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    Rat zieht Schlussstrich: Welterbe Oberes Mittelrheintal bleibt frei von Windrädern

    Das Damoklesschwert einer möglichen Aberkennung des Welterbetitels im Oberen Mittelrheintal durch die Unesco ist vollständig beseitigt. Der Verbandsgemeinderat Loreley hat die Bauleitplanung für Windräder, die ohnehin keine Aussicht auf Genehmigung mehr hatte, mit großer Mehrheit beendet.

    Die Blicke über die Verbandsgemeinde Loreley hinweg, wie hier an der Rheinschleife bei Filsen, bleiben frei von Windrädern.
    Die Blicke über die Verbandsgemeinde Loreley hinweg, wie hier an der Rheinschleife bei Filsen, bleiben frei von Windrädern.
    Foto: Andreas Jöckel

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

    Den entsprechenden Antrag dazu hatten SPD und FWG/FBL gestellt. Den Anträgen vorausgegangen war eine letzte Gesprächsrunde der Ratsfraktionen am runden Tisch mit Vertretern der Genehmigungsbehörden aus Wirtschaftsministerium und Kreisverwaltung Rhein-Lahn unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei bestätigten sich jedoch nur die Fakten, die seit Monaten auf dem Tisch lagen: Der Teilplan Windenergie zum Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Loreley ist nicht genehmigungsfähig. Für Windkraftkritiker bleibt laut FWG/FBL-Fraktionssprecher Holger Puttkammer die Frage: "Warum hat die VG-Verwaltung mit Unterstützung eines fachkundigen Ingenieurbüros trotz Kenntnis dieser Rechtslage die Planung bis zuletzt weiter betrieben?" Ratsmitglieder, die Beschlüsse dazu mitgetragen hatten, werfen VG-Bürgermeister Werner Groß (CDU) im Nachhinein vor, darüber nicht ausreichend informiert zu haben. Der VG-Chef ist jedoch nach einem Unfall im September bis ins kommende Jahr hinein erkrankt.

    Im Rückblick betrachtet, entstanden die Windkraftpläne rechts des Rheins im Gegensatz zum Rhein-Hunsrück-Kreis erst relativ spät, nämlich 2011. Die Landesregierung hatte alle Kommunen dazu aufgefordert, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten und an den Pachterlösen für Windkraftflächen teilzuhaben. Darauf freuten sich auch die Bürgermeister der hoch verschuldeten Kommunen in der VG Loreley. Zusätzlich machte die fragwürdige Idee vom CO2-freien Tourismus am Mittelrhein - tatsächlich mit Blick auf die Energieanlagen - die Runde.

    Doch relativ schnell wurde auch klar, dass das Obere Mittelrheintal mit seiner einzigartigen Kulturlandschaft eine Sonderrolle hat. Die Unesco meldete Bedenken gegen die Windkraftanlagen im Welterbe an, die sich auf den Hunsrückhöhen bereits massenhaft drehten und mittlerweile vereinzelt auch vom Rheintal aus zu sehen sind - wenn auch außerhalb des Welterbe-Rahmenbereichs. Die Landesregierung ließ eine Sichtachsenstudie erstellen, bei der sich herausstellte, dass Windräder im Rahmenbereich des Welterbes und auch darüber hinaus, den Blick auf schützenswerte Baudenkmäler und Landschaftsbilder stören. Ebenso meldeten Naturschützer und Raumordnungsplaner Konfliktpotenziale an.

    Einen letzten Kompromiss versuchte die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord vor zwei Jahren gemeinsam mit VG und der Unesco zu finden - vergeblich. Die VG schlug den Weg der Bauleitplanung ein. Einen Solidarpakt für die Nutzung regenerativer Energien hatten die Ortsgemeinden bereits beschlossen, um gemeinsam von den Erlösen profitieren zu können. Am Ende der Planung stand ein Entwurf, der neun Sonderbauflächen von insgesamt 582 Hektar als potenzielle Standorte für etwa 50 Windräder vorsah. Das wären 3,47 Prozent der gesamten VG-Fläche (16.800 Hektar). Bei der Offenlage stellte nicht nur die Kreisverwaltung ihre Ablehnung als Genehmigungsbehörde ausführlich dar. Es gab auch mehr als 1700 Einwände von Bürgern und Institutionen.

    Erst danach begann die Mehrheit im VG-Rat für die Windkraft bis zur endgültigen Ablehnung nach und nach zu bröckeln. Verstärkend wirkte dabei das Scheitern der Ortsgemeinde Lierschied, die vor dem Verwaltungsgericht eine Verlegung der Welterbegrenze einforderte. Marco Jost (SPD) sieht den Schlussstrich positiv: "Wir sollten jetzt die Chance nutzen, unsere unverbaute Kulturlandschaft zu erhalten und touristisch zu vermarkten." Der Ausbau des Loreley-Plateaus als Nahziel und die Buga 2031 als Zukunftsvision seien eine gute Basis dafür. Dieter Clasen (CDU) versuchte dennoch in einem letzten Appell, die Ratskollegen dazu zu bewegen, den Flächennutzungsplan als Lenkungsinstrument für Windkraft noch nicht endgültig aus der Hand zu geben. Vergebens: Für den Schlussstrich gab es 16 Ja- und 7 Neinstimmen. Mehrere Ortsbürgermeister stimmen wegen Sonderinteresse nicht mit.

    Ganzjährige Anlaufstelle auf dem Plateau: Loreley-Touristik will sich neu ausrichtenFotos: Der neue Park auf der Loreley kommt voranArbeiten und Budget im Plan: Loreley sucht Investor für Park und GastronomieStadtrat vergibt Aufträge: Loreley-Freilichtbühne wird neu bepflanztFotos: Ehemalige Jugendherberge auf der Loreley wird abgerissenweitere Links
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