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    Über Wassergräben zum Schießstand: Sommerbiathlon in Nastätten

    Die Zielscheiben stehen auf einer Fensterbank, doch niemand muss fürchten, dass eine Scheibe zu Bruch geht. Beim ersten Nastätter Sommerbiathlon wird nämlich mit Laser-Gewehren geschossen. Der Schießstand auf dem VfL-Sportplatz ist auch ansonsten ein Unikat: Unter einem Zelt stehen Klapptische mit Teppichstücken und Handtüchern darauf als Barriere.

    Obwohl die Sportart in der Umgebung keinerlei Tradition hat, sind für die Premiere immerhin 32 Anmeldungen eingegangen bei Stadtratsmitglied Karsten Bärz, der den Wettbewerb federführend organisiert. Gestartet wird im Einzel sowie in verschiedenen Staffelformen. Die Schießübungen erweisen sich als delikat, in aller Regel übertrifft die Zahl der Fehler die der Treffer.

    Sommerbiathlon mit Lasergewehren: Die Sportart-Pioniere Sascha Lenz (links) und Norbert Lenz legen an.
    Sommerbiathlon mit Lasergewehren: Die Sportart-Pioniere Sascha Lenz (links) und Norbert Lenz legen an.
    Foto: Thorsten Stötzer

    „Ich habe acht Mal vorbeigewackelt“, resümiert hinterher Norbert Lenz, ein erfahrener Langstreckenläufer des VfL Nastätten – der Verein bietet parallel zum Biathlon einen Tag der offenen Tür an. Zehn Schuss hat er insgesamt abgegeben. Dabei hat der Athlet bereits einmal in Strüth einen solchen Wettkampf bestritten, seinerzeit allerdings mit einem vertrauteren Luftgewehr.

    „Für mich ist die Strecke eigentlich zu kurz“, sagt Norbert Lenz weiter. Etwa 300 Meter beträgt die Laufdistanz vor, zwischen und nach den beiden Schießeinlagen, insgesamt also 900 Meter. Geschossen wird zunächst nicht wie bei Winterspielen liegend, sondern sitzend und mit aufgelegter Waffe. Im zweiten Durchgang wird im Stehen angelegt, ganz so wie bei den großen Vorbildern.

    Zehn Meter weit ist die Distanz zu den im Durchmesser 4,5 Zentimeter großen Biathlon-Scheiben. Pro Fehlversuch ist eine Strafrunde von ungefähr 20 Metern Länge zu bewältigen. Die Zusatzmeter führen um einen Baumstumpf herum, viele Baustellenbaken und Flatterband markieren außerdem die Runde. Mit reichlich Herzblut haben die Veranstalter eine neue Sportstätte geschaffen.

    Motiviert starten die Teilnehmer des Sommerbiathlons auf eine aufgeweichte Strecke voller „Wassergräben“.
    Motiviert starten die Teilnehmer des Sommerbiathlons auf eine aufgeweichte Strecke voller „Wassergräben“.
    Foto: Thorsten Stötzer

    Der Dauerregen an den Tagen zuvor hat den Rasen aufgeweicht, er fühlt sich saftig an unter den Füßen, stellenweise sogar sumpfig. Die Nastätter sprechen scherzhaft von „Wassergräben“ als Hindernis. Wo bei Fußballspielen die Eckfahne steckt, ist der Boden matschig. Eigentlich wären Spikes mit langen Dornen angebracht, doch so stark ist der Ehrgeiz bei keinem Teilnehmer ausgeprägt.

    Schießstand und Zielscheiben befinden sich immerhin im Trockenen. Würde es stärker regnen, könnte man sogar die Fenster öffnen und die Scheiben nach innen rücken, erklärt Bärz, der zudem die Leihgewehre besorgt hat. Der Sommerbiathlon, der ebenfalls nicht vor Schauern sicher ist, gehört zum Programm des Jubiläums 200 Jahre Stadtrechte und wird mit eigenem Konzept umgesetzt.

    „Genial, dass so etwas angeboten wird. Es macht Spaß, auch wenn man hinterher kaputt ist“, freut sich Sascha Lenz, dessen Zeit von 6:28 Minuten Maßstäbe setzt. Sommerbiathlon ist für den Mountainbiker eine neue Disziplin. Das gilt gleichfalls für die angetretenen Politiker: Landrat Frank Puchtler (SPD), Bürgermeister Jens Güllering (CDU), der CDU-Stadtpolitiker Burghardt Müller und der SPD-Landtagsabgeordnete Jörg Denninghoff teilen sich die Ränge in ihrem Rennen in dieser Reihenfolge – in etwa so friedlich wie in einer großen Koalition.

    Keine Medaillen, aber blaue T-Shirts belohnen die Aktiven. Dazu fallen die Trikots der Biathlonfreunde Nastätten auf und ihr Banner „Nastätten grüßt das deutsche Team“ mitsamt dem heimischen Bienenwappen. Sie stellen viele Helfer und kooperieren bei der Veranstaltung mit der Stadt und dem VfL, der bei seinem Tag der offenen Tür Mitmachangebote offeriert in Tischtennis, Leichtathletik, Thai Cuc Quyen, Gymnastik, Turnen und Taekwondo/Viet Quyen Dao. Die Bienen-Majestäten geben Autogramme, auch der Verein hat Präsente parat dank blauer Taschen.

    Von unserem Mitarbeiter Thorsten Stötzer

    Die Biathlonfreunde

    Die Biathlonfreunde sind regelmäßig mit Gruppen von rund zehn Leuten bei den großen Entscheidungen in Hochfilzen und Antholz vor Ort. Sie verstehen sich als „lockere Clique“, sagt ihr Sprecher Frank Lenz, zugleich sind die Nastätter als Fanclub bei der Internationalen Biathlon Union (IBU) registriert. 84 Weltcup- und 11 WM-Rennen hat Frank Lenz schon gesehen, nun kommt der Nastätter Sommerbiathlon hinzu, der ebenso Tradition werden könnte. ths

    ths
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