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Mittelrhein

Mittelrheinbrücke bis zur Buga? – Land will jetzt zügig planen

Andreas Jöckel

Die Landesregierung will die Planung der Mittelrheinbrücke jetzt schnell voranbringen. Das teilen Innenminister Roger Lewentz (SPD) und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) in einem Schreiben an die Landräte Marlon Bröhr (CDU, Rhein-Hunsrück) und Frank Puchtler (SPD, Rhein-Lahn) mit. Lewentz' Wunsch ist es, das Projekt im Hinblick auf eine Buga 2029 oder 2031 möglichst schnell zu realisieren. Die Buga-Planer müssen ihr Vorhaben unterdessen weiterhin völlig unabhängig von den nach wie vor politisch umstrittenen Brückenplänen betrachten.

Auch mit Blick auf die Buga 2029 oder 2031 bleibt die Mittelrheinbrücke zwischen St. Goar-Fellen und St. Goarshausen-Wellmich ein Dauerthema im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Trotz Start der Planung kann es noch keinen realistischen Termin für die Fertigstellung geben. Foto: Andreas Jöckel
Auch mit Blick auf die Buga 2029 oder 2031 bleibt die Mittelrheinbrücke zwischen St. Goar-Fellen und St. Goarshausen-Wellmich ein Dauerthema im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Trotz Start der Planung kann es noch keinen realistischen Termin für die Fertigstellung geben.
Foto: Andreas Jöckel

„Wir freuen uns, dass das Land bei der Brückenplanung jetzt Gas geben kann, nachdem im März endlich auch der Kreistag Rhein-Hunsrück dem Start eines Raumordungsverfahrens zugestimmt hat“, bekunden die SPD-Kreisvorsitzenden Mike Weiland (Rhein-Lahn) und Michael Maurer (Rhein-Hunsrück) gegenüber unserer Zeitung. Die Kosten für das erste Planverfahren in Höhe von 660.000 Euro trägt das Land. Ob künftig das Land oder die beiden Landkreise die Trägerschaft der Brücke übernehmen, bleibt offen. Ein erstes Umweltverträglichkeitsgutachten und eine Erhebung der Verkehrszahlen sollen nach Angaben der Ministerien schon in den kommenden Monaten in Auftrag gegeben werden.

Ungeduld der Brückenbefürworter wächst

Seit in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass eine Buga im Welterbe Oberes Mittelrheintal bereits 2029 stattfinden könnte, ist auch die Ungeduld der Brückenbefürworter im Tal gewachsen. In Richtung Buga-Initiator Roger Lewentz und Zweckverbandsvorsteher Frank Puchtler kritisiert Gerhard Kulz von der Bürgerinitiative Bündnis Kulturlandschaft Romantischer Rhein: „Die Macher der Buga wollen den Gewerbetreibenden und Anwohnern im Welterbe glaubhaft machen, dass man für die Erstellung eines Raumordungsverfahrens für die Brücke viereinhalb Jahre braucht und für Planung, Entwurf und Bau nochmals sieben Jahre.“ Menschen und Wirtschaft in der Mittelrheinregion verlangten aber von der Landesregierung bis 2029 auch eine fertige Mittelrheinbrücke. Eine unfertige Brücke schade andernfalls dem Gesamtbild einer Buga.

Buga muss mit allen Varianten leben können

Aus Sicht der Autoren der Machbarkeitsstudie für eine Buga 2031 ist es durchaus möglich, die Großveranstaltung zwei Jahre vorzuziehen. In Bezug auf die Mittelrheinbrücke haben die Buga-Planer aber stets betont, im Zweifel tatsächlich mit allen möglichen Varianten umgehen können zu müssen. Womöglich wird die Buga mit einer Brückenbaustelle leben müssen wie Koblenz 2011 mit seinem unfertigen Zentralplatz. Eine fertige feste Querung brächte zwar erhebliche logistische Erleichterungen mit sich. Aber auch ohne eine Brücke muss die Buga reibungslos stattfinden können.

Mobilitätskonzept schließt Rhein mit ein

Denn die Mobilitätsprobleme der Buga löst die Machbarkeitsstudie auf ganz andere Art. Individualverkehr auf dem engen 67 Kilometer langen Rheinabschnitt muss zwingend vermieden werden, um die Veranstaltung nicht zum längsten Stau aller Zeiten am Mittelrhein werden zu lassen. Stattdessen wird auf Bahn, Shuttlebusse zwischen Höhen und Tal sowie E-Mobilität gesetzt. An den Veranstaltungsschwerpunkten braucht es schnelle Verbindungen zwischen Lahnstein/Braubach und Stolzenfels, Loreley und Burg Rheinfels sowie Niederwald und Kulturufer Bingen mit Wassertaxis oder Fähren. Damit und mit schwimmenden Blumenhallen auf Schiffen wird der Rhein touristisch erlebbar und zum verbindenden Element.

Noch viele Fragen offen

Wir realistisch ist nun eine fertige Mittelrheinbrücke 2029? Um das einschätzen zu können, sind noch zu viele Fragen offen, die erst im Laufe des Planungsprozesses geklärt werden. So soll im Zuge des Raumordnungsverfahrens auch die Welterbeverträglichkeit der Brücke mit der Unesco gemeinsam mit weiteren Projekten wie der Umgehung in Braubach abgestimmt werden. Dazu wird eine die Gesamtbetrachtung des Welterbes in Bezug auf Mobilität erwartet.

Managementplan fürs Welterbe

Bis Herbst kommenden Jahres lässt das Innenministerium einen neuen Managementplan für das Weltkulturerbe erstellen, der konkrete Bewertungskriterien für die Verträglichkeit mit der Kulturlandschaft enthält. Allerdings wird es dabei voraussichtlich um mehr als eine Brücke gehen. Denn auch das Land Hessen und der Landkreis Mainz-Bingen fordern eine Querung zwischen Rüdesheim und Bingen. Diese wiederum dürfte bei Zehntausenden Pendlern ins Rhein-Main-Gebiet als Bundes- oder Länderprojekt infrage kommen. Im Gegensatz zur Mittelrheinbrücke, bei der bislang lediglich maximal 7000 Fahrzeuge am Tag prognostiziert wurden.

Realistischer Termin nicht absehbar

Kommt am Ende des Planverfahrens heraus, dass das Bauwerk bei St. Goar/St. Goarshausen nur als kommunale und nicht als Landesbrücke realisierbar ist, müssen der Landrat und die CDU im Kreistag Rhein-Hunsrück noch umgestimmt werden, wo im März mehrheitlich beschlossen wurde, das Projekt trotz 80 Prozent Landeszuschuss nicht ins Kreisstraßenbauprogramm aufzunehmen.

Zu guter Letzt könnten Gegner der Mittelrheinbrücke im Zuge des Planfeststellungsverfahrens auch gegen das Projekt klagen. Ein solcher Prozess könnte die Fertigstellung auf ungewisse Zeit verzögern.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

Umfrage: Mehrheit für 2029

Auf der Facebook-Seite zur Buga am Mittelrhein haben 857 Personen an einer Umfrage teilgenommen.

Diese ist zwar nicht repräsentativ, aber sie gibt ein aktuelles Stimmungsbild: Eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent will die Bundesgartenschau bereits im Jahr 2029, lediglich 19 Prozent sprachen sich für 2031 aus. Über den Termin wird die Versammlung des Welterbe-Zweckverbandes in den kommenden Wochen entscheiden.

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