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Limburg/Villmar

Dreifacher Babymord: Staatsanwalt fordert lebenslange Haftstrafe

Wegen Mordes an drei Babys hat die Staatsanwaltschaft am Freitag vor dem Limburger Schwurgericht gegen eine 33-jährige Frau aus Villmar eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt. Zudem solle das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen. Die Angeklagte habe ihre 2004, 2006 und 2009 geborenen Babys erstickt, indem sie ihnen jeweils ein Spucktuch bis zum Anschlag in den Mund gestopft und ihnen die Nase zugedrückt habe.

Um sicher zu gehen, dass ihre Kinder keine Regung mehr zeigten und ihnen nicht mehr geholfen werden könne, habe sie vor der Benachrichtigung von Rettern noch eine Zeit lang abgewartet. Bei der Angeklagten handele es sich um eine emotionslose und gefühlslose Person, die ihrer schreienden Kinder überdrüssig gewesen sei, weshalb sie diese als Störfaktor beseitigen wollte, um ihren eigenen Interessen nachgehen zu können. Dabei habe sie ihre Kinder, wie sie bei der polizeilichen Vernehmung selbst ausgesagt habe, „wie den Knopf am Radio ausgeschaltet“.
Staatsanwalt Dominik Mies sieht das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe erfüllt: „Sie handelte aus reiner Selbstsucht, weil sie ein schöneres Leben haben wollte.“ Sie habe keine Reue, keine Schuldgefühle gezeigt. Mies setzte sich damit über die Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen hinweg, der zwar von einer unklaren Motivlage sprach, diese Einschätzung aber verneint hatte. Der Forensik-Professor aus Münster hatte zuvor festgestellt, dass die Angeklagte weder an einer krankhaften seelischen Störung leidet, noch eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung oder eine Abartigkeit vorliegt und daher voll schuldfähig ist. Sie mache auf ihn den Eindruck eines „unreifen Kindes, das sich von seiner Mutter ertappt fühlt“. Sie habe sich mit ihrem Ehemann ein Kind gewünscht, um eine Familie zu sein und sich in einer hilflosen Rolle gesehen. Die Angeklagte habe in ihrer Vergangenheit zwei schwere Schicksalsschläge erlebt. Ihr erster Freund habe sich im Badezimmer erhängt, später sei sie von Männern vergewaltigt worden. Sie habe ein mangelndes Selbstwertgefühl und bekomme von ihrem Mann, der bis zu 18 Stunden am Computer verbringe, keine Anerkennung.
Die Kammer erteilte den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung auch wegen Totschlags infrage komme. Auf diesen Zug sprang der Verteidiger auf. Er könne keine niedrigen Beweggründe erkennen, vielmehr seien die Taten aus Überforderung der Mutter geschehen Es sei insgesamt von einem minderschweren Fall auszugehen, wofür eine Haftstrafe von vier Jahren tat- und schuldangemessen sei.
„Ich bedaure alles, was passiert ist und bereue alles sehr. Ich möchte mich bei meinem Mann und meiner Familie entschuldigen, dass ich ihnen so viel Schmerz zugefügt habe“, sagte die 33-Jährige in ihrem sogenannten letzten Wort und weinte erstmals laut. Dar Urteil wird am 8. März um 10 Uhr verkündet.

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