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Lahnstein

Nachruf auf Pater Ernst Karbach: Ein Mensch, der immer für andere da war

Große Trauer, nicht nur am Lahnsteiner Johannes-Gymnasium: Im Alter von 72 Jahren ist Pater Ernst Karbach plötzlich am Donnerstag, 5. Juli, in Mainz gestorben – und mit ihm ein Mensch, dessen Wirken über die Schule am Rhein-Lahn-Eck hinaus Bedeutung fand.

Pater Ernst Karbach in seinem Element: Nicht nur bei Predigten fand der 72-Jährige stets die richtigen Worte. Doch der Tausendsassa war weit mehr als „nur“ Geistlicher. Er war Seelsorger im allerbesten Sinne.
Pater Ernst Karbach in seinem Element: Nicht nur bei Predigten fand der 72-Jährige stets die richtigen Worte. Doch der Tausendsassa war weit mehr als „nur“ Geistlicher. Er war Seelsorger im allerbesten Sinne.
Foto: Carlo Rosenkranz

Nur wenige Tage zuvor ging das große 44. Sommerzeltlager zu Ende, das Karbach mit großem Eifer über Jahrzehnte betreut hat. „Ernst hat sein Leben beendet, so wie er es gelebt hat, engagiert, mit jungen Menschen, denen er Teil gab an seiner Freude und seiner Hoffnung“, betont Pater Martin Königstein SSCC, Provinzial der Arnsteiner Patres.

Pater Ernst Karbach, kurz „PEK“, wie ihn seine Schüler nannten, konnte andere mitreißen, überzeugen, für die gute Sache antreiben. Er wurde nicht müde, seine Überzeugungen zu vertreten und Ideen umzusetzen. Dass er dabei stets Klartext sprach, mit seinen Meinungen nicht hinterm Berg hielt, stattdessen energisch dafür einstand, mag nicht immer jedem gefallen haben. Aber das war eine Eigenschaft, die ihn ausmachte. Auch oder gerade deshalb war Pater Ernst Karbach für viele mehr als ein Geistlicher oder Lehrer. Er war ein Vertrauter, ein Weggefährte, ein Freund – und ein Mann, der in vielfältiger Weise etwas ganz Besonderes war.

Biografisches: Ernst Karbach wurde am 14. Januar 1946 in Mainz geboren. Er besuchte das Johannes-Gymnasium in Lahnstein und machte 1966 dort sein Abitur. Im gleichen Jahr trat er in das Noviziat der Ordensgemeinschaft der Arnsteiner Patres ein und legte am 8. Dezember 1967 seine ersten Gelübde ab. Am 7. April 1973 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie im Collegium Damianeum in Simpelveld (Niederlande) studierte er Erziehungswissenschaften und Biologie in Koblenz.

Dann ging es zurück ans Johannes-Gymnasium, das für Pater Karbach zum Zentrum seiner pädagogischen und seelsorglichen Tätigkeit wurde – buchstäblich bis zu seinem letzten Atemzug. Er unterrichtete Religion und Biologie und machte sich vor allem in der Schulseelsorge einen Namen.

Als Leiter der Bienen-AG kam der Biologielehrer raus.
Als Leiter der Bienen-AG kam der Biologielehrer raus.
Foto: Markus Eschenauer

Vielfältiger Einsatz: Das Wirken des Geistlichen war ausgesprochen vielfältig. Mit Schülern legte der Pater einen Teich an und belebte den Schulgarten, indem er dort unter anderem Mittelrheinkirschbäume pflanzte. Zuletzt hielt er sich auf dem Gelände hinter der Mensa sogar eine stattliche Hühnerschar mit dem Hahn Elvis. Ein besonderes Anliegen war dem 72-Jährigen auch die 2014 gegründete Bienen-AG. Unter seiner Aufsicht und Anleitung wurden aus interessierten Johnny-Schülern echte Imker. Ein Projekt mit Strahlkraft für die gesamte Region.

Karbach war auch maßgeblich daran beteiligt, dass sich Besucher in der Johanniskirche Jahr für Jahr in der Adventszeit an der eindrucksvollen Krippe erfreuen konnten. Dafür suchte der Lehrer dann stets in der Biologiesammlung nach Tieren, die das Werk zierten. So versteckte sich nicht nur ein Fuchs in der liebvoll angelegten Weihnachtslandschaft.

