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    Lahnstein

    Bierbrauer seit zehn Generationen: Familie Fohrs Gespür für Bier

    Es mag schon seinen Grund haben, wenn etwas Jahrhunderte überdauert und fortbesteht. Tradition, Qualität, Können in einer der ältesten Handwerkskünste – und die Leidenschaft derer, die dieses Handwerk betreiben. Seit 1667 und nun in der zehnten Generation braut die Lahnsteiner Familie Fohr Bier. Das 350-jährige Bestehen soll nun gefeiert werden. Dazu steht noch ein kleines Jubiläum der „Lahnsteiner Brauerei“ in der Sandgasse ins Haus: Seit zehn Jahren trägt sie nun ihren neuen Namen.

    Die jüngste Erfindung von Markus Fohr: das Weinbier  Foto: Morcinek
    Die jüngste Erfindung von Markus Fohr: das Weinbier
    Foto: Morcinek

    „Es waren viele Generationen von Bierbrauern am Werk, die sich alle auf eines verstanden“, sagt Dr. Markus Fohr, der heutige Inhaber, „sie nutzten die Erfahrungen ihrer Väter und Vorväter, um den entscheidenden Schritt in die erfolgreiche Zukunft ihrer eigenen Generation zu tun.“ Fohr blickt zurück in die Familiengeschichte.

    Marie und Franz Fohr leiteten einst die Brauerei.
    Marie und Franz Fohr leiteten einst die Brauerei.
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    Alles begann mit Jacob Fohr, der 1667 in Ransbach-Baumbach im Westerwald die zweite Hälfte seines Braurechts erwarb und dort die Brauerei Fohr gründete. Damit legte er den Grundstein für das heutige 350-jährige Bestehen. Möglicherweise ist die Fohr'sche Brautradition sogar noch älter, doch wie lange Jacob die erste Hälfte seines Braurechts schon besaß, das verliert sich leider im Dunkel der Geschichte.

    Jacob Fohrs Braurecht von 1667

    Jacobs Braurecht ging stets vom Vater zum Sohn über, bis es bei Jacobs Ur-Ur-Ur-Enkel Franz landete, der von 1823 bis 1889 lebte. Er gab die Brauerei an seinen ältesten Sohn Wilhelm (1857–1932) weiter. Wilhelms jüngerer Bruder Franz (1860–1940) erhielt seinen Erbteil in Geld. Damit erwarb er 1894 die damalige Junker'sche Brauerei in der Sandgasse 1 in Oberlahnstein, genau dort, wo noch heute die Lahnsteiner Brauerei steht.

    Marie und Franz sowie Wilhelm Fohr (1896–1972)

    Franz Fohr benannte seine Brauerei nach dem Kirchenschutzpatron von Oberlahnstein „St. Martin Brauerei“ und führte sie bis zu seinem Tod 1940. Als auch seine Witwe Marie 1944 verstarb, blieb die Brauerei dennoch in der Familie. Sie fiel an den nächsten Verwandten – Franz' Neffen Wilhelm (1896–1972), den Inhaber der Brauerei Fohr. Wilhelm wiederum gab sie 1968 an seinen Sohn Dr. Rainer Fohr (geboren 1935) weiter, der sie noch heute zusammen mit seiner Frau Hannelore, seinem Sohn Dr. Markus Fohr (geboren 1969) und dessen Frau Donka führt. Und die Geschichte könnte weitergehen, denn seine Kinder Felix (geboren 2002), Maja (geboren 2004) und Viktor (geboren 2008) haben zumindest das Potenzial für eine elfte Brauergeneration.

    Dr. Rainer Fohr und Dr. Markus Fohr

    Die beiden „aktuellen“ Fohrs sind in Lahnstein nicht ganz untätig. Am 1. Januar 2007 benannten sie die St.-Martin-Brauerei in die heutige Lahnsteiner Brauerei um und legten damit den Grundstein für das „kleine“ Jubiläum 2017 – das zehnjährige Bestehen der Lahnsteiner Brauerei.

