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Gesellschafter weisen Vorwürfe zurück

Katrin und Christian Schwarz haben als Vertreter der Gesellschafter von Zschimmer & Schwarz folgende Stellungnahme zum Erwerb der Flesch-Werke AG abgegeben: "So sehr wir die Verfolgung von jüdischen Firmeninhabern im Dritten Reich bedauern, ist die Frage, ob der Erwerb der Flesch-Werke AG 1939 korrekt verlaufen ist, mit einem Gerichtsprozess Anfang der 1950er-Jahre abschließend und eindeutig geklärt worden.

Die Flesch-Werke AG wiesen seit Anbeginn ihrer Tätigkeit Verluste aus, die sich über die Jahre aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, verfehlten Investitionen und insbesondere einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Firma Böhme über Patente erheblich erhöhten. Bereits vor der Machtergreifung gab Herbert Flesch zu, dass sich das Unternehmen in dramatischen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet, wie sich aus den Hauptversammlungsprotokollen entnehmen lässt. Auch sind nachvollziehbare Wertgutachten über das Unternehmen von einem Wirtschaftsprüfer vorhanden, der sich selber kritisch über das nationalsozialistische System äußert. Sie belegen ebenso die schlechte Lage des Unternehmens.

Die Aktien der Flesch-Werke AG waren schon 1926 von einem Bankenkonsortium als Sicherheit für Kredite verpfändet worden. Nach mehreren Restrukturierungsversuchen entschlossen sich die Hauptkreditgeber, die niederländische Bank Hollandsche Bank Unie NV. und das Londoner Bankhaus J. Henry Schröder & Co, im September 1937, das Konkursverfahren einzuleiten und die Aktien öffentlich versteigern zu lassen. Im Rahmen dieser ordnungsgemäßen öffentlichen Versteigerung war zunächst das Berliner Bankhaus Hardy & Co Käufer, das jedoch wenig später die Aktien an Carl Goetz, Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Bank, und Staatsrat Otto Eberhardt weiter veräußerte.

Im Jahr 1939 kaufte Zschimmer & Schwarz, Chemnitz, die Aktien der Flesch-Werke AG in Oberlahnstein von Carl Goetz und den Nachkommen des inzwischen verstorbenen Staatsrats Eberhardt. Zwei ehemalige Gesellschafter haben Anfang der 1950er-Jahre vor dem Landgericht Koblenz Klage eingereicht und verlangt, dass die Versteigerung der Aktien der Flesch-Werke für nichtig erklärt werden sollte. Die Klage wurde vom Gericht abgewiesen mit der Begründung, dass die Versteigerung durch die Kreditgeber rechtmäßig gewesen sei. Zudem stellte das Gericht fest, dass wirtschaftliche Gründe für den Verlust des Eigentums ausschlaggebend waren und nicht die politische Verfolgung der Familie Flesch. Dieses Urteil wurde von dem französischen Obergericht für Rückerstattungssachen in letzter Instanz bestätigt.

Damit bestätigten die Gerichte unsere Auffassung, dass der Verkauf des Unternehmens ausschließlich wirtschaftliche Gründe hatte. Ein wichtiger Zeitzeuge stützt ebenfalls diese Einschätzung: Der jüdische Rechtsanwalt Hans Jeidels, Syndikus der Dresdner Bank in Frankfurt bis 1937, der ein Jahr später aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung das Land verlassen musste, legte eindeutig dar, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten für den Konkurs und die Versteigerung verantwortlich waren. 1947 schreibt er an Zschimmer & Schwarz hierzu: "Der Übergang der Flesch-Werke AG auf Ihre Gesellschaft hatte nichts mit der Arisierung zu tun und war in keiner Weise politischer Natur. Dass die Herren Flesch die Aktien bzw. das Unternehmen nicht halten konnten, war bereits im Frühjahr 1932 unzweifelhaft."

Bad Ems Lahnstein
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