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Rhein-Lahn

Paracelsus-Klinik will gesund werden und noch wachsen: Neuer Chef besuchte Standort Bad Ems

Tobias Lui

Nach Monaten dunkler Gewitterwolken reißt über dem einzigen Akutkrankenhaus in Bad Ems langsam der Himmel auf: Das Insolvenzverfahren ist fast abgeschlossen, die neuen Eigner der Paracelsus-Klinik wollen investieren, die medizinische Leistungsfähigkeit steigern und als Grundversorger in Zukunft wieder eine wichtige Rolle bei der Gesundheitsversorgung im Rhein-Lahn-Kreis spielen. Allerdings, das machten die neuen Eigner ebenfalls deutlich, wartet noch viel Arbeit auf alle Beteiligten.

Es soll aufwärts gehen mit der Paracelsus-Klinik: Aktuell sucht das Bad Emser Krankenhaus Bewerber in allen möglichen Bereichen.  Foto: Tobias Lui
Es soll aufwärts gehen mit der Paracelsus-Klinik: Aktuell sucht das Bad Emser Krankenhaus Bewerber in allen möglichen Bereichen.
Foto: Tobias Lui

Nach der rechtlichen Übernahme der Klinikgruppe durch die Porterhouse Group AG besuchten am Dienstag Führungskräfte der Schweizer Beteiligungsgesellschaft den Standort. Die neuen Bosse stellten sich der Belegschaft vor, anschließend sprachen sie mit Vertretern des „Initiativkreises Gesundheit“, der sich Sorgen um den Gesundheitsstandort Bad Ems macht.

Freundlich, zuvorkommend, ein verbindliches Lächeln dabei – keine Frage, Matthias Philippi weiß, wie man einen ersten guten ersten Eindruck bei den Leuten hinterlässt. Nahezu jedem der versammelten Belegschaft an diesem Mittag stellte sich der neue Paracelsus-Chef persönlich vor. Philippi war gekommen um den Mitarbeitern, die in den vergangenen Monaten eine Vielzahl von Entbehrungen hatten hinnehmen müssen (unter anderem gab es wegen des laufenden Insolvenzverfahrens kein Weihnachtsgeld), zu danken: „Ohne Ihr Engagement“, lobte der Topmanager, „wären wir niemals so gut durch die Insolvenz gekommen“. Philippi, der die Sana Kliniken AG zu einem der führenden Klinikbetreiber in Deutschland gemacht hat, möchte Ähnliches bei Paracelsus schaffen: Die 40 Einrichtungen an 22 Standorten sollen fit für die Zukunft gemacht werden, auch deshalb touren die Führungskräfte derzeit durchs „Paracelsusland“. „Wir möchten um Vertrauen für den neuen Eigentümer werben“, sagte er in Richtung der Mitarbeiter. Allen Anwesenden – Ärzte, Pflegern Sekretärinnen und vielen anderen – war die Unsicherheit anzusehen: Sie möchten wissen, wie es weitergeht.

Philippi gab Einblicke: So wird das Insolvenzverfahren Ende Juli auch formal abgeschlossen sein, anschließend werde man mit voller Kraft die Zukunft gestalten, sagte der Sanierungsexperte. „Schließlich haben wir an diesem tollen Standort eine Menge vor. Es wird bald eine neue Zeitrechnung beginnen.“ Denn ein „weiter wie bisher“ könne es nicht geben, warnte er. „Die Probleme sind ja nicht von heute auf morgen einfach weg.“ Hauptaugenmerk müsse zunächst darauf gelegt werden, die volle medizinische Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen – und diese weiter zu steigern. „Entsprechend brauchen wir gutes Personal und schauen uns auch nach allen Seiten um“, versicherte er. Das Haus habe im Zuge der Insolvenz bewährte Kräfte verloren, dies müsse ausgeglichen werden.

Mit Dr. med. Stephan Ruff, der zum Monatsanfang den Chefarztposten für Gefäßchirurgie angetreten hat, sei erst der Anfang gewesen. Philippis Ziel: „Wir wollen wieder zu dem Krankenhaus werden, das die Menschen aus Bad Ems und der Umgebung wählen, wenn sie gesund werden wollen.“ Seine Bitte: „Tragen Sie diese Nachricht nach Außen: Wir sind wieder da!“

Allerdings warte auf alle Beteiligten reichlich Arbeit: Die Effizienz sämtlicher Prozesse im Krankenhaus müsse verbessert werden, beispielsweise bei der Dokumentation. „Es kann doch nicht sein, dass Sie Stunden damit verbringen müssen – und dadurch weniger Zeit für Patienten haben.“ Man werde verstärkt in die Möglichkeiten der Digitalisierung investieren, dies gelte zum Beispiel auch für die Erstellung eines Dienstplanes. Außerdem müsse die Vernetzung mit Ärzten in der Region besser werden, „ambulante und stationäre Angebote gehören stärker verbunden“. Seine Rechnung: Mehr Patienten durch ein besseres medizinisches Angebot, gleichzeitig aber Kostensenkungen durch effizienteres Arbeiten und verstärkte Digitalisierung. Dafür benötige man aber die Unterstützung und das Vertrauen aller Mitarbeiter, betonte der Manager. „Wir wollen uns zu einem attraktiven Arbeitgeber in der Region entwickeln“, versprach der neue Boss.

Porterhouse-Geschäftsführer Michael Schurich hatte Grüße von Felix Happel an die Belegschaft mitgebracht: Der Milliardär ist Verwaltungsratspräsident der Porterhouse Group AG – einem Familienunternehmen, wie Schurisch betonte. „Wir sind keine Finanzinvestoren.“ Man kaufe Unternehmen auf, um diese langfristig zu entwickeln. „Keine Sorge, so schnell werden Sie uns nicht los.“

Und wie ist die langfristige Prognose für Paracelsus? Man wolle sich zu einem stabilen und profitablen Unternehmen entwickeln, das aus eigener Kraft und auch durch Zukäufe wachse. „Natürlich wollen wir wachsen“, bestätigte Philippi solche Bestrebungen – um eine (kleine) Kampfansage folgen zu lassen. „Der ein oder andere Mitbewerber wird sich wundern.“ Nichtsdestotrotz müsse man im Gesundheitswesen auf eine vernünftige Art und Weise zusammenarbeiten. „Dafür muss man allerdings auf Augenhöhe sein.“ Genau daran werde man in Bad Ems und in Osnabrück, wo sich die Konzernzentrale befindet, in den kommenden Monaten hart arbeiten.

Von unserem Redakteur Tobias Lui

Spitzenmanager mit großer Erfahrung im Gesundheitswesen

Er gilt als Topmanager und soll die Paracelsus-Gruppe nach ihrer Insolvenz wieder zu einem stabilen und profitablen Unternehmen entwickeln: Prof. Dr. Michael Philippi wurde nach der rechtlichen Übernahme durch Porterhouse zum Leiter der Paracelsus Kliniken bestellt.

Michael Philippi
Michael Philippi
Foto: privat

Unter Philippis achtjähriger Leitung hatte die Sana Kliniken AG nicht nur ihren Umsatz vervielfacht, sondern war auch zu einem der führenden Klinikbetreiber in Deutschland herangewachsen. Der Diplom-Kaufmann und promovierte Wirtschaftswissenschaftler, der beinahe seine gesamte berufliche Karriere bei Sana in verschiedenen Führungspositionen verbrachte, ist ein ausgewiesener Experte für das deutsche Gesundheitswesen. Über viele Jahre engagierte sich der heutige Honorarprofessor an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft als Vizepräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und als Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK). tl

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