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Nastätten

Einzelhandel in Nastätten: Stadtrat beschließt Konzept

Cordula Sailer

Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung das Einzelhandelskonzept für die Stadt Nastätten verabschiedet. „Wir haben uns lange und intensiv damit beschäftigt“, betont der Beigeordnete Marco Ludwig. Über das Konzept soll künftig geregelt werden, in welchen Bereichen der Blaufärberstadt Einzelhandel betrieben werden darf. In seine Entstehung waren auch Nastätter Geschäftsleute eingebunden.

Das nun beschlossene Einzelhandelskonzept soll die Nastätter Innenstadt stärken, in der sich ein guter Branchenmix findet.  Foto: Archiv/Cordula Sailer
Das nun beschlossene Einzelhandelskonzept soll die Nastätter Innenstadt stärken, in der sich ein guter Branchenmix findet.
Foto: Archiv/Cordula Sailer

Anfang September hatten die Stadtratsfraktionen dafür ein Treffen initiiert. Daran teilgenommen hatten Vertreter der Industrie- und Handelskammer und des Gewerbevereins sowie das Planungsbüro aus Kaiserslautern, das das Konzept in Zusammenarbeit mit der Stadt erstellt hat.

„Nahezu alle Bedenken des Gewerbevereins konnten mit einfließen“, erklärt Marco Ludwig in der Ratssitzung. Änderungen hat es insbesondere bei den Zuschnitten der sogenannten Versorgungsbereiche gegeben, wie Ludwig auf Nachfrage unserer Zeitung erläutert. Die Versorgungsbereiche sind die Gebiete, in denen die Stadt Einzelhandelsbetriebe erlaubt.

In Nastätten sind das die Innenstadt und das Mühlbachgebiet entlang der L 335, wozu etwa das Gebiet „In der Au“ sowie die Discounter Lidl und Aldi gehören. Dazu kommt das Industriegebiet als sogenannter Ergänzungsstandort. Welche Branchen sich in den einzelnen Bereichen ansiedeln dürfen, regelt das Einzelhandelskonzept über eine sogenannte Sortimentsliste.

„Im Versorgungsbereich Mühlbach haben wir die Fläche reduziert“, sagt Ludwig. Dieser Bereich hätte sich ursprünglich noch weiter in Richtung Miehlen erstrecken sollen. Der Innenstadtbereich sei dagegen noch bis zur Hochstraße hin ausgeweitet worden. Zudem wurden innerhalb des Versorgungsbereichs Mühlbach noch Sondergebiete festgelegt. Dort soll ein zentrenrelevantes Sortiment nur auf maximal 500 Quadratmetern Verkaufsfläche angeboten werden dürfen. Darunter würden beispielsweise Schuhe, Kleidung oder Haushaltswaren fallen.

Betroffen davon sind das Gebiet „In der Au“, das Lidl-Areal sowie eine Fläche gegenüber dem Discounter auf der anderen Seite der L 335. „Für ,In der Au' heißt das“, erklärt Marco Ludwig, „dass die Geschäfte mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche Bestandsschutz haben.“ Denn dort existieren bereits ein Modemarkt sowie ein Schuhgeschäft mit entsprechend großer Fläche.

Mit dem Einzelhandelskonzept setzt Nastätten nun eine Vorgabe aus dem Landesentwicklungsprogramm um. Darin ist ein solches Konzept für Mittelzentren gefordert, die großflächigen Einzelhandel ansiedeln möchten. Es diene dazu, „den gesunden Branchenmix in der Innenstadt zu sichern und weiter auszubauen“, sagt Ludwig. Man wolle damit auch Planungssicherheit für Investoren und Gewerbetreibende schaffen. Und schließlich soll das Einzelhandelskonzept den Prozess der Bauleitplanung beschleunigen. „Unsere Aufgabe ist es nun, das hier einfließen zu lassen“, erklärt Ludwig. Vorgesehen sei, das Einzelhandelskonzept peu à peu in die Bebauungspläne zu integrieren.

In einem nächsten Schritt gelte es, sich mit St. Goarshausen in Sachen Einzelhandelskonzept abzustimmen. Denn die Loreleystadt bildet laut Landesentwicklungsprogramm zusammen mit Nastätten und St. Goar ein sogenanntes kooperierendes Mittelzentrum, was eine Zusammenarbeit in der Versorgung der Bevölkerung vorsieht.