Mehr als 40 Jahre lang betreute er hauptverantwortliche das große Sommerzeltlager der GCL in Lahnstein – wie 2013, als sogar der Bischof zu Gast war.
Mehr als 40 Jahre lang betreute er hauptverantwortliche das große Sommerzeltlager der GCL in Lahnstein – wie 2013, als sogar der Bischof zu Gast war.
Foto: privat

Die GCL: Untrennbar verbunden mit dem Namen Ernst Karbach ist die Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) am Johannes-Gymnasium. Unter der Leitung des Paters entwickelte sich die GCL zum bedeutendsten Element der außerschulischen Jugendarbeit. Woche für Woche treffen sich Kinder und Jugendliche zu Gruppenstunden, um gemeinsam etwas zu erleben und Spaß zu haben. Die Früh- und Spätschichten in der Advents- und Fastenzeit versammeln bis zu 80 Schüler, Eltern und Lehrer. Zum Teil weit mehr als 100 Teilnehmer verzeichnet das Sommerlager und ist damit der Höhepunkt des GCL-Jahres. Dazu trägt auch der im Tal bei Dahlheim gelegene Zeltplatz bei, den Karbach mit fleißigen Helfern über die Jahre hinweg liebevoll und mit viel Aufwand hergerichtet und erweitert hat. Besondere Touren führten Karbach und die GCLer nach Thüringen, Polen oder auch nach Rom.

Immer ein offenes Ohr: Egal, welche Aktionen geplant und unternommen wurden: Immer war Pater Ernst Karbach dabei, er stand mit Rat und Tat zur Seite und half kräftig mit, wenn es darum ging, Neues umsetzen. Doch es war vor allem seine herzliche und aufgeschlossene Art, die ihn ausmachte. Niemanden, den Sorgen und Nöte plagten, wies Karbach ab. Er war zur Stelle, egal an welchem Tag, egal zu welcher Zeit und wann immer auch Hochwasser Johannes-Gymnasium, Kloster und Kirche bedrohte.

Dabei war es für Pater Ernst Karbach selbst nicht immer einfach. Der Verkauf des Klosters, der Auszug der GCL aus dem Haus Damian, waren Situationen, die er verkraften musste. Doch er ließ sich nie unterkriegen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich Karbach mehr und mehr aus dem Lehrbetrieb zurückgezogen, aber für die Schulseelsorge war er weiterhin in hohem Maße aktiv. Davon hielten ihn auch eigene gesundheitliche Rückschläge nicht ab. Zudem feierte er regelmäßig Gottesdienste in der Lahnsteiner Krankenhauskapelle sowie der Klinik Lahnhöhe.

Entspannung im Grünen, aber nicht allein: Denn seit einiger Zeit hielt Pater Ernst Karbach im Schulgarten zudem Hühner und Hahn Elvis.
Entspannung im Grünen, aber nicht allein: Denn seit einiger Zeit hielt Pater Ernst Karbach im Schulgarten zudem Hühner und Hahn Elvis.
Foto: Karin Kring

Vieles bleibt: Nicht wenige Ehemalige zog es auch gerade wegen Pater Ernst Karbach immer wieder zurück ans Johnny, das durch ihn zu einem Zuhause geworden ist. Er war ein geschätzter Gesprächspartner in vielen Situationen – auch wenn es darum ging, Hochzeiten früherer Schüler oder Taufen für deren Kinder zu planen.

„PEK“ wird eine große Lücke hinterlassen, in der Jugendarbeit, am Johannes-Gymnasium, in Lahnstein und besonders in den Herzen der Menschen, die ihn kannten. Doch die Werte, für die er stand, und alles, was er in all den Jahren erreicht hat, bleiben.

Markus Eschenauer

Gedenkgottesdienst in Lahnstein Mitte August

Für die Schule war es ein Schock, sagt der stellvertretende Leiter des Johannes-Gymnasiums, Norbert Kalt. Alle seien in tiefer Trauer. Mitte August wird es einen von Pater Alfred Bell geleiteten Gedenkgottesdienst in Lahnstein geben, teilt Kalt mit.

Der genaue Termin wird noch auf der Internetseite www.johannes-gymnasium.de bekannt gegeben. me
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