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Nastätten

Edeka-Ansiedlung rückt näher: Nastätten stellt B-Plan auf

Cordula Sailer

Der Nastätter Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung einen wichtigen Schritt hin zur Ansiedlung eines Edeka-Marktes in der Stadt gemacht. Er hat beschlossen, für ein etwa 1,3 Hektar großes Gelände zwischen Rheinstraße und L 335 einen Bebauungsplan aufzustellen. Geplant ist, ein Sondergebiet mit der Zweckbestimmung „Großflächiger Einzelhandel – Supermarkt“ dort auszuweisen.

Wie aus den Unterlagen der öffentlichen Ratssitzung ersichtlich ist, soll für dieses Gelände zwischen L 335 und Rheinstraße ein Bebauungsplan erstellt werden, um einen Supermarkt wie Edeka ansiedeln zu können.  Foto: Sailer
Wie aus den Unterlagen der öffentlichen Ratssitzung ersichtlich ist, soll für dieses Gelände zwischen L 335 und Rheinstraße ein Bebauungsplan erstellt werden, um einen Supermarkt wie Edeka ansiedeln zu können.
Foto: Sailer

Es ist der Wunschstandort der Edeka Handelsgesellschaft Südwest, wie aus einem Schreiben des Unternehmens an Stadtbürgermeister Joachim Rzeniecki hervorgeht. Erst wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist, soll ein Kaufvertrag zwischen dem Grundstückseigentümer und dem Investor in Kraft treten, wie der Stadtbürgermeister auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt.

Dass die Blaufärberstadt und ihr Umland einen weiteren Vollsortimenter in Sachen Lebensmittel verkraften, zeigt auch eine Auswirkungsanalyse, die die Stadt bei dem Kölner Beratungsunternehmen BBE in Auftrag gegeben hat. Einer der Mitautoren, Rainer Schmidt-Illguth, stellte die Ergebnisse der Untersuchung in der Ratssitzung vor.

Geprüft wurden zwei mögliche Standortvarianten für einen zusätzlichen Supermarkt: eine direkt am Lidl-Kreisel, die inzwischen verworfen ist, sowie das nun von Edeka präferierte Gelände. Ausgegangen wurde von einer Verkaufsfläche bis zu 1800 Quadratmetern, „einer mittleren Größe für einen Supermarkt im ländlichen Raum“, wie Schmidt-Illguth erläuterte.

Im Mittelpunkt der Auswirkungsanalyse stand die Frage, ob durch einen zusätzlichen Vollsortimenter weiterhin das Nichtbeeinträchtigungsgebot aus dem Landesentwicklungsplan gewahrt bleibt. „Das ist ein sehr abstrakter Titel“, räumte der Diplom-Geograf Schmidt-Illguth ein. Der Begriff besagt aber nichts anderes, als dass bei der Ansiedlung großflächiger Einzelhandelsbetriebe nicht nur die Auswirkungen auf eine Stadt selbst, sondern auch auf andere Kommunen und Mittelzentren in der Umgebung zu betrachten sind. Nastätten dürfte also im Wettbewerb mit anderen seine Versorgerfunktion nicht so weit ausbauen, „dass vereinfacht gesagt für die Nachbarn nichts mehr übrig bleibt“, erklärte Schmidt-Illguth.

Auffallend in der Verbandsgemeinde (VG) sei, dass es außerhalb von Nastätten nur ergänzende Angebote wie Bäcker, Metzger oder Gemüseläden gebe. Für den Einkauf zeige sich eine „sehr deutliche Orientierung in Richtung Nastätten“, so Schmidt-Illguth. Die Blaufärberstadt sei geprägt von Lebensmitteldiscountern wie Lidl oder Aldi. Um einen Überblick zu bekommen, wo die Kunden der Nastätter Lebensmittelmärkte herkommen, hat die BBE-Handelsberatung Ende 2017 eine Wohnorterhebung vorgenommen. Dazu seien an einem Freitag und Samstag mehr als 500 Kunden im Bereich des Nastätter Marktplatzes befragt worden. „Aus der Stadt Nastätten kommt nur gut jeder vierte Kunde“, stellte Schmidt-Illguth fest. Die Hälfte der Kunden komme aus den übrigen Ortsgemeinden der VG Nastätten, 8 Prozent aus der VG Loreley. Mit 9 Prozent der Befragten sei zudem Heidenrod ein wichtiger Kundenwohnort. Doch aussagekräftiger als die prozentualen Werte sei der sogenannte Bindungsindex. Um diesen zu errechnen, wird die Zahl der Kunden in Relation zur Einwohnerzahl ihres Heimatortes gesetzt.

„Die höchste Bindungsintensität haben wir hier bezogen auf die Stadt Nastätten“, erläuterte Schmidt-Illguth. Über die übrigen Orte der Verbandsgemeinde verteile sich recht konstant ein leicht abgeschwächter Bindungsindex. Hervorzuheben sei außerdem die Ortsgemeinde Lierschied aus der VG Loreley. Sie erreicht eine fast genauso hohe Bindungsintensität an die Einkaufsstadt Nastätten wie die Ortsgemeinden der VG Nastätten selbst.

Auf der Grundlage der vor Ort gewonnenen Kenntnisse sowie aus Erfahrungswerten heraus habe das Beratungsunternehmen sodann eine Umsatzprognose für den neuen Supermarkt gewagt. Der entscheidende Maßstab sei hier die sogenannte Kaufkraftbindung. „Wir versuchen zu prognostizieren, welchen Anteil der neue Markt aus ihrer Kaufkraft, aus ihrem Portemonnaie binden kann“, erklärte Schmidt-Illguth. Der geplante Supermarkt könne hier geschätzt bis zu 17 Prozent erreichen. Daraus ergebe sich für einen Markt mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche ein prognostizierter Jahresumsatz von 7,5 Millionen Euro.

Es sei davon auszugehen, dass etwa die Hälfte dieses Umsatzes neu dazu komme. Damit sei gemeint, dass Kunden aus dem Nastätter Einzugsgebiet wegen eines neuen Marktes als zusätzlicher Attraktivität häufiger in die Blaufärberstadt zum Einkaufen kämen. „Die andere Hälfte geht den anderen Einzelhandelsbetrieben verloren“, sagt Schmidt-Ilguth. Ein Hauptbetroffener werde hier wohl der bestehende Vollsortimenter Rewe sein. Aber diese Umverteilung bedeute nicht, dass Rewe den Standort Nastätten verlassen werde. „Das ist aus unserer Sicht nicht zu erwarten“, betonte Schmidt-Illguth. Für die Kunden wirke sich ein weiterer Supermarkt in der Stadt positiv aus und werde den Wettbewerb beleben.

Doch auch andernorts würden sich wohl geringe Umsatzverluste einstellen. Wer sich heute nicht so recht zwischen dem Rewe in Nastätten oder dem in Lorch entscheiden könne, werde wohl künftig mehr in die Blaufärberstadt tendieren. Die größten Auswirkungen auf den Wettbewerb habe ein neuer Supermarkt aber innerhalb Nastättens. Ein Schaden für die Einkaufsstruktur von Nachbargemeinden sei nicht zu erwarten.

In Bezug auf den nun von Edeka gewünschten Standort zwischen L 335 und Rheinstraße empfiehlt der Experte, eine Anbindung an den Lidl-Kreisel. Denn so könne der neue Markt von der Verkehrsführung her an das schon bestehende Lebensmittelangebot entlang des Mühlbachs angebunden werden. Könnte der neue Supermarkt nur über die Rheinstraße angefahren werden, „hätten wir eine Lage neben der Innenstadt“. Das widerspreche auch dem von der Stadt ausgearbeitetn Einzelhandelskonzept. Denn dieses definiert den wohl künftigen Edeka-Standort als Teil des Versorgungsbereichs Mühlbach. Ohne eine Verkehrsanbindung über den Lidl-Kreisel könnten auch keine Synergien zwischen Edeka und den anderen Geschäften in diesem Bereich entstehen.

Das Einzelhandelskonzept der Stadt Nastätten regelt, in welchen Bereichen der Blaufärberstadt Einzelhandel betrieben werden darf. Dazu werden sogenannte Versorgungsbereiche definiert, in denen die Stadt Einzelhandelsbetriebe erlaubt: In Nastätten sind das die Innenstadt und das Mühlbachgebiet entlang der L 335, wozu etwa das Gebiet „In der Au“ sowie die Discounter Lidl und Aldi gehören. Dazu kommt das Industriegebiet als sogenannter Ergänzungsstandort. Das zunächst als Edeka-Standort gehandelte Grundstück am Lidl-Kreisel lag bisher im Versorgungsbereich Mühlbach. Nun wird die Fläche auf Beschluss des Rates komplett aus dem Einzelhandelskonzept gestrichen. „Ich glaube, das ist im Sinne des ortsansässigen Gewerbes“, so Stadtbürgermeister Joachim Rzeniecki.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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