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Bornich

Rallye Zorn: Mit 200 Sachen durch den Ort

Sabrina Rödder

Das Garagentor steht offen. Im Inneren, wo eigentlich Platz für zwei Autos wäre, steht nur eins. Alle anderen Fahrzeuge der Familie Michel stehen in der Einfahrt, unterm Carport oder am Straßenrand verteilt. Viel Platz braucht das 350 PS starke Auto in der Garage. Es ist der Mitsubishi Lancer Evo von Torsten Michel. Der Mitsubishi, den der junge Mann aus Bornich fährt, ist nicht irgendein Mitsubishi. Seiner ist komplett umgebaut: Die Rücksitze sind raus, Überrollbügel sind verbaut, Heckklappe und Motorhaube sind aus federleichtem Carbon. Denn mit dem weiß-schwarz-grünen Wagen möchte er an der Deutschen NAVC-Amateur-Rallyemeisterschaft 2018 antreten.

Torsten Michel tritt bei der diesjährigen NAVC-Amateur-Rallyemeisterschaft aufs Gas. Seine Freundin Anna Hinrichs begleitet ihn als Beifahrerin in dem Mitsubishi Lancer Evo, der ganze 350 PS stark ist. Foto: Sabrina Rödder
Torsten Michel tritt bei der diesjährigen NAVC-Amateur-Rallyemeisterschaft aufs Gas. Seine Freundin Anna Hinrichs begleitet ihn als Beifahrerin in dem Mitsubishi Lancer Evo, der ganze 350 PS stark ist.
Foto: Sabrina Rödder

Der 29-Jährige hat schon so einiges erlebt, schon so einiges gemacht. Alles hatte irgendwie mit Motorsport zu tun, mit seiner großen Liebe, die eigentlich nur ein Hobby des Industriemechanikers ist. Bevor es in Sachen Motorsport aber so richtig losging, war er jahrelang Kart gefahren gemeinsam mit seinem Bruder Nils. Als er dann den Führerschein in den Händen hielt und sein erstes Auto, einen Golf 3 GTI, sein Eigen nennen konnte, war der junge Mann nicht mehr zu bremsen. Im gleichen Jahr kaufte er sich ein weiteres Auto. Ein Auto, mit dem er an Rennen teilnehmen wollte. Schnell wurde sein Ehrgeiz jedoch gebremst: Ein Blitzer erwischte ihn mit seinem Straßenauto mit 160 in der 100er-Zone.

Von seinem Führerschein musste er sich also erst einmal wieder verabschieden. In der Zeit blieb Torsten Michel aber nicht tatenlos. Sein Straßenauto musste dran glauben, 500 PS verbaute er hier. „Ab dann habe ich versucht, vernünftig zu fahren“, sagt der Motorsportbegeisterte und muss grinsen. Auch schraubte er als Mechaniker für zwei Teams bei der Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring. In den kommenden zehn Jahren folgen neun weitere Straßenautos, drei weitere Rennautos. Und seine Freundin Anna Hinrichs. Die mehr als nur seine Partnerin ist.

Die 21-Jährige begleitet ihn bei jedem Rennen. Aber nicht etwa als Zuschauerin zum Anfeuern. Sie begleitet ihn als Beifahrerin, ist also ein unerlässlicher Teil jedes Rennens. Während der Fahrt gibt sie ihm Anweisungen über Funk: „100, rechts, zwei, Achtung, 30, links.“ „Er ist praktisch gezwungen, auf mich zu hören, mir also zuzuhören“, sagt die junge Frau, die die Liebe zum Motorsport mit Torsten teilt. Denn bei einer Rallye fahren die Teilnehmer Strecken, wo sie in der Regel noch nie zuvor unterwegs waren. Feldwege oder auch normale Straßen sind zwecks des Rennens abgesperrt. Die Zahlen und Anweisungen bedeuten dann zum Beispiel, dass in 100 Meter Entfernung eine Rechtskurve kommt, die 90 Grad scharf ist. Bei einem Testdurchlauf darf der Teilnehmer die Strecke abfahren und sein Beifahrer einen Aufschrieb erstellen, eben mit all den wichtigen Infos, die die Strecke ausmachen.

