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    Mittelrhein/Oberdiebach

    Welterbe-Serie, Teil 3: Am Mittelrhein gärtnert auch der Bock

    „Määhähäähä! Määhähäähä!“ Mit seinen Ziegenfrauen im Schlepptau kommt der stattliche Bock Leo geradezu leichtfüßig den steilen Hang hinauf gekraxelt. Oben wartet Ursula Maurer mit Äpfeln auf ihre Schützlinge. Jeden Tag kommen sie oder ihr Mann Horst Maurer bei ihren Ziegenherden vorbei und schauen nach dem Rechten. Und heute werden Maurers schon sehnlich erwartet, oder besser gesagt das

    Es ist zwar nicht der Süden Afrikas, wo diese Burenziegen stehen, aber auch in den steilen Hängen im Diebachtal mit dem Blick auf Lorch fühlt sich die kleine Herde von Ursula und Horst Maurer wohl. Hier können sie den ganzen Tag fressen und bewahren damit die Fläche vor dem Verbuschen. Fotos: Mira Müller
    Es ist zwar nicht der Süden Afrikas, wo diese Burenziegen stehen, aber auch in den steilen Hängen im Diebachtal mit dem Blick auf Lorch fühlt sich die kleine Herde von Ursula und Horst Maurer wohl. Hier können sie den ganzen Tag fressen und bewahren damit die Fläche vor dem Verbuschen. Fotos: Mira Müller
    Foto: Mira Müller

    Kraftfutter, das sie im Gepäck haben. Bis die trächtigen Geißen ihre Zicklein zur Welt gebracht haben, bekommen sie noch eine Extraration. Danach werden sich die Ziegen wieder voll und ganz ihrem eigentlichen Zweck widmen: die Steilhänge, die nicht mehr bewirtschaftet werden, kahl fressen.

    Die Idee

    Auf die Idee, die Landschaft mit eigenen Ziegenherden zu entbuschen und damit das über Jahrhunderte entwickelte Landschaftsbild entlang des Rheins und in den Seitentälern zu bewahren beziehungsweise wieder herzustellen, kamen Maurers durch einen Zufall. Nach seiner Pensionierung machte Horst Maurer einen Lehrgang zum Welterbegästeführer. Im Laufe der Zeit fiel ihm bei seinen Wanderungen durch das Welterbegebiet auf, dass die Hänge entlang des Rheins und in den Seitentälern immer mehr zuwuchern. Gleichzeitig versuchte sich ein Freund Maurers als Ziegenhirte. Horst Maurer half ihm bei der Arbeit mit den Ziegen, und bei ihm und seiner Frau reifte der Entschluss, sich selbst ebenfalls Ziegen anzuschaffen. Dabei viel die Wahl auf die Burenziege.

    Burenziege hat sich bewährt

    In den 1970er-Jahren wurde die Burenziege aus Afrika eingeführt – „sie kamen wohl als Lebendfutter bei einem Löwentransport mit“, berichtet Ursula Maurer. Die bis zu 95 Zentimeter große Burenziege ist eine reine Fleischziege und hat sich mit ihrem nahezu unersättlichen Appetit und den geringen Ansprüchen, die sie an ihre Umwelt stellt, im Mittelrheintal bewährt, erzählt Ursula Maurer. Mit ihrem charakteristisch weißen Fell und dem braunen Kopf mit weißer Blesse, ihren Schlappohren und geschwungenen Hörnern sind sie in den Steilhängen schon von weither zu erkennen und ihr Gemecker bis zur gegenüberliegenden Talseite zu hören, wenn sie ihre Arbeit verrichten: die brach liegenden, verbuschten Rebflächen von Brombeerbüschen, Sträuchern und Bäumen wieder befreien.

    Doch wer denkt, man schafft sich eine kleine Ziegenherde an und hat dann keine Arbeit mehr mit den Tieren, der täuscht sich. „Ziegen brauchen Wasser“, erzählt Maurer, „und das täglich frisch – da sind sie schneckisch“, spricht sie aus Erfahrung. Und einen Unterstand: Die Ziegen können zwar sommers wie winters draußen gehalten werden, aber Regen können sie nicht gut leiden, erzählt Maurer. „Außerdem brauchen sie einen Leckstein für die Versorgung mit Salz und Mineralien, und Heu sollte auch immer da sein.“ Auch die Zaunpflege sei sehr wichtig, gerade in Weinbergen. Damit die Tiere nicht ausbrechen, muss um den Elektrozaun ein breiter Streifen frei gemäht sein – zwischen Zaun und Boden darf keine Verbindung sein, damit der Strom nicht abgeleitet wird. Also muss spätestens jeden zweiten Tag, besser täglich, jemand nach den Tieren schauen, „auch, damit die Ziegen nicht verwildern“. Gleichzeitig habe man so auch immer die Gesundheit der Tiere im Blick.

    MiZi gegründet

    2011 gründete Ursula Maurer die Firma MiZi. Als Ziel hat die Firma die Pflege der Kulturlandschaft im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Denn auch wenn die ehemaligen Wingerte nicht mehr bewirtschaftet werden, so sind Maurers davon überzeugt, dass die alten Rebflächen mit ihren typischen Schieferweinbergsmauern wertvoller für die Kulturlandschaft sind als verbuschte Steillagen, durch die sich letztlich auch das Mikroklima verändert. Durch die Wurzeln der Büsche und Bäume werden langfristig die Trockenmauern zerstört – und damit auch Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden an verschiedenen Orten im Welterbetal Ziegen von privaten Haltern in halboffener Weidehaltung gehalten.

    Ein durchgehend regionalisiertes Produkt

    Und weil sich die Ziegen – so Gott will und Maurers einen ihrer vier Böcke zu den Ziegen lassen – auch vermehren, hat MiZi auch noch eine weitere Sparte: die Vermarktung von Ziegenfleisch. Nicht nur ihr eigenes, auch das Fleisch anderer Ziegenhalter vermarktet Ursula Maurer. Voraussetzung ist, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, und regelmäßig von einem Veterinär kontrolliert, entwurmt und im Krankheitsfall behandelt werden. Bis Ostern gibt es Zicklein, später werden vor allem Keule oder Schulter verkauft. Aus älteren Tieren wird aber auch Schinken oder Salami hergestellt, „mit Mittelrheinkirschen drin“, spannt Maurer den Bogen zu einem durch und durch regionalisierten Produkt. „Man kann sagen, dass die Menschen durch den Verzehr von MiZi-Produkten auch zum Erhalt der Kulturlandschaft im Mittelrheintal beitragen“, sagt Ursula Maurer mit einem Lächeln.

    Von unserer Reporterin Mira Müller

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