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Kamp-Bornhofen

Infrastruktur: Schäden an K 103 sorgen seit Mai 2016 für Unmut

Mira Müller

Die Burgenstraße in Kamp-Bornhofen (K 103) ist seit acht Monaten teilweise nur einspurig befahrbar. Es scheint fast, als wäre die Baustelle in Vergessenheit. Doch das größte Problem ist die Frage nach der Zuständigkeit, wer die Schäden beheben muss.

Das Drama begann am 30. Mai 2016: Erst senkten sich in der Burgenstraße in Kamp-Bornhofen (K 103) nur zwei Pflastersteine zwischen einem Wohnhaus und dem Hotel Landhaus Sonnenhang ab, dann brach eine rund 40 Quadratmeter große Fläche einfach weg. Den starken Unwettern im Frühling vergangenen Jahres konnte der in diesem Bereich verrohrte Bornhofer Bach nicht mehr standhalten und unterspülte offenbar die Straße in diesem Bereich. Acht Wochen später bemerkten Anwohner am späten Abend, dass sich oberhalb des Gastronomiebetriebs ein Teil der Parkfläche und der K 103 abgesenkt hatte. Seitdem sind die Parkfläche in diesem Bereich und eine Seite der K 103 gesperrt – und das seit sechs beziehungsweise acht Monaten. Das große Problem scheint die Zuständigkeit, wer für die Schäden aufkommt. Behörden stufen dafür alle Gewässer ein. Zur ersten Ordnung gehören Bundeswasserstraßen wie der Rhein. Landesbehörden legen darüber hinaus fest, welche Gewässer zur zweiten Ordnung gehören (etwa die Aar). Alle weiteren Bäche sind Gewässer dritter Ordnung, für die die Verbandsgemeinden zuständig sind.

Viele Eigentümer

Laut einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts gilt diese Regelung jedoch nur für offen fließende Gewässer. Sobald ein Bach überbaut wurde und nur unterirdisch durch Rohre und Kanäle läuft, liegt die Verantwortung beim jeweiligen Grundstückseigentümer. Das heißt, die Eigentümer müssen selbst für die Kosten aufkommen. Daraus ergibt sich für den Bornhofer Bach folgendes Szenario: Vom Ortseingang von Dahlheim kommend, beginnt die Verrohrung und fließt unter Parkplätzen der Gemeinde hindurch: Zuständigkeit Ortsgemeinde Kamp-Bornhofen. An der Stelle, wo das erste Loch in der Straße klafft, liegt die Zuständigkeit wohl bei der Ortsgemeinde und dem Landkreis, weil dort der Bach teilweise unter der K 103 verläuft. Weiter führt der Bach unter dem Anwesen Landhaus Sonnenhang hindurch und mündet in der zweiten Baustelle. Zuständigkeit: Eigentümer des Landhauses. Obwohl auch hier die Verrohrung nicht mehr zu erkennen ist, strömt in diesem Loch Wasser talwärts. Dann führt der Bach quer unter der Straße hindurch – Zuständigkeit: Kreis – und führt dann unterirdisch unter dem Anwesen des Gartenhotels Schreiner weiter. Dort liegt die Zuständigkeit laut dem Urteil wieder im privaten Bereich. Bis der Bach in den Rhein mündet, fließt er noch unter der Pilgerhalle und der Wallfahrtskirche hindurch. Dort ist das Bistum Limburg verantwortlich. Außerdem fließt er unter der Bahnstrecke und der B 42 hindurch.

Die vielen unterschiedlichen Zuständigkeiten haben die Abwicklung der Sanierung nicht leicht gemacht. Dazu gesellen sich jedoch noch weitere Probleme: Im Bereich der ersten Baustelle von oben kommend, ist eine Stützmauer weggebrochen. Das legt die Vermutung nahe, dass die Schäden, die unterhalb des ersten Lochs entstanden sind, als Folge des mitgeführten Gerölls entstanden sein könnten. „Die Bachverrohrung stammt noch aus dem 17. Jahrhundert und ist aus Bruchsteinmauern gebaut“, erzählt Ortsbürgermeister Frank Kalkofen, „der obere Teil sowie der Bereich zwischen dem Landhaus Sonnenhang und Gartenhotel Schreiner ist darüber hinaus in den 70er-Jahren verrohrt worden. Es ist erstaunlich, dass die alten Bruchsteinmauern das Unwetter wohl nahezu schadlos überstanden haben, die neue Verrohrung aber nicht.“

Anliegerversammlung im Herbst

Im Herbst vergangenen Jahres hat die Verbandsgemeindeverwaltung eine Zuschussbewilligung des Landes erhalten, um die Schäden am verrohrten Bachverlauf zu beseitigen. Bei einer Anliegerversammlung im November sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Verbandsgemeinde bei der Durchführung der Sanierungsmaßnahmen das Heft in der Hand habe und das Geld im Anschluss von den Grundstückseigentümern zurückfordern muss, sagte Kalkofen im Gespräch mit unserer Zeitung. „Damit ist die Verbandsgemeinde im Zugzwang.“ Nach Ansicht von Kalkofen muss nun Folgendes geschehen: Als Erstes muss festgestellt werden, wo überall Schäden aufgetreten sind. Dann muss die Frage geklärt werden, ob und wie man es reparieren kann. „Es bringt keinen weiter, dass jeder Beteiligte seine Schäden einzeln beseitigt“, ist Kalkofen überzeugt. Und in einem dritten Schritt müssen die Kosten für die einzelnen Grundstückseigentümer geklärt werden. „Erst wenn das geklärt ist, kann vonseiten der Ortsgemeinde Geld zur Behebung der Schäden in ihrem Zuständigkeitsbereich in einen Nachtragshaushalt eingestellt werden“, sagt Kalkofen.

