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    Kurzführer erschienen: Grafen bauten Burg Nassau auf fremdem Grund

    Er ist schlanke 24 Seiten stark und passt in jede Gesäßtasche: der neue Kurzführer über die Burg Nassau. Das mit Informationen und zum Teil nie zuvor gezeigten Abbildungen prall gefüllte Heftchen ist nun von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) im Rittersaal des mittelalterlichen Gemäuers vorgestellt worden. Finanziert wurde es von der G. und I. Leifheit-Stiftung.

    Eine der wertvollsten Darstellungen der Burg Nassau ist nach Ansicht des Historikers Alexander Thon diese Bleistiftzeichnung von Johann Adolf Lasinsky aus dem Jahr 1828. Sie zeigt Details der verfallenen Burg, die auf keiner anderen Abbildung zu sehen sind.  Foto: Sammlung RheinRomantik, Bonn
    Eine der wertvollsten Darstellungen der Burg Nassau ist nach Ansicht des Historikers Alexander Thon diese Bleistiftzeichnung von Johann Adolf Lasinsky aus dem Jahr 1828. Sie zeigt Details der verfallenen Burg, die auf keiner anderen Abbildung zu sehen sind.
    Foto: Sammlung RheinRomantik, Bonn

    Gleich zwei Experten haben sich in jahrelangen Forschungen der Burg gewidmet. Aus gutem Grund: „Die maßgeblichen Bücher zur Burg und den Grafen von Nassau tragen bereits eine Last von mehr als anderthalb Jahrhunderten auf ihren Bücherrücken“, sagte Alexander Thon. Der Lahnsteiner Historiker erkundete vor allem Schriftquellen, um der Geschichte des Adelsgeschlechts und ihrer Residenz auf den Grund zu gehen. Dazu hat der mit den Burgen der Region seit Jahrzehnten vertraute Denkmalexperte und Bauhistoriker Udo Liessem aus Koblenz Nassaus Wahrzeichen unter die Lupe genommen. Ihre Erkenntnisse sind Grundlage für die Ausstellung, die die GDKE im kommenden Jahr im Bergfried einrichten will.

    Jahrzehntelanger Zank

    Hausfriedensbruch und jahrzehntelange Zankerei mit dem rechtmäßigen Eigentümer stehen – überspitzt gesagt – am Anfang der Geschichte von Burg Nassau. Wann genau das Bauwerk errichtet wurde, ist nicht überliefert. Klar ist aber, dass die Burg vor 1128 entstand. „Die Grafen von Laurenburg haben sie auf einem Berg gebaut, der ihnen nicht gehörte“, macht der Historiker Alexander Thon deutlich. Graf Ruprecht I. bemächtigte sich demnach des Eigentums des Wormser Hochstifts. Da die Wormser in mehr als 30 Jahren Gerichtsverfahren und Schiedssprüchen zu keiner Lösung mit dem Grafen und seinen Söhnen kamen, übertrug Worms das Land 1159 an den Trierer Erzbischof im Tausch gegen Ländereien in Rheinhessen. Erzbischof Hillin wiederum gab die Burg als Lehen an die Laurenburger Grafen, die sich spätestens ab 1160 selbst als Grafen von Nassau bezeichneten. Sprich: Die Grafen waren nicht Eigentümer, sondern Lehnsnehmer, also Nutzer der Burg. „Im Ernstfall hätte der Trierer Bischof sie rauswerfen können“, bringt es Thon auf den Punkt.

    Für das Jahr 1255 ist ein wichtiger Einschnitt in der Familiengeschichte der Nassauer Grafen belegt. Die Brüder Otto I. und Walram II. teilen Hab und Gut untereinander auf, nicht aber den Einrich und die Nassauer Burg. Sie bleiben vorerst gemeinsamer Besitz der beiden Linien, aus denen heute die Großherzöge von Luxemburg und die Könige der Niederlande hervorgehen. Die Erben teilen die Burg schon 1343 dann doch auf, später wird ein sogenannter Burgfrieden aufgesetzt, der Streitereien vermeiden soll. Zeitweise eskaliert die Lage dennoch. Als 1372 ein Graf den anderen aus der Burg vertreibt, kommt es zum bewaffneten Konflikt zwischen dem auf der Burg verbliebenen Adligen und jenem, der sich mit seinen Gefolgsleuten unten in der Stadt verschanzt. Erst zwei Jahre später kommt es zur Versöhnung. Was für die wachsenden Familien durch stetige Erbteilung eine Katastrophe ist, ist für die historische Forschung großartig, sagt Alexander Thon.

