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Mudershausen

Fledermäuse gehen Naturschützern ins Netz – Experten sammeln Informationen

Bei einer nächtlichen Fangaktion im Taunus untersuchen und registrieren Experten Fledermäuse. Die Rhein-Zeitung hat einen Fledermausexperten bei seiner Arbeit begleitet.

Andreas Kiefer (rechts) vom Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz hat ein Tierchen aus dem Fangnetz befreit. Der Nabu-Experte misst und wiegt den Nachtschwärmer, beringt ihn und entlässt ihn dann wieder in die Freiheit. Links sein Kollege Rolf Klenk. Fotos: SGD Nord/dpa
Andreas Kiefer (rechts) vom Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz hat ein Tierchen aus dem Fangnetz befreit. Der Nabu-Experte misst und wiegt den Nachtschwärmer, beringt ihn und entlässt ihn dann wieder in die Freiheit. Links sein Kollege Rolf Klenk. Fotos: SGD Nord/dpa

Von unserem Chefreporter Markus Kratzer

Punkt 21.13 Uhr schnappt die "Falle" erstmals zu. Die "Falle" – das ist ein engmaschiges Nylonnetz, die "Beute" ist eine Braune Langohrfledermaus, die Andreas Kiefer mit ein paar gekonnten Griffen befreit und in seine rechte Hand hinabgleiten lässt. Andreas Kiefer führt nichts Böses im Schilde. Der Fledermausexperte im Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz ist an diesem Abend in ein Waldstück bei Mudershausen (Verbandsgemeinde Hahnstätten) gekommen, um bei einer Netzfangaktion wichtige Informationen über die heimischen Fledermäuse zu sammeln.

Fledermäuse werden auch auf körperliche Schäden untersucht.
Fledermäuse werden auch auf körperliche Schäden untersucht.
Foto: dpa

23 verschiedene Arten gibt es in Deutschland, die meisten davon kommen auch in Rheinland-Pfalz vor. In dieser Taunusregion sind 17 Arten zu Hause, wie Rolf Klenk von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor) zu berichten weiß. Zusammen mit Kiefer arbeitet er im Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz mit. Beide haben sich zu dieser nächtlichen Aktion vor einem stillgelegten Stollen verabredet, durch den früher Kalkstein abtransportiert wurde und der heute von bis zu 100 nächtlichen Himmelsstürmern aufgesucht wird.

Viel Geduld erforderlich

Wer Fledermäuse beobachten und einfangen will, muss ausgeschlafen sein und braucht mitunter viel Geduld. "Eigentlich ist es für eine solche Fangaktion noch zu früh. Im September wäre die bessere Zeit", erklärt Klenk. Denn der Fledermaus-Kalender ist klar strukturiert. Nach dem Winterschlaf, der von Oktober bis März oder April dauert, bringen die Weibchen im Frühjahr in sogenannten Wochenstuben ein bis zwei Junge zur Welt. Nachdem diese im Juli und August die reinen Frauenherbergen verlassen haben, beginnt im Frühherbst ein neuerliches Paarungsritual. Und es ist genau dieser "Liebesrausch", in dem die Tierchen ihr Ortungssystem ausschalten und sich im Netz verfangen, wie Kreisbetreuer Klenk zu berichten weiß.

Genau wie das Braune Langohr, das nach erfolgreichem nächtlichem Beutezug (bevorzugt ernähren sie sich von Nachtfaltern) in der Hand von Andreas Kiefer gelandet ist. Was nun folgt, hat viel mit Routine zu tun. Das Tier kommt in ein Stoffsäckchen, in dem es sich erst einmal beruhigt. Darin wird es gewogen, wieder herausgeholt, mit einer Schieblehre vermessen und auch einem optischen Check unterzogen. Im konkreten Fall kommen folgende Angaben zu Papier: männlich, ausgewachsen, 7,5 Gramm schwer, Unterarm 38,5 Millimeter, Daumen 7,9 Millimeter, Kralle 3,2 Millimeter, keine Auffälligkeiten. Die Fledermaus wird, bevor sie sich wieder in die Lüfte aufschwingen kann, mit einem kleinen Metallring samt Code gekennzeichnet, dessen Daten später bei der Beringungszentrale am Forschungsmuseum Koenig in Bonn abgerufen werden können.

Mit im Boot bei dieser Netzfangaktion ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz, die als Obere Naturschutzbehörde jährlich zwischen 60 000 und 80 000 Euro in den Fledermausschutz in Rheinland-Pfalz investiert. "Wir haben eine große Verantwortung für Fledermäuse, die auch nach EU-Recht einen sehr hohen Schutz genießen", erläutert Präsident Ulrich Kleemann. Er räumt aber auch ein, dass es neben den finanziellen Zuwendungen unerlässlich ist, dass sich Ehrenamtliche über das ganze Jahr für das Wohl der Tiere einsetzen.

Denn viele der heimischen Fledermausarten gelten als bedroht, wie etwa die Bechsteinfledermaus, von denen sich gegen 22.33 Uhr zwei männliche Exemplare im Netz verfangen. "Das ist quasi der Rotmilan unter den Fledermäusen", veranschaulicht Andreas Kiefer den Grad der Gefährdung. Um so wichtiger, dass der Arbeitskreis Fledermausschutz regelmäßig Daten über Arten und Population sammelt. Bei den beiden "Gästen" handelt es sich zwar um gut genährte Fluggenossen, einem fehlt allerdings ein Stück vom Ohr, der andere weist eine Bisswunde auf. "Hier hat es sicher einen Kampf mit einem Weibchen gegeben", so die Diagnose von Kiefer.

Gefahr durch Pestizide

Aber mit welchen Feinden haben die Fledertiere ansonsten zu kämpfen? "Viele Arten sind durch Pestizide und Insektizide ausgestorben. Eine weitere Gefahr lauert in Balken etwa von Kirchen, wenn diese Giftstoffe enthalten", erläutert Rolf Klenk und macht deutlich, dass die Arbeit der Naturschützer weit über Nachtfangaktionen, das Einsammeln von Fledermauskot oder über Vorträge und Exkursionen hinausreicht.

Als er und Andreas Kiefer gegen 1 Uhr den Platz vor dem Stollen im FFH-Gebiet "Taunuswälder" verlassen, sind ihnen insgesamt 19 Tiere ins Netz gegangen, neben dem Braunen Langohr und der Bechstein- auch noch die Wasserfledermaus. Insgesamt fällt das Fazit der Experten positiv aus: "Die überwiegend ausgewachsenen männlichen Tiere wiesen einen guten Gesundheitszustand auf."

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