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    LahnsteinHeinz-Erhardt-Revue trifft ins Schwarze

    Keine Frage: Die Entscheidung, die Open-Air-Inszenierungen der Städtischen Bühne nicht wie gewohnt in der lauten Lahnsteiner Innenstadt zu spielen, sondern an die Lahnmündung zu verlagern, war eine sehr kluge. Im Schatten der Johanniskirche und satter Kastanienbäume rauscht statt des Stadtverkehrs nur der Rhein vorbei und bietet am Donnerstagabend eine sommerliche Kulisse für ein Best-of der beliebten „Heinz Erhardt Revue“.

    Open-Air-Theater, wie es am schönsten ist: Unterhalb der Johanniskirche an der Lahnmündung zeigt die Städtische Bühne Lahnstein ein Best-of der beliebten „Heinz-Erhardt-Revue“.
    Open-Air-Theater, wie es am schönsten ist: Unterhalb der Johanniskirche an der Lahnmündung zeigt die Städtische Bühne Lahnstein ein Best-of der beliebten „Heinz-Erhardt-Revue“.
    Foto: Marta Fröhlich

    Das Bibbern ums Wetter hat sich gelohnt. Manch einer aus dem Lahnsteiner Theaterteam hat sicherlich ein Stoßgebet zu Petrus hochgeschickt, dass das unstete Wetter der vergangenen Wochen sich zum Positiven wende. Und die Gebete wurden erhört. Allein ein paar Schleierwölkchen zieren schüchtern den Himmel, als Karl Krämer an der Seite seiner Begleitung Silva Heil auf den Kirchenvorplatz tritt und rund 130 Zuschauer mit einem Ständchen begrüßt. Pianist Ulrich Cleves schwingt Pferdeschwanz und Frack zum Flügel und lässt die Finger zum 60er-Jahre-Hit „Drei in einem Boot“ über die Tasten eilen. Der ein oder andere im Publikum summt bereits leise mit. Munter singen sich Krämer und sein Fräulein Silva durch ausgesuchte Hits, mit lässigem „Dubidubidumdum“ und Fingerschnippen lässt Krämer die Füße seines Publikums wippen, während sein „immanenter Tastenhengst“ Cleves aus der zweiten Reihe mitmischt.

    Die unbestrittenen Höhepunkte der Show, die sich aus dem Besten der Revues der vergangenen Jahre zusammensetzt, sind jedoch – wie sollte es bei Erhardt anders sein – die Gedichte. Allen voran die berühmte „Made“, deren Verse kaum einer auf der Zuschauertribüne nicht mitsprechen kann. Wer sich nicht an das Gedicht erinnert, dem hilft Krämer geschickt auf die Sprünge. Einmal mehr zeigt sich, welch großer Wortakrobat Heinz Erhardt war. Aus der Feder des Hamburgers stammen unendlich viele Zeilen voller Wortwitz und virtuoser Reimkunst, verdichtet in einer eineinhalbstündigen Revue des Lahnsteiner Ensembles, die dem Publikum hohe Konzentration abverlangt. Lauscher auf ist die Devise, um wirklich jeden Gag auskosten zu können. Denn Krämer hält gekonnt das Tempo seines Vorbildes, fetzt mit Vollgas durch die Verse, kleine Verhaspelungen werden mit amüsanten Zungenspielen wieder in die Spur gebracht. Herrlich mit anzusehen.

    Schauspieler Karl Krämer beweist wieder einmal, dass der Hamburger Komiker seine Paraderolle ist.
    Schauspieler Karl Krämer beweist wieder einmal, dass der Hamburger Komiker seine Paraderolle ist.
    Foto: Marta Fröhlich

    Zur hohen Gagdichte kommt auch noch die unglaubliche Mimik und Gestik Krämers hinzu, der das Original Heinz Erhardt offensichtlich bis in die Haarspitzen studiert hat. Vom piefigen übergroßen Anzug mit Ellenbogenflicken bis zu Fliege, Pullunder und güldenen Manschettenknöpfen – jedes Detail sitzt. Jeder Griff ins schütter gescheitelte Haar, jedes Verziehen des Kiefers, jedes Hinken lassen den Komiker wiederaufleben.

    Vor allem in den kleinen Frotzeleien mit dem kecken Fräulein Silva läuft Krämer in seiner Paraderolle zur Höchstform auf. Während seine Gegenspielerin adrett ihre Hüften unterm Petticoat übers Kopfsteinpflaster schaukelt, ihm einen verführerischen Blick über die Schulter zuwirft, umgarnt Krämer sie mit Worten, um doch zielsicher den nächsten Fettnapf zu erwischen. Die Strafe folgt zugleich in Form eines vernichtenden Augenrollens unter den falschen Wimpern. Doch nicht nur im Spiel mit Krämer zeigt Darstellerin Heil ihr Talent für die Komik der kleinen Gesten, auch in den dargebotenen Liedern zieht sie – ob solo oder als Backgroundstimme – die Aufmerksamkeit auf sich. Umrahmt von einer zum Stück gehörenden Zuschauerrunde, in der sich bekannte Gesichter aus der Koblenz/Lahnsteiner Theaterszene blicken lassen und in Nebenrollen zur Erheiterung beitragen, bringt Ulrike Krapp, zuständig für die Inszenierung, ein kurzweiliges Stück aufs Pflaster, das nicht nur die älteren Zuschauer in Erinnerungen schwelgen lässt. Erhardts Humor scheint noch immer aktuell, auch die Jüngeren im Publikum danken dem Ensemble mit Applaus im Stehen, fordern Zugaben und zitieren noch auf dem Weg zum Auto Zeilen des berühmten Komikers.

    Die Revue wird am Donnerstag, 20. Juli, erneut gespielt. Karten gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse.

    Von unserer Reporterin Marta Fröhlich

    Die Besetzung

    Seit Herbst 2012 spielt das Ensemble der Städtischen Bühne Lahnstein in unveränderter Besetzung die „Heinz-Erhardt-Revue“.

    Es spielen mit:

    Karl Krämer als Heinz Erhardt,

    Silva Heil als Fräulein Silva

    und Ulrich Cleves am Klavier;

    Inszenierung: Ulrike Krapp.

    Bad Ems Lahnstein
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