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Kreis Altenkirchen

Wie es auf dem Stegskopf weitergeht: Jetzt sind die Kommunen am Zug

Neue Eigentümerin, die alten Fragen: Zum 1. Oktober hat die DBU Naturerbe GmbH, Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die unbebauten Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes auf dem Stegskopf übernommen. Während die DBU bereits konkrete Schutzziele für das Nationale Naturerbe formuliert hat, erscheint die Zukunft des Lagers weiterhin ungewiss. Die RZ beleuchtet den gegenwärtigen Stand der Dinge:

Gibt es für die ehemaligen Soldatenunterkünfte auf dem Stegskopf noch eine Zukunft? Diese Frage erscheint mehr denn je ungewiss.  Foto: Röder-Moldenhauer
Gibt es für die ehemaligen Soldatenunterkünfte auf dem Stegskopf noch eine Zukunft? Diese Frage erscheint mehr denn je ungewiss.
Foto: Röder-Moldenhauer

Wie geht es nach dem Eigentümerwechsel weiter?

Vordergründig ändert sich mit der Übernahme wenig. Wenngleich die Grundbuchumschreibung erst später erfolgen soll, zeichnet die DBU nun formal für die unbebauten Flächen (1882 Hektar) verantwortlich. Sie gibt den Rahmen vor, in dem Schäfer und Landwirte die Beweidung mit Schafen oder die Mahd der Grasflächen durchführen. Laut DBU genießt der Naturschutz dabei oberste Priorität. Mit der Umsetzung betraut ist weiterhin die bisherige Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), konkret die Mitarbeiter der Sparte Bundesforsten. An deren Arbeit war zuletzt allerdings Kritik laut geworden. So wurde im Ortsgemeinderat Derschen eine mangelnde Pflege von Landschaft und Wegen beklagt.

Apropos Wege: Die bleiben – abgesehen von den Platzrandstraßen – nach wie vor für die Öffentlichkeit tabu. Bislang hat sich die DBU auf keinen Zeitplan festgelegt, wann weitere Wege freigegeben werden können. Mit der Besitzübergabe, heißt es, werde man nun mit der Sondierung auf Munitionsbelastung beginnen und dazu zunächst die vorhandenen Aufzeichnungen analysieren. Auf dieser Basis werde das Gelände dann konkret nach Kampfmittelresten durchsucht.

Was geschieht mit dem früheren Truppenlager?

Das ist die derzeit wohl spannendste Frage. Da die bebauten Flächen nicht zur Naturerbe-Kulisse gehören, hat dort bis auf Weiteres die Bima das Sagen. Wie berichtet, haben der Kreis, die Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf und die Ortsgemeinde Emmerzhausen ihr Erstzugriffsrecht für einen möglichen Erwerb gezogen. Nach RZ-Informationen hat die Bima bislang allerdings noch keinen konkreten Kaufpreis auf den Tisch gelegt. Wie zu hören ist, hat sie bei der jüngsten Gesprächsrunde zum Stegskopf in Koblenz verdeutlicht, dass sie zunächst wissen möchte, was die Kommunen dort vorhaben – danach richte sich der Preis.

Wie reagieren die Kommunen darauf?

Die Ortsgemeinde Emmerzhausen will nun im Schulterschluss mit Verbandsgemeinde und Kreis ein ergänzendes Gutachten in Auftrag geben, das eruieren soll, was im ehemaligen Lager möglich ist und wie ein realistischer Preis aussehen könnte. Mit der Untersuchung will man die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) betrauen. Das Wiesbadener Unternehmen hatte bereits 2014 im Auftrag von Emmerzhausen eine Machbarkeitsstudie für den Stegskopf in Angriff genommen. Die Expertise wurde seinerzeit jedoch nicht weitergeführt, als das Lager plötzlich als Flüchtlingsunterkunft benötigt wurde. Immerhin kann die DSK nun auf den Erkenntnissen von damals aufbauen.

Allerdings: Die Bima drückt aufs Tempo, verlangt schon bis zum 31. Dezember eine Entscheidung. Die Verbandsgemeinde hingegen fordert mehr Zeit, betont, eine gründliche Untersuchung unter Berücksichtigung aller Kosten und Risiken sei bis Jahresende kaum realisierbar. Schließlich müssten bei der Untersuchung auch mögliche Restriktionen durch den Natur- und Vogelschutz bedacht werden.

Rückendeckung erhalten die Kommunen von der Landtagsabgeordneten Sabine Bätzing-Lichtenthäler: „Der Verbandsgemeinde muss die notwendige Zeit für ein tragfähiges Konzept gegeben werden“, betont die SPD-Politikerin. „Ansonsten steht zu befürchten, dass der Stegskopf – oder zumindest Teile davon – für die Region zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen könnten, etwa für touristische Zwecke.“ Sie hat bei der Bima um Fristverlängerung gebeten.

Welche Szenarien für das Lager sind denkbar?

Über allem schwebt das Damoklesschwert eines drohenden Komplettabrisses. Zumindest zeichnet sich ab, dass der weitaus größte Teil der mehr als 50 Gebäude dauerhaft kaum zu erhalten sein dürfte. Die für einst 1200 Soldaten ausgelegte Infrastruktur scheint allein für rein auf Tourismus angelegte Zwecke schlichtweg überdimensioniert.

Akteure von Kommunen, Kreis, Vereinen und Umweltverbänden wie dem BUND würden jedoch als „kleine Lösung“ zumindest ein paar wenige der Truppenunterkünfte, von denen im Zuge der Flüchtlingsunterbringung einige ja grundlegend saniert wurden, gern erhalten: als Start- und Infopunkt für Wanderer, als Jausenstation, für die Umweltbildung oder auch, um die Historie des Stegskopfs in einer Ausstellung zu würdigen. „Die Idee wäre, zunächst einen kleinen Teilbereich touristisch zu entwickeln und das Ganze eventuell später auszubauen – je nachdem, wie es angenommen wird und Geld vorhanden ist“, sagt Emmerzhausens Ortsbürgermeister Heinz Dücker.

Voraussetzung dafür ist freilich ein tragfähiges Konzept. In der Vergangenheit gab es bekanntlich schon eine Vielzahl an Ideen – vom Natur- