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    Bad EmsEinsturzgefährdet: Haus Nummer 11 gammelt schon lange

    Herunterkrachende Teile und Schimmel in der Wohnung: Nachbarn aus dem Nebenhaus in der Braubacher Straße beklagten den Zustand des Gebäudes schon seit Jahren.

    An einem Haus in der Braubacher Straße stürzte eine Wand ein.
    An einem Haus in der Braubacher Straße stürzte eine Wand ein.
    Foto: MIchaela Cetto

    Das Haus in der Braubacher Straße 11, das wegen einer eingestürzten Wand nach dem Unwetter am Mittwoch für einen aufwendigen Feuerwehreinsatz sorgte, ist den Nachbarn schon lange ein Dorn im Auge – und den Behörden als „Problemfall“ bekannt. Bereits im Jahr 2010 gab es dort einen Einsatz, weil ein Baum aus dem Fenster wuchs, der auf dem ständig feuchten Zimmerboden Wurzeln geschlagen hatte. Immer wieder beschwerten sich Anwohner nicht nur wegen Bergen von Müll und Gerümpel, sondern wiesen auch konkret auf die Gefahr hin, die von dem Gebäude ausging. Deswegen wundert sich Uwe Konrädi, der bis vor einem guten halben Jahr im benachbarten Haus Nummer 10 wohnte, kein bisschen über den Vorfall. „Das sage ich seit Jahren, aber es muss ja immer erst krachen.“

    Das Haus steht seit mindestens 15 Jahren leer, schätzt Konrädi. In den vergangenen Jahren seien immer wieder Teile der Konstruktion abgebrochen. „Teile des Daches, die gesamte Treppe, Brocken aus den Innendecken.“ Kein Wunder, findet Konrädi, denn der Besitzer oder der Bauherr habe fröhlich auf die alten, morschen Balken gemauert und nur eine Hülle aus neuen Wänden um das alte Haus gestellt. „Das konnte nicht gut gehen. Ich hab das alles dokumentiert und war zig mal deswegen im Rathaus. Ohne Erfolg.“

    Dann, Mitte 2016, Uwe Konrädi befand sich gerade im Treppenhaus vor seiner Wohnung, gab es einen Riesenschlag. „Ich hab mich geduckt und bin nur noch gerannt. Das war irre laut.“ Doch die Ursache für den Lärm lag im Nachbarhaus: Dort war die komplette zweite Decke runtergekracht.

    Neben diesen sehr offensichtlichen Missständen schlich sich noch ein weiteres Problem ins Haus Nummer 10: Schwarzschimmel. „Seit Jahren roch es irgendwie muffig“, erinnert sich Konrädi. „Dann kam ich eines Abends nach Hause, und das Wasser lief in Bächen die Flurwände runter.“ Durch das löchrige Dach des Nachbarhauses drang das Wasser schließlich auch in die Nummer 10 ein. „Jedes Mal, wenn ich die Tür aufmachte, kam mir ein Schwall von Schimmelsporen entgegen.“ Fotos beweisen, dass die Wände großflächig mit Schimmel bedeckt waren. „Ich warte auf den Tag, an dem der ganze klägliche Rest des Hauses auf die Braubacher Straße kracht. Schönen Gruß an die Behörden.“

    Zuständig ist die Bauaufsichtsbehörde im Rhein-Lahn-Kreis, die vom Ordnungsamt in Bad Ems nicht nur über den aktuellen Fall unterrichtet wurde, sondern auch schon in den Vorjahren mit dem Haus Nummer 11 beschäftigt war. „Das Eigentumsrecht ist sehr eng gefasst“, erklärt Uwe Rindsfüßer, Pressesprecher der Kreisverwaltung. „So lange keine direkte Gefahr für Leib und Leben besteht, kann im Prinzip jeder mit seinem Eigentum machen, was er will.“ Also sind der Behörde die Hände gebunden? „Es ist zumindest schwierig. Der Besitzer ist bekannt, aber nicht greifbar.“ So kann er also nicht dazu aufgefordert werden, das Haus in Ordnung zu bringen oder abzureißen. Und selbst wenn: Wenn er der Aufforderung nicht nachkommt, müssten die Bauaufsicht eine Ersatzvornahme in die Wege leiten. Das heißt: Je nachdem muss das Gebäude gesichert oder abgerissen werden. Die Kosten dieser Arbeiten gehen erst einmal zu Lasten des Steuerzahlers. Dann wird versucht, das Geld vom Eigentümer einzutreiben. „Aber wenn da nichts zu holen ist, bleiben die Kosten am Steuerzahler hängen“, so der Pressesprecher.

    Einen ähnlichen Fall gibt es in Arzbach. Auch dort ärgerten sich Bürger jahrelang über ein leer stehendes Haus, das vor sich hingammelte. Als im März das Obergeschoss einstürzte und Teile auf der Straße landeten, wurde das Areal abgesperrt. Derzeit wird das Haus per Ersatzvornahme abgerissen.

    Vielleicht ist es dieses aktuelle Beispiel, das zur schnellen Entscheidung führte: Gestern Morgen jedenfalls haben die Mitarbeiter der Bauabteilung alle Fakten analysiert. „Dabei hat sich abgezeichnet, dass es sinnvoll ist, das Haus direkt abreißen zu lassen“, heißt es von Seiten der Kreisverwaltung. Man wolle keine Zeit mit Statikgutachten verplempern, um schwarz auf weiß zu haben, was höchstwahrscheinlich sowieso schon klar ist. Abgesehen davon wäre es für den Statiker vermutlich lebensgefährlich, das Haus zu betreten. Ein direkter Abriss spare letztendlich Zeit und Geld.

    Wann die Bagger allerdings genau anrücken ist noch nicht klar. In den Sommermonaten seien die Firmen meist ausgebucht. Michaela Cetto

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