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Bad Ems

Karneval: Prinz Freddy I. regiert demnächst die Kurstadt

Wie gut, dass der Strandbetrieb in den Wintermonaten nicht ganz so intensiv ist. Das ermöglicht es dem designierten Herrscher der Kurstadt, ungestörter seinen Prinzen-Pflichten nachzugehen. Ahnen Sie es bereits? Nein, Frank Puchtler ist es nicht, auch wenn der pro forma noch amtierende Regent Prinz Willi 2.0 den Landrat mehrfach lautstark als seinen Nachfolger bezeichnete.

Der Präsident der Emser Karnevals-Gesellschaft, Frank Ackermann (links), und Vizepräsidentin Andrea Ziob (rechts) mit den beiden neuen Senatoren Hotte (Horst Leder) und Roger Lewentz  Fotos: Ulrike Bletzer
Der Präsident der Emser Karnevals-Gesellschaft, Frank Ackermann (links), und Vizepräsidentin Andrea Ziob (rechts) mit den beiden neuen Senatoren Hotte (Horst Leder) und Roger Lewentz Fotos: Ulrike Bletzer
Foto: Ulrike Bletzer

Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten, schließlich will so eine Tollitäten-Vorstellung gebührend zelebriert sein. Dies weiß niemand besser als die Emser Karnevalsgesellschaft (EKG) selbst, die der mit Spannung erwarteten Bekanntgabe ein gut zweistündiges, abwechslungsreiches Programm vorausschickte. So schwärmte Prinz Willi 2.0 erst einmal von der „phänomenalen“ Kampagneneröffnung um 11.11 Uhr auf dem Koblenzer Münzplatz, bevor er den Bad Emser Narren für die ebenso phänomenale Session 2016/2017 dankte und gemeinsam mit seinen drei Engeln Ildiko, Laura und Nadine ein vermutlich letztes Mal das Prinzenlied anstimmte.

Prinz Freddy I. mit den Beach-Girls (von links) Jana, Jacky und Jovana.
Prinz Freddy I. mit den Beach-Girls (von links) Jana, Jacky und Jovana.
Foto: Ulrike Bletzer

Und die Kampagneneröffnung im Gasthaus Alt Ems hatte noch mehr Ex-Prinzen auf Lager. Fritz Bingel zum Beispiel, der in den Jahren 1987 und 1988 gleich zwei Mal das Zepter ergriff, traditionsgemäß mit dem Vereinslied ins musikalische Geschehen einstieg – und damit zielsicher für die erste Schunkelrunde sorgte. Tosenden Beifall provozierten auch die Tänze: Die Kinder- und Jugendgarde der EKG und Lucia Stecher, die an diesem Abend mit Bravour ihre Feuertaufe als Solotanzmariechen bestand, begeisterten mit ihren akkuraten Darbietungen ebenso wie die Viktoriagarde, die den offiziellen Teil des Abends abschloss.

Dann wurde es erstmals amtlich: Die Verkündigung der beiden neuen Senatoren stand auf dem Programm. EKG-Präsident Frank Ackermann machte es wie immer spannend, warf den Zuhörern ein paar Brocken wie „Gebürtiger Berliner“, „Wahl-Bad-Emser seit 30 Jahren“ oder „Auf dem Papier Jahrgang 1936, gefühlt aber höchstens 1950“ hin, bevor er auf den Punkt kam: Horst Leder alias Hotte, seit 26 Jahren EKG-Mitglied, 2013 Emser Prinz und als Prinzen-Burgherr von Hottes Stadl in der Römerstraße Gastgeber zahlreicher Kollegen, wurde diese hohe Auszeichnung zuteil.

Und der zweite Senator? Auch der kann eine ausgeprägte karnevalistische Vergangenheit vorweisen, wurde unter anderem vom Niederlahnsteiner Carneval mit dem Orden Humoris Causa dekoriert und von den Rheinischen Karnevals-Korporationen zum Goldenen Narren ernannt. Die Emser Senatorenwürde erhalte er für seine zahlreichen Ehrenämter, betonte Frank Ackermann und zählte auf: „Mitbegründer einer privaten Hilfsorganisation für rumänische Kinder- und Waisenheime, Schirmherr der Friedenskinder Koblenz, Vorsitzender der Fritz-Walter-Stiftung, Vorstandsmitglied der Stiftung Sporthilfe Rheinland-Pfalz und nicht zuletzt zwölf Jahre lang Kamp-Bornhofener Ortsbürgermeister.“ Na, dämmert’s? Richtig, auch den amtierenden rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz hat die EKG in ihr ehrwürdiges Gremium aufgenommen.

Logisch, dass sich die beiden frischgebackenen Senatoren sichtlich über ihren neuen Status freuten. Während Hotte in Erinnerungen schwelgte und an die Jüngeren appellierte („Unterstützt uns Ältere. Seid mit dem Herzen dabei, und bleibt vor allem der EKG treu.“), ging Roger Lewentz auf die Bedeutung des Ehrenamts ein: „Es ist das Salz in der Suppe des Karnevals“, sagte er. Mehr noch: Eine Gesellschaft ohne Ehrenamt könne man sich gar nicht vorstellen, betonte der Politiker, der sich dafür entschuldigte, gleich nach Ende des offiziellen Programms nach Hause zu gehen: „Ich wollte heute eigentlich zusammen mit meiner Frau ein Glas Wein trinken. Jetzt wird es etwas später, aber dafür komme ich als Senator heim.“

Stadtbürgermeister Berny Abt und Landrat Frank Puchtler entrichteten noch Grußworte, dann bereiteten die EKG-Urgesteine Chris Ellis („Zigeunerwagen“) und Fritz Bingel („My Way“), die neben Alleinunterhalter Klaus Weber musikalisch im Einsatz waren, das Narrenvolk auf das weitere Geschehen vor. Hier wären zum einen die Ehrungen zu nennen, die EKG-Vizepräsidentin Andrea Ziob für die 11- bis 44-jährige Mitgliedschaft in der Karnevalsgesellschaft vornahm (siehe Kasten). Zum anderen hieß es nun Farbe bekennen: Frederick Czopowski, so rückte Frank Ackermann endlich mit der Sprache heraus, wird als Prinz Freddy I. ab dem 14. Januar die Kurstadt regieren. Dass er als Betreiber des Hotels Stadt Coblenz und des Camping-Beachclubs aus Fachbach kommt, konnte sein Vorgänger natürlich nicht unkommentiert lassen: „Zweimal hintereinander Fachbach, das muss für Bad Ems einfach ein Erfolg werden“, zeigte sich Willi 2.0 überzeugt, bevor Freddy I. die Narrenschar in gereimter Form begrüßte und glaubwürdig verkündete, schon als Kind habe er Emser Karnevalsprinz werden wollen. Gemeinsam ist den beiden nicht nur der Wohnort, sondern auch der – nicht ganz wörtlich zu nehmende – Hang zur Polygamie: Waren es bei Willi noch drei Engel, so begibt sich die Session 2017/2018 aus den Himmelshöhen auf das Grenzgebiet zwischen Erde und Wasser hinab: Neben Hofkanzler Frank Spiegel werden die drei Beach-Girls Jana Frey, Jovana Pollack und Jacky Pollack den Prinzen durch die Narretei begleiten. Bleibt nur die Frage, ob Frank Puchtler in der Session 2018/2019 Emser Prinz wird. „Mal schauen“, antwortet er.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

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