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Arzbach

Bürgerstreife in Arzbach unterwegs: Einbrecher sollen abgeschreckt werden

Es ist früher Nachmittag. Dirk Linscheid sitzt mit einer grellgelben Warnweste mit „Security“-Aufdruck auf dem Rücken in seinem Auto. Auf der umgeklappten Rückbank liegt eine bunte Decke: der Platz für seinen Schäferhund.

Foto: David Metzmacher

Linscheid befestigt auf dem Autodach ein orangefarbenes Blicklicht: „Das ist eigentlich für die Warnung anderer Verkehrsteilnehmer bei Unfällen“, erklärt er. „Doch so mache ich auf mich aufmerksam, die Leute wissen dann: Die Bürgerstreife ist unterwegs.“

Linscheid ist ein kräftiger Mann, er arbeitet im Baugewerbe, hat ein Tattoo auf dem Oberarm. Er ist Gründer und Gesicht der Bürgerstreife Arzbach und Organisator im Hintergrund. „In unserem Ort wurde im vergangenen Jahr sehr viel eingebrochen, viele Einwohner haben dadurch Angst.“ Am 19. November vergangenen Jahres sei ihm spontan die Idee zu einer Bürgerstreife gekommen. „Mir reichte es einfach, ich wollte aktiv werden, etwas tun.“ Noch am selben Tag fuhr Linscheid seine erste Streife im Ort. „Seitdem ist die Bürgerstreife stetig gewachsen“, berichtet er stolz. Mittlerweile hat die Initiative rund 34 Mitglieder, einige von ihnen sind aktiv unterwegs „auf Streife“, zu Fuß oder im Auto, andere sind eher „stille Beobachter“.

Linscheid startet den Motor und fährt los. Aufmerksam schaut er sich Häuser, Autos, Personen an. Er achtet auf fremde Kennzeichen, heruntergelassene Rollläden, ungewöhnliche Lichter, alles, was verdächtig sein könnte. „Mittlerweile habe ich einen guten Blick dafür, was normal ist und was nicht.“ Es komme oft auf die kleinen Details an. Und er hat gemerkt: „Man lernt stetig dazu.“

Wenn ihm etwas auffällt, fragt er in der Nachbarschaft herum, ruft schon mal einen Bürger an, klingelt oder informiert direkt die Polizei. Auf seiner Fahrt grüßt er mal hier, mal dort, zeigt auf Häuser, dessen Bewohner bereits Opfer von Einbrüchen wurden, und erzählt vom Zusammenhalt und der Gemeinschaft in der Bürgerstreife Arzbach.

Bürger fühlen sich sicher

Marlene Meyer, Ortsbürgermeisterin der 1800 Einwohner starken Gemeinde, lobt die Bemühungen der Initiative ausdrücklich: „Ich bin sehr froh, dass die Menschen hier in Arzbach Verantwortung übernehmen. Die Polizei kann das, was die Bürgerstreife macht, nicht allein leisten.“ Es habe im Frühjahr sowie im Herbst vergangenen Jahres Einbruchserien gegeben, erklärte Meyer, darauf sei die Bürgerstreife die richtige Antwort: „Die Arzbacher Bürger fühlen sich nun sicherer und werden auch selbst wachsamer.“

34 Mitglieder hat die Bürgerstreife Arzbach zurzeit.

In einer Seitenstraße bemerkt Linscheid einen weißen Volvo mit Kölner Kennzeichen. „Den hab’ ich hier noch nie gesehen, den schau ich mir genauer an“, sagt er und hält ganz in der Nähe an. Er steigt aus und betrachtet den Innenraum des Autos. „Keine Auffälligkeiten, keine Werkzeuge oder ähnliches, das scheinen nur Besucher oder Naturliebhaber zu sein“, erklärt er, als er zurück in sein Auto steigt. „Weiter geht’s.“

Die Initiative hat eine eigene Facebook-Präsenz, eine Website, bis vor Kurzem auch eine 24-Stunden-Hotline und sogar Mitgliederausweise: „Mit den Ausweisen schützen wir uns vor Trittbrettfahrern, die im Namen der Bürgerstreife Hausbegehungen bei Anwohnern unternehmen wollen.“

Über eine WhatsApp-Gruppe sowie PMR-Funk bleiben die Mitglieder der Streife in Verbindung, können warnen, entwarnen, sich informieren. Das stärke auch den Zusammenhalt im Ort: „Die Bürger zeigen sich wieder füreinander verantwortlich. Das hat zuvor gefehlt“, sagt Linscheid. So sei ihm auch die Idee für das Logo gekommen: zwei ineinandergreifende Hände: Eintracht, Zusammenhalt, gemeinsam sind wir stark.

Linscheid ist fast täglich auf Streife, um die Feiertage sei er 400 Kilometer in einer Woche gefahren, allein in Arzbach. An vielen Tagen wende er mehr als fünf oder sechs Stunden für die Initiative auf, oft fährt er bereits morgens um 5 Uhr seine erste Tour. „Der Zeitaufwand und die Kosten sind natürlich beträchtlich“, gibt er zu, „doch wir wissen, wofür wir das machen. Die Anerkennung der Mitbürger ist uns Lohn genug.“

Am Anfang seien einige Menschen in der Gemeinde etwas skeptisch gewesen. „Mittlerweile kennen mich aber alle hier im Ort. Mit dem Blinklicht und der Warnweste bin ich aber auch nicht zu übersehen“, sagt Linscheid und lacht. Die Bürgerstreife selbst erhalte jetzt Anerkennung, einige Einwohner sprechen ihn persönlich an, danken ihm für sein Engagement. Und auch auf Facebook wird gelobt: „Ihr seid spitze“, schreibt ein Nutzer, ein anderer ist froh: „Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt.“

Linscheid ist sicher: „Mit der Bürgerstreife schließen wir eine Lücke zwischen Bürgern und Polizei.“ In den sechs Wochen, in denen die Bürgerstreife Arzbach nun aktiv ist, habe es keinen einzigen Einbruch im Ort gegeben. Ein Grund, die Bemühungen der Initiative zurückzufahren?

Positive Effekte erhalten

„Nein, die Arzbacher fühlen sich sicherer, und ich glaube, Einbrecher werden durch unsere deutliche Präsenz abgeschreckt. Diese positiven Effekte wollen wir erhalten.“ Vermutlich aber würde die Häufigkeit der Streifen im neuen Jahr etwas zurückgefahren. Bei Großereignissen, bei denen viele nicht zu Hause sind, wie beispielsweise Karneval, könnte die Frequenz wieder verstärkt werden.

Die Kriminalinspektion der Polizeidirektion Montabaur, die für Einbrüche im Kreis verantwortlich ist, findet die Initiative gut: „Die Mitglieder der Bürgerstreife sind ortskundig und können auffällige Menschen und Umstände viel leichter identifizieren“, sagt eine Mitarbeiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Es komme jedoch sehr auf das Auftreten der agierenden Personen an. „Die Bürgerstreife Arzbach arbeitet von Anfang an gut mit uns zusammen, wir stehen stetig in Kontakt und versorgen uns gegenseitig mit Informationen – eine gute Zusammenarbeit, die Vorbild für andere Gemeinden sein kann.“

Von unserem Mitarbeiter David Metzmacher

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