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Braubach

Kissen für Krebspatientinnen: Seit sieben Jahren von ganzem Herzen engagiert

Keine Spur von verflixtem siebtem Jahr. Im Gegenteil, pünktlich zu ihrem kleinen Jubiläum haben sich diese engagierten Damen hier neben einem neuen Logo und Info-Flyer vor allem auch einen schlagkräftigen neuen Namen verpasst: Statt wie bisher „Herzkissen Koblenz“ heißt die Gruppe jetzt „Herzkissen Rhein-Mosel-Lahn“ – was hieb- und stichfest belegt: Hier ist man aufs Wachsen und Expandieren statt aufs Stagnieren und Vor-Sich-Hin-Wursteln gepolt.

Auch sieben Jahre nach dem ersten Treffen sind rund 20 Gruppenmitglieder in Braubach zusammengekommen, um die bunten, herzförmigen Kissen anzufertigen. Das freut auch Initiatorin Alexandra Weber (Mitte) und VG-Bürgermeister Werner Groß (rechts).  Foto: Ulrike Bletzer
Auch sieben Jahre nach dem ersten Treffen sind rund 20 Gruppenmitglieder in Braubach zusammengekommen, um die bunten, herzförmigen Kissen anzufertigen. Das freut auch Initiatorin Alexandra Weber (Mitte) und VG-Bürgermeister Werner Groß (rechts).
Foto: Ulrike Bletzer

„Wir beliefern inzwischen neun Krankenhäuser und Gruppen in der Region mit unseren Herzkissen“, berichtet Alexandra Weber, Initiatorin und „Chefin“ der ehrenamtlich tätigen Gruppe, die sich etwa sieben bis zwölf Mal im Jahr im Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung Loreley in Braubach zum gemeinsamen Nähen und Werkeln trifft, viele Arbeiten aber durchaus auch zu Hause erledigt.

Herzkissen? Vor rund zwölf Jahren war es, als die dänische Krankenschwester Nancy Friis-Jensen die Idee von einem Kongress in den USA nach Europa mitbrachte. Das Besondere an den herzförmigen, mit leicht überdimensionierten „Ohren“ ausgestatteten Kissen: Unter die Achsel geklemmt, lindern sie bei Brustkrebspatientinnen den Operationsdruckschmerz. Um weit mehr als nur einen netten „Tüddelkram“, genauer: um eine ernst zu nehmende medizinische Wirkung geht es hier also. Inhalt des inzwischen in sehr vielen Ländern angekommenen „Heart Pillow Project“, des „Herzkissen-Projektes“, ist es, Brustkrebspatientinnen mit selbst genähten Kissen zu beschenken – was wiederum beweist, dass es hier eben auch um die symbolische, emotionale Bedeutung geht. Herzkissen, so die Botschaft, zeigen den betroffenen Frauen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind.

Doch zurück in den Braubacher Sitzungssaal: Auch heute, sieben Jahre nach dem ersten Treffen, sind dort rund 20 Gruppenmitglieder zusammengekommen, stopfen Füllmaterial in die bunten, herzförmigen Kissenhüllen, nähen sie zu – und blicken, wen überrascht es bei einem solchen Anlass, auf die Anfänge zurück. Der Mädchentreff habe sich damals, vor sieben Jahren, engagieren wollen und die Idee mit den Herzkissen gehabt, erzählt Alexandra Weber, die im „wirklichen Leben“ Jugendpflegerin der Verbandsgemeinde Loreley ist. „Ich bin mit zwölf Kissen zur Klinik Kemperhof nach Koblenz getuckert und erst einmal auf völliges Unverständnis gestoßen. Niemand konnte sich etwas darunter vorstellen. In den anderen Kliniken, in denen ich mein Glück versucht habe, war es auch nicht besser.“ Bis es dann doch noch „Klick“ gemacht hat: „Im Kemperhof fand sich schließlich eine Krankenschwester, die über das Projekt Bescheid wusste. Sie konnte den Chefarzt überzeugen, der anschließend 400 Herzkissen pro Jahr bei uns bestellt hat.“