Bei der bundesweiten NAVC-Meisterschaft ist es laut Torsten Michel Zufall, dass zwei von fünf Veranstaltungen im Rhein-Lahn-Kreis stattfinden. Die Rallye Zorn wird am dritten Februarwochenende in Miehlen ausgetragen, die Rallye Hombachtal am zweiten Juniwochenende in Geisig. Dass er dadurch einen Vorteil hat, glaubt er allerdings nicht. „Ich kann da ja schlecht üben. Wenn ich erwischt werde, gibt's Ärger“, sagt der Rallyefahrer und erklärt, dass der Streckenverlauf ohnehin jedes Jahr geändert wird.

Sich wirklich vorbereiten auf die Rennen kann Torsten Michel mit seinem Allrad also nicht. Anna Hinrichs, die die Liebe zum Motorsport durch ihren Vater in die Wiege gelegt bekommen hat, erklärt: „Man muss halt gut fahren können und keine Angst haben dürfen, dass etwas passiert.“ Auch der jüngere Bruder der 21-Jährigen nahm an Rallyes teil, hörte allerdings nach nur wenigen Monaten wieder auf. „Wir haben einen Unfall gebaut und uns fünfmal überschlagen“, erzählt die Industriekauffrau, die ihren Bruder als Beifahrerin begleitet hatte. „Man muss sich dessen bewusst sein, dass es gefährlich ist und dass etwas passieren kann. Man muss das Risiko ausblenden. Hin und wieder denke ich aber auch: Huch, das war jetzt aber schnell.“ Vor zwei Jahren verunglückten gleich zwei Fahrer tödlich. Sie gehörten der Renngemeinschaft Ga(a)s an, wo auch Torsten Michel und seine Freundin Mitglieder sind. Wenn einem Teilnehmer etwas zustößt, sei das immer sehr schlimm, sagen die beiden. Anna Hinrichs erklärt: „Die Teilnehmer bei den Rennen sind wie eine große Gemeinschaft. Man kennt sich.“

Damit die Gefahr, dass den Fahrern etwas zustößt, wenigstens etwas minimiert wird, tragen sie feuerfeste Kleidung. Auch durch seine Teilnahmen an Bergrennen weiß der 29-Jährige, dass das Unfallrisiko stets mitfährt. Auch Rundstrecke ist der junge Mann jahrelang gefahren. 70 Pokale im Flur seines Elternhauses erzählen von seinen Erfolgen. 2013 wurde er sogar Deutscher Amateur-Rundstreckenmeister.

Die Chancen, bei der NAVC-Meisterschaft zu gewinnen, stehen für Torsten Michel und seinen umgebauten Mitsubishi Lancer, den er bei Rallyesport-Ramonat in Thüringen gekauft hat, nicht schlecht, sagt er selbst. „Die Rallye Zorn ist allerdings die erste mit dem Lancer.“ Laut Anna Hinrichs ist es übrigens egal, ob bei einer Rallye Schnee und Eisglätte herrschen. Das Rennen würde nicht einfach abgesagt werden: „Das ist eben Rallye.“

Von unserer Redakteurin Sabrina Rödder

Kreis- und Landstraßen sind zeitweise gesperrt

Der Saisonstart der Deutschen NAVC-Amateur-Rallyemeisterschaft 2018 ist am dritten Februarwochenende, 16. und 17. Februar, jeweils von 18.30 bis 23.30 Uhr.

Dann wird die 29. Rallye Zorn in Miehlen ausgetragen. Veranstaltungsort ist das dortige Dorfgemeinschaftshaus. Aufgrund der Veranstaltung sind einige Kreis- und Landesstraßen gesperrt. Von circa 8 bis 13 Uhr die Verbindungsstrecke zwischen der K 91 und der K 90 (Reitzenhain), die K 90 zwischen Reitzenhain bis Niederwallmenach und die L 333 zwischen Bogel und Niederwallmenach. Außerdem gesperrt sind von circa 11.30 bis 20.30 Uhr die L 335 zwischen Nastätten und Miehlen ab dem Kreisverkehr Nastätten (B 274/B 260), die K 80 zwischen Oelsberg und Nastätten, und die Verkehrsführung des Rewe-Parkplatzes ist nur in eine Richtung zu befahren. Eine Umleitung ist jeweils ausgeschildert. Rückfragen werden unter Telefon 06772/1633 entgegengenommen. srö

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