Bis Jahresende erwartet Nastätten zudem das Ergebnis einer in Auftrag gegebenen Tragfähigkeitsanalyse. „Sie ist Teil des Einzelhandelskonzepts“, erläutert Ludwig. Derzeit wird die rund 8000 Euro teure Analyse von einem Kölner Beratungsunternehmen erstellt. Die Untersuchung soll zeigen, wie viel großflächigen Einzelhandel Nastätten und sein Umland verkraften können. Dann wird auch klar, ob sich die Ansiedlung eines weiteren Vollsortimenters in Sachen Lebensmittel empfiehlt. Denn die Stadt befindet sich mit zwei Investoren in Verhandlungen um die Ansiedlung eines Edeka-Marktes.

Als einziges Ratsmitglied nicht für das Einzelhandelskonzept gestimmt hatte Alexander Bayer (FWG). Das verblüfft, da Bayer Vorsitzender des Gewerbevereins ist, dessen Anregungen laut Ludwig größtenteils in das Konzept mit eingeflossen sind. „Letztendlich habe ich die Diskussion vermisst“, begründet Bayer sein Verhalten gegenüber unserer Zeitung.

Die überarbeitete Fassung des Dokuments hätten die Stadträte erst eine Woche vor der Sitzung erhalten. Gern hätte er im Rat noch mal über die eingearbeiteten Änderungen gesprochen. „Es war gar nicht vorgesehen, das an diesem Abend zu beschließen“, so Bayer. Und tatsächlich wurde die entsprechende Beschlussvorlage erst während der Sitzung an die Ratsmitglieder ausgeteilt.

Doch Bayer sagt auch: „Grundsätzlich sind viele positive Dinge im Einzelhandelskonzept.“ Das Konzept sei der richtige Schritt. Aber seiner Meinung nach hätte man den Fokus noch mehr „auf die Innenstadt und ihre Nutzungsdurchmischung legen sollen“. Denn eine solche Vielfalt an Einzelhandelsgeschäften finde sich sonst nirgends in der Region. Daher hätte er sich bei der Sortimentsliste noch mehr Feinjustierung gewünscht. „Wird im Bereich Mühlbach zu viel Zentrenrelevantes zugelassen, geht das zu Lasten der Innenstadt.“

An zentrenrelevanten Sortimenten, das über die Sortimentsliste definiert ist, sollen laut Einzelhandelskonzept im Mühlbachbereich nun Kinderartikel, Bekleidung, Lederwaren und Schuhe, Haushaltswaren, Musik- und Sportartikel zugelassen sein.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

Metzgerei-Inhaber sieht zu viele Lebensmittelmärkte kritisch

„Ich sehe die Diskussion der letzten Monate über die Ansiedlung weiterer großflächiger Lebensmittelmärkte in der Verbandsgemeinde Loreley und der Stadt Nastätten mit großer Besorgnis“, schreibt Ulrich Bayer, Inhaber der Metzgerei Bayer, in einem Leserbrief an unsere Zeitung. Darin heißt es weiter: „Das oft angeführte Argument der Unterversorgung der Bevölkerung kann ich vor dem Hintergrund des momentan bereits vorhandenen Angebots nicht erkennen. (...) Letztendlich sind fast alle Lebensmittel des täglichen Bedarfs jetzt schon in den bestehenden Märkten erhältlich.“ Ein noch größeres Angebot sei nur ein vermeintlicher Vorteil.

„Die durch das Überangebot an Verkaufsfläche entstehenden zusätzlichen Kosten müssen kompensiert werden, was zur Folge hat, dass die Lebensmittelproduzenten in ihrer Preisgestaltung durch die Macht der Großkonzerne immer stärker eingeschränkt werden. Dieser Druck der Handelskonzerne hat schon jetzt viele einheimische Produzenten und Erzeuger in die Knie gezwungen, mit der Folge, dass Vielfalt und Regionalität auf der Strecke bleiben“, sagt Bayer. „Die eigentliche Nahversorgung sehe ich in den vielen kleinen Anbietern auf den Dörfern. (...) Alle diese kleinen Anbieter werden durch die Ansiedlung weiterer großflächiger Lebensmittelmärkte in ihrer Existenz bedroht.“ red

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