    Die neue Brauerei trägt die unverwechselbare Identität ihrer Heimatstadt Lahnstein im Herzen des Unesco-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Ihr Logo besitzt den gleichen Schriftzug wie das Logo der Stadt Lahnstein und wie das Lahnsteiner Mineralwasser des Victoria Brunnens Lahnstein – klassisches Regionalmarketing also.

    Die Lahnsteiner Brauerei ist in der neunten und zehnten Generation Privatbrauerei. Sämtliche Geschäftsanteile sowie die Geschäftsführung werden von Dr. Rainer und Dr. Markus Fohr gehalten. Beide Fohrs sind gelernte und im weltberühmten Weihenstephan bei München diplomierte Brauereiingenieure, die „mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Gaumen“ hinter ihrem Bier stehen. Hinter diesem steht auch die zweite Familie der Fohrs – ihr Team aus elf eingeschworenen Mitarbeitern. Das sind Klaus Bell, Stefan Herbel, Heike Schneider, Wolfgang Schumann, Hans-Georg Bieling, Henrik Rohmann, Ulrich Hastenplug, Johann Arlamowski, Monika Zaun und „Wachhund“ Arielle.

    Der neue Brauereiname ist nur ein Teil dessen, was sich in den vergangenen zehn Jahren in der Sandgasse entwickelte. Neben ihren klassischen Bieren bietet die Brauerei mittlerweile Craftbiere sowie Delikatessen rund ums Bier an und ist im Veranstaltungsbereich mit Bierseminaren, „Biertainment“ und vielem mehr bis hin zum Zertifikatslehrgang „Bierbotschafter IHK“ sehr aktiv. Aber auch schon das klassische Sortiment kann sich mit 16 Biersorten sehen lassen. Angefangen beim alkoholfreien Pils, Weizen und Malztrunk über Radler geht die Reise zu den „richtigen“ Bieren wie feinherbes Pils, naturtrübes Zwickelbier, Weizenbier als Kristall sowie Hefe hell und dunkel, Obergäriges, Bernsteinbier und Altbier, Schwarzbier, süffiges Fest-Export, hin zu den Starkbieren Schnee-Bock (dunkler Doppelbock) und Martinator heller Doppelbock.

    Seit 2002 besteht die Produktlinie „Delikatessen rund ums Bier“. Hierzu zählen Bierlikör, Hopfenlikör, Bierbrand, Single-Malt-Whisky „Ceridwen“, Biernudeln, geräucherte Bierwürstchen, Bierkäse, Lahneckchen-Pralinen, Biersenf, Knabbermalz, Hopfentee, Bierseife und die Bücher „Besser Leben mit Bier“ (3. Auflage 2014) und „Noch besser leben mit Bier“ (1. Auflage 2012).

    2011 bildete sich Dr. Markus Fohr zum Biersommelier fort. Seitdem braut die Lahnsteiner Brauerei auch Craftbiere wie das Grutbier, ein mittelalterliches Kräuterbier, oder das Honigbier. Hinzu kommen hopfengestopfte und holzfassgereifte Biere, der Megabock Rohminator und der Eisbock, das stärkste Bier des Hauses mit 15,2 Prozent Alkohol (Edition 2017). Einige der Craftbiere gewannen Auszeichnungen in Gold und Platin beim International Craft Beer Award. Am 10. September wird Dr. Markus Fohr auch an der Weltmeisterschaft der Biersommeliers in München teilnehmen. kr

    Wer all dies einmal selbst erleben möchte, kann an einer der zahlreichen Biertouren und an den Bierseminaren teilnehmen oder auch einfach mal den Brauereimarkt in der Sandgasse besuchen. Weitere Informationen gibt es natürlich auch im Internet unter www.lahnsteiner-brauerei.de

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