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Nassau

Bürger beteiligen sich an Dorferneuerung: Scheuerner wollen an Zukunft mitwirken

Der Ortsteil Bergnassau-Scheuern wird nach Ansicht vieler Bürger von der Stadt Nassau vernachlässigt. Umso entschlossener scheinen sie nun die Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen, die sich im Rahmen der Dorferneuerung bietet. Die Resonanz auf den Auftakt der Bürgerbeteiligung am Dienstagabend zumindest war beeindruckend – nicht nur, was die Zahl der Teilnehmer betrifft, sondern auch das Engagement, mit dem Ideen vorgebracht und Themen diskutiert wurden. Auch nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung.

Bürgerbeteiligung mit großer Resonanz: Gerd Biesgen, Vorstand der Stiftung Scheuern, spricht zu den Teilnehmern der Auftaktveranstaltung der Dorfmoderation.  Fotos: Carlo Rosenkranz
Bürgerbeteiligung mit großer Resonanz: Gerd Biesgen, Vorstand der Stiftung Scheuern, spricht zu den Teilnehmern der Auftaktveranstaltung der Dorfmoderation. Fotos: Carlo Rosenkranz
Foto: Carlo Rosenkranz

Gut 50 Bürger des Ortsteils folgten der Einladung in den Versammlungsraum der Stiftung Scheuern, die selbst mit mehreren Vertretern Präsenz zeigte, dazu zwei Stadtratsmitglieder der SPD-Fraktion und Stadtbürgermeister Armin Wenzel (CDU). Auffällig: Auch eine Handvoll junger Scheuerner Bürger um die 20 war dabei und diskutierte rege mit anderen über verschiedene Themen, als die meisten nach mehr als zwei Stunden auf dem Heimweg waren. Die von Andy Heuser, der mit zwei Kolleginnen vom Ingenieurbüro Karst die Dorferneuerung begleitet, in Aussicht gestellten weiteren Bürgerveranstaltungen – darunter eine speziell für Kinder- und Jugendliche – sollten demnach zahlreiche Mitwirkende finden.

Die Bestandsaufnahme für den Ortsteil klang zunächst ernüchternd: Nur ein einziger Verein wirkt in Bergnassau-Scheuern noch spürbar für die Allgemeinheit. Mit 20 aktiven Mitgliedern ist die freiwillige Feuerwehr der Dreh- und Angelpunkt des Gemeinwesens. Sie organisiert Spiele- und Spießbratenfeste, eine Nikolausfeier und wirkt am Kurrendeblasen mit. Was Politik und Verwaltung angeht, herrscht die Meinung vor, die ein Bürger wie folgt formulierte: „Keiner setzt sich für die Belange von Bergnassau-Scheuern ein.“ Die Stadt habe schon lange kein Geld mehr in Scheuern investiert. Man fühlt sich abgehängt.

Ein zentrales Thema des Abends war der Verfall der Alten Schule, die nicht mehr als Raum für Feste, Versammlungen und Veranstaltungen genutzt werden kann, weil Küche und Sanitäranlagen marode sind. Große Einigkeit herrschte auch darüber, dass der Platz vor dem Haus nicht schön anzusehen ist und seitens der Stadt nichts geschehen sei, obwohl die freiwillige Feuerwehr aktive Mithilfe bei der Neugestaltung angeboten hatte. Zudem gebe es im Feuerwehrgerätehaus, das die Stadt vor zwei Jahren an Private veräußert hatte, mittlerweile ein Schimmelproblem. Unzufrieden ist man auch mit der wachsenden Belastung durch den Schwerlastverkehr. Denn während ein Betrieb im Gewerbegebiet Salzau stetig wächst, gibt es nach wie vor nur das Wohngebiet im Mühlbachtal und die Taunusstraße als offizielle Zufahrt. Die Viehtrift ist nach wie vor ein schmaler Wirtschaftsweg ohne Gehweg, der „ein nicht gewolltes Ventil“ für den Fahrzeugverkehr geworden ist, wie Franz-Josef Minor von der Bauverwaltung der Verbandsgemeinde sagte.

Dass die Stiftung Scheuern ein wichtiger Akteur im weiteren Verlauf der Dorferneuerung sein könnte, deutete sich in der Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung nur an. Vorstand Gerd Biesgen hörte zunächst den Klagen über den fehlenden Dorfplatz und die Erklärung des Stadtbürgermeisters über fehlendes Geld und nicht genehmigte Zuschüsse zu und wagte dann einen sachten Vorstoß. Mit Blick auf einige Wirtschaftsgebäude der Stiftung zwischen „Goldenem Fass“ und Friedhofstraße regte er an, über einen gemeinsamen Platz nachzudenken. „Wie wäre es, wenn man dort einen Gebäuderiegel wegnehmen würde und es finanziert bekäme?“, fragte Biesgen in die Runde.

Aufgrund der offenkundig zurückhaltenden und skeptischen Reaktion der Bürger wurde das Thema nicht weiter vertieft, könnte aber im weiteren Verlauf der Dorferneuerung einiges an Potenzial in sich bergen. Denn klar ist, dass die Stiftung „einen riesigen Sanierungsstau“ hat, wie Biesgen berichtete, und im Sinne von Inklusion und Dezentralisierung ohnehin eine stärkere Verschränkung zwischen Bergnassau-Scheuern und dem Zentralbereich der Stiftung anstrebt. Der Dialog zwischen „engagierten Menschen, die über den Tellerrand hinaus schauen“, wie Biesgen lobend über die Scheuerner sagte, und Vertretern der Stiftung, dürfte in künftigen Themenrunden vertieft werden.

Biesgens Vermutung, dass der Mühlbach eine gewisse Grenze im Ort bilde, widersprachen die Scheuerner Bürger und besonders die jungen Erwachsenen. Gerade das vor ein paar Jahren abgerissene Klettergerüst und das Ziegengehege hätten sie als Kinder häufig besucht. Schnell war der Vorschlag zur Hand, auf dem Stiftungsgelände einen Spielplatz zu errichten. Biesgen wiederum warb für die Nutzung der Boulebahn, die herrlich gelegen und für jedermann offen sei. Zudem liege sie nahe der „Orgelpfeife“, in der Kaffee, Kuchen, Eis und mehr angeboten wird. „Vielleicht sollte man hier mehr Aktivitäten auch für junge Leute anbieten“, äußerte eine der jüngsten Teilnehmerinnen.

Nicht nur öffentliche, sondern auch private Maßnahmen sollen durch die Dorferneuerung angestoßen werden. Schönere Fassaden, attraktivere Höfe und hübschere Fenster sind Beispiele für eine Aufwertung des Ortsbildes. Dafür stellt das Land Fördermittel zur Verfügung, sodass Eigentümer entlastet werden und einen Anreiz erhalten. „Es soll Impulse geben, Eigentum schön herzurichten“, sagt Andy Heuser vom Ingenieurbüro Karst. „Das gibt dann auch den Nachbarn einen Anreiz, etwas zu tun.“

Von unserem Redakteur Carlo Rosenkranz

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