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    Lahnstein

    37. Bluesfestival: Französische Musiker sorgen für eine Party

    Warm machen fürs 37. Lahnsteiner Bluesfestival, das war am Freitagabend im Jugendkulturzentrum angesagt. Nur Vorgruppenflair? Bisher in unserer Region noch nicht bekannte Acts traten auf.

    Der 19-jährige Flo Bauer hat das gleiche Talent, die Fingerfertigkeit und Spontanität wie einige der durchs Bluesfestival bekannt gewordenen Gitarristen von Oli Brown bis Krissy Matthews. Vater Pierrot Bauer saß am Schlagzeug.  Foto: Michael Schaust
    Der 19-jährige Flo Bauer hat das gleiche Talent, die Fingerfertigkeit und Spontanität wie einige der durchs Bluesfestival bekannt gewordenen Gitarristen von Oli Brown bis Krissy Matthews. Vater Pierrot Bauer saß am Schlagzeug.
    Foto: Michael Schaust

    Konnten die Franzosen für Power sorgen und sogar ein tonkünstlerisches Ausrufezeichen setzen? „Let's have a Party“, unter diesem Motto startet King Automatic. Der Mann aus Nancy bietet als One-Man-Band eine vorwärtstreibende Show. Ähnlich wie das bekannte Schweizer Rock-'n'-Roll-Urmonster Reverend Beat-Man gibt sich der „König“ dem Trash hin. Einfache, aber prägnante Rhythmen, manchmal an Kirmesorgel erinnernde Tasteneinwürfe, kurze Mundharmonikaexplosionen, für alles sorgt Monsieur Automatic, um die Sounds dann geloopt seinem harten E-Saitenspiel und seiner Stimme zu unterlegen.

    Das ist US-Garagen-Punk aus der Mitte der 1960er-Jahre, als Bands wie The Sonics oder The Monks – GIs, die nach dem Militärdienst in Deutschland blieben – laute, schroffe, anarchistisch-energetische, auf simple Repetition ausgelegte Musik machten. Da ist es nicht verwunderlich, wenn auch Kraftwerks „Das Model“ minimalistisch, aber schräger präsentiert wird.

    Eher wortkarg konzentriert sich der King ganz aufs Funktionieren seiner Multitasking ähnlichen Tätigkeit. Felle mit Sticks und Besen sowie Farfisa-Orgel bedienen, die Rassel schütteln, Köpfe drehen und dann mit der Gitarre auch das Hi-Hat traktieren: Der Twang mehr von primitiver Herkunft eines Link Wray als von Hank-Marvin-Eleganz („The Shadows“) trifft hier auf die rohe Spielweise eines Bo Diddley und der frühen Kinks. Reggae und Ska sowie Latin lässt der „Alleinunterhalter“ auch einfließen, das ist Madness, Bob Marley und Santana der einfachen Mülltonnenart – aber selbst das hat was. Es gibt großen Applaus für den Voodoo.

    Spieltechnisch und variantenreicher, aber kein bisschen weniger leidenschaftlich geht es beim Flo Bauer Blues Project zu. Ein 19-jähriger Wilder aus dem Elsass sowie zwei alte wie vitale Hasen – Vater Pierrot Bauer am Schlagzeug und Bassist Seyller geben die abgezockten, coolen Unterstützer – bilden ein Trio. Und Flo hat das gleiche Talent, die Fingerfertigkeit und Spontanität wie einige der durchs Bluesfestival bei uns bekannt gewordenen Gitarristen von Oli Brown bis Krissy Matthews. Der Bursche greift schon sehr routiniert in die Saiten, ist auch heiß auf Soli, ohne zu übertreiben, und ist vokal versiert, ob Röhre oder sanfter Sänger.

    Eigene Stücke besitzen enorme Aussagekraft wie der schnelle „A-Boogie“. Fremdtitel werden nicht einfach kopiert, sie verfügen über Flo-Flair. Den Klassiker „The Trill is gone“ spielt Bauer nicht im typischen B.-B.-King-Stil, sondern lässt ihn eher im Peter-Green-Zauber aufleben. Ausgiebig wird „Cocaine“ mit Tempowechseln zelebriert. Das ist weniger J.J. Cale als vielmehr Cream, auch mit funkiger Unterfütterung sowie Trommelfeuer und Basspower. Die Hendrix-Anleihen sind wohltemperiert. Und seine Version von „Angie“ besitzt noch mehr wehmütiges Klagepotenzial als bei Mick Jagger, zumal Flo Bauer sein Instrument herrlich jammern lässt.

    Ist das noch zu toppen? Ja. Denn als Zugabe gibt’s eine folkig-soulige Akustiksession mit „Ain't no Sunshine“ als Höhepunkt des Lahnsteiner Bluesfestivals. Die Leute im gut gefüllten Jukz sind begeistert. Dieser Warm-up hat es in sich gehabt.

    Von unserem Mitarbeiter Michael Schaust

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