Vom Gefühl spiele die Zeit gegen ein längeres Aufschieben der Sanierungsarbeiten. „Das Wasser hat sich einen neuen Weg gesucht. Was ist, wenn weitere Stellen mittlerweile unterspült sind?“, fragt sich Kalkofen. „Und was passiert bei einem weiteren starken Unwetter?“

Groß: Rechtslage war unklar

Grundsätzlich sehen das VG-Bürgermeister Werner Groß und Bauamtsleiter Ewald Gabel genauso. Gleichzeitig bitten sie aber um Verständnis, dass sich die Verwaltung aufgrund der vielen Zuständigkeiten erst bei der Kommunalaufsicht absichern wollte, bevor sie das Heft in die Hand nimmt und die Aufträge abwickelt. Erst am Dienstag, so erklärten Groß und Gabel im Bauausschuss, sei die Bestätigung seitens der Kreisverwaltung eingegangen, dass die VG-Verwaltung starten kann. Nach Wiederherstellung der Verrohrung und Räumung müssen laut Ewald Gabel nur die Löcher aufgefüllt und die Straße wieder asphaltiert werden. Die Rohre bis zum Rhein reichten für die Wassermengen aus. Zu Problemen habe offensichtlich nur die Verstopfung durch das Geröll geführt.

Wie Kalkofen weiter informiert, kündigte Eva Schmerr vom Diözesanbauamt Limburg und Rhein-Lahn bei einem zweiten Treffen im Dezember 2016 im Kloster an, Nägel mit Köpfen zu machen. Bei einer vom Bistum initiierten Kamerabefahrung im Klosterbereich sei so viel Geröll in der Verrohrung gewesen, dass die Kamera nicht mehr weitergekommen sei.

Von Mira Müller und Andreas Jöckel

Bachsanierung kann für Grundstückseigentümer teuer werden

Ein rund 40 Quadratmeter großes Loch klafft unterhalb der Terrasse des Landhauses Sonnenhang. Am Abend des 30. Mai, als der Boden weggebrochen ist, mussten die Menschen in dem Wohnhaus unterhalb des Lochs sowie des Landhauses evakuiert werden.

Die Untersuchungen ergaben, dass keine weitere Gefahr besteht, und alle konnten zurückkehren. Doch dieses Ereignis hat für den Besitzer des Landhauses, Franz Josef Weber, Folgen. Denn seine Terrasse ist rund fünf Zentimeter abgesackt. Seitdem darf die Terrasse nicht mehr betreten werden. „Der Steuerberater hat errechnet, dass dies zu einem Umsatzausfall von 30.000 bis 40.000 Euro geführt hat“, erzählt Weber. Und noch mehr: Er ist zwar gegen Elementarschäden versichert, „nur die Versicherung will nichts davon wissen“ und weigere sich, für die Kosten aufzukommen. Die Versicherung habe aus Kulanz 25.000 Euro angeboten, er müsse sich aber innerhalb von fünf Tagen entscheiden. Weber lehnte das Angebot ab. Für die Bachsanierung müsse wahrscheinlich die Terrasse abgerissen werden, allein dies koste schon 68.000 Euro, recherchierte Weber. Erste Kostenschätzungen für die Bachsanierung liegen bei weiteren 135.000 Euro. „Ich habe die Hoffnung, dass der Kreis oder die Gemeinde die Kosten übernimmt, weil das Loch als Folgeschaden aus der eingestürzten Stützmauer entstanden ist.“ mkm

 

Weitere Schäden in der Verbandsgemeinde

Zu weiteren Schäden, die in der Verbandsgemeinde Loreley behoben werden müssen, zählen auch die Folgen des Bachüberlaufs in Sauerthal. Dort muss ein neues Einlaufbauwerk errichtet und die Verrohrung bis zum Tiefenbach verlegt werden. Das wird insgesamt rund 400.000 Euro kosten. Vom Land gibt es einen Zuschuss von 200.000 Euro. Träger der Maßnahme ist die Ortsgemeinde.

Die Verbandsgemeinde wird dies in deren Auftrag abwickeln und den erhaltenen Landeszuschuss weiterleiten. Vorher muss darüber jedoch der Gemeinderat Sauerthal in seiner Sitzung am 13. Februar entscheiden. Laut Bauamtsleiter Ewald Gabel können die Arbeiten dann ausgeschrieben werden. Die Dauer der Arbeiten wird ab dem Frühjahr auf rund sechs Monate geschätzt.

Auch bei den Schäden in Kaub am Volkenbach und im Blüchertal ist die Stadt für die Schadensbehebung zuständig. Die genaue Vorgehensweise muss laut VG-Bürgermeister Werner Groß deshalb noch mit Stadtbürgermeister und Rat abgestimmt werden.

Für die Schäden am Tennisplatz in Wellmich ist die Stadt St. Goarshausen als Eigentümerin zuständig. Das Vereinsheim kann stehen bleiben. Da der beschädigte dritte Platz vom Verein nicht mehr benötigt wird, könnte auf der Fläche beispielsweise ein naturnaher Spielplatz angelegt werden. aj

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