mit. Der neue Pächter des Campingplatzes zum Beispiel bietet eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit für zwei Personen: auf einer Rettungsinsel, die auf der Lahn schwimmt.

Nach zwei Stunden voller Eindrücke und Erläuterungen zeigt sich Kommissionschef Klöckner, der die Entwicklung der Gemeinde seit 2011 durch mehrere Bereisungen mitbekommen hat. „Wie man hier Dinge angeht und verwirklicht, davon können sich andere eine Scheibe abschneiden“, sagt er. Dabei entwickelten die Obernhofener auch eine gewisse Hartnäckigkeit, um ihre Ideen gegen Widerstände durchzusetzen. So lasse man sich weder von der riesigen Treppe zum Bahnsteig entmutigen, die Senioren und Radfahrern große Umstände bereitet, noch von Vandalismus treibenden Unbekannten, die im vergangenen Jahr auf der frisch von Bürgern renovierten Aussichtsplattform ein Lagerfeuer entzündet hatten. „Einfach nur fantastisch“, lautet Klöckners abschließendes Lob an die gesamte Gemeinde.

Von unserem Redakteur Carlo Rosenkranz

Rampe zum Bahnsteig wird ab Herbst gebaut

Bis Ende des Jahres soll der Bahnsteig in Richtung Koblenz am Haltepunkt Obernhof barrierefrei erreichbar sein. Die Bahn hat den Beginn der Bauarbeiten für die geplante Rampe mit Herbst 2018 angegeben. „Im September soll es losgehen“, sagt der Zweite Beigeordnete Markus Lotz.

Die Maßnahme müsse in diesem Jahr abgeschlossen werden, damit die Förderung durch den Bund gewahrt bleibe. Aus Berlin werden der Bahn demnach 900.000 Euro bereitgestellt. Sie stammen aus einem Programm, mit dem Stationen, an denen weniger als 1000 Menschen täglich ein- und aussteigen, barrierefreie Zugänge erhalten. Die Bahn gibt die Gesamtkosten mit rund 1,3 Millionen Euro an. Die Bahn selbst hatte die derzeitige Situation herbeigeführt, als sie 2015 im Rahmen der Stellwerkdigitalisierung auch mehrere Bahnsteige im Lahntal neu gestaltete. Dabei verzichtete man auf eine zunächst geplante Rampe und schuf die steile Treppe. crz

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