    Aus den zahlreichen Urkunden könne man viele Informationen gewinnen. So sei der Burgfrieden von 1349 von Bedeutung, weil darin zahlreiche Teile der nassauischen Stammburg explizit benannt werden, sodass man sich ein Bild vom damaligen Bestand machen kann. Schließlich gibt es keine Baupläne, und die ersten bildhaften Darstellungen der Nassauer Burg wurden erst etwa 250 Jahre später angefertigt.

    Förster gräbt illegal

    Seit Beginn des 16. Jahrhunderts verfiel die Burg zusehends, ab 1788 „war kein Betrieb mehr möglich“, stellt Thon fest. Eine völlig neue Erkenntnis seiner Nachforschungen ist, dass bereits 1876 ein pensionierter Förster ohne Erlaubnis auf der Burg nach Altertümern grub. „Wir wissen nicht, was damals verloren gegangen ist“, sagt der Lahnsteiner Historiker. Die Grabungen wurden untersagt, aber eine vom Königlichen Konservator angeregte Anfertigung eines genauen Grundrisses wurde „nach heutiger Kenntnis“ nicht umgesetzt. Für den neuen Kurzführer wurde dies nachgeholt: Über 100 Jahre nach der letzten, ungenauen Bestandsaufnahme von 1907 gibt es nun einen aktuellen, exakten Lageplan mit dem gegenwärtigen Baubestand.

    Erstmals im Kupferstich wurde die Nassauer Burg 1604 von Wilhelm Scheffern, genannt Dilich, festgehalten. Merian, von dem die 1646 danach deutlich „abgekupferte“ und wohl bekannteste Abbildung stammt, war nie selbst vor Ort. Beide Bilder zeigen den Bergfried mit Ecktürmchen, wie sie bei der Sanierung in den 1970er-Jahren wiederhergestellt wurden. Allerdings entbehrt diese Bauform wohl jeder Grundlage. Thon zufolge gibt es keinen Beleg, dass es solche Ecktürme gegeben hat. Er vermutet, dass diese auf den beiden Stichen aus dem 17. Jahrhundert aus optischen Gründen nach Vorbild der Diezer Grafenburg angefügt wurden. Der heute so markante Bergfried übrigens ist nicht der älteste Turm der Burg. Als Erstes wurde im 12. Jahrhundert ein Bergfried errichtet, der heute nur noch als Stumpf an der östlichen Schmalseite zu erkennen ist. Der mächtige Bergfried an der westlichen Seite entstand erst nach der ersten Familienteilung, also in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

    Im Zuge der jüngsten Untersuchungen wurde im Bergfried ein Raum neu entdeckt, der über einen Kamin und eine Abortnische verfügt. „Dieser Turmraum ist der einzige, der noch komplett die alte Bausubstanz aufweist“, sagt Thon. „Das ist originales Mittelalter und sollte konserviert und der Öffentlichkeit gezeigt werden.“

    „Burg Nassau über Nassau“ lautet der Titel des Kurzführers Nr. 17, den die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz nun veröffentlicht hat. Das 24 Seiten starke Heft ist im Verlag Schnell und Steiner erschienen. Es kostet 3 Euro und ist in Deutsch, Englisch und Niederländisch erhältlich. Der Band im Format 12 mal 17 Zentimeter ist bei der GDKE und im Buchhandel zu erwerben, ISBN der deutschen Ausgabe: 978-3-7954-7109-5.

    Von unserem Redakteur Carlo Rosenkranz

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