Damit war der offizielle Startschuss für die Gruppe gefallen, die sich längst vom Mädchentreff gelöst hat, stetig gewachsen ist und inzwischen rund 50 ehrenamtliche Mitstreiterinnen und, vereinzelt, Mitstreiter im Alter von vier bis 80 Jahren zählt. Selbst von Brustkrebs betroffen sei zwar nur ein Gruppenmitglied, erzählen die Frauen: „Aber wir sind vom Thema betroffen und möchten unsere Solidarität zeigen. Schließlich kann es jede treffen.“ Zum Hintergrund: Brustkrebs ist das häufigste Krebsleiden bei Frauen, etwa jede achte Frau erkrankt daran.

„Auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister Werner Groß hat uns von Anfang an sehr unterstützt“, sagt Alexandra Weber – was dieser allerdings entschieden von sich weist. „Als die Alex mit der Idee auf mich zugekommen ist, habe ich nur gesagt: ‚Dann mach‘“, erzählt Groß. „Ansonsten ging es ja nur darum, die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.“ Allerdings: 2014 hat Groß die Aktion für den mit 5000 Euro dotierten Ehrenamtspreis der GVV-Kommunalversicherung vorgeschlagen, den sie auch auf Anhieb bekam. „Mit dem Geld hatten wir ein Superfundament zum Weitermachen“, freut sich Alexandra Weber.

Mehr als 6000 Herzkissen, die die Gruppe auf Anfrage an die Kooperationspartner liefert, sind in den zurückliegenden sieben Jahren entstanden. Eine imposante, aber auch eine sehr bedrückende Zahl, wie Heike Fischbach, ebenfalls eine „Frau der ersten Stunde“, findet. „Es ist traurig, dass wir so viele Kissen brauchen“, sagt sie. „Aber trotzdem macht es Spaß – vor allem wegen der Hilfe, die man damit zum Ausdruck bringen kann.“ Sich für andere einsetzen, etwas Sinnvolles tun – das sei auch ihre Motivation, um hier mitzumachen, erklärt Hildegard Kraemer, die seit fünf Jahren mit von der Partie ist. Und natürlich bietet auch die positive Rückmeldung, die Dankbarkeit der Frauen, die ein Herzkissen bekommen haben, einen großen Ansporn.

Viele zusätzliche Ideen sind im Lauf der Jahre entstanden. So gibt es zu jedem großen auch ein kleines, Verbundenheit signalisierendes Herz, das man an Partner, Kinder oder Freunde weitergeben kann. Einkaufstaschen, Autogurtherzen, Dankeschönherzen für Spender und Ergobälle, um die Stoffreste zu verwerten – an Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Oder wie Werner Groß es formuliert: „Die Herzkissen Rhein-Mosel-Lahn sind der beste Beweis dafür, dass die Menschen im Ehrenamt mitmachen, wenn sie sehen, dass sie etwas damit bewegen können.“

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

Kooperationspartner, Gruppentreffen und mehr

Die Herzkissen Rhein-Mosel-Lahn beliefern zurzeit folgende Kooperationspartner, die die Kissen an betroffene Frauen weitergeben:

Klinik Kemperhof Koblenz, Klinik St. Elisabeth Mayen, Klinik Marienhof Koblenz, St.-Elisabeth-Krankenhaus Lahnstein, DRK-Krankenhaus Neuwied, Marienhaus-Klinikum St. Elisabeth Neuwied, Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich, Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs Koblenz und CJD-Berufsförderungswerk Koblenz-Vallendar.

Die nächsten Gruppentreffen finden jeweils von 9.30 bis 14.30 Uhr am Samstag, 28. April, Sonntag, 17. Juni, Sonntag, 23. September, und Samstag, 17. November, im Sitzungssaal der VG-Verwaltung, Friedrichstraße 12, in Braubach statt. Neue Mitstreiter sind herzlich willkommen. Info und Kontakt: Alexandra Weber, Telefon 0175/721 72 14, E-Mail HerzkissenRheinMoselLahn@web.de, Internet: HerzkissenRheinMoselLahn.blogspot.de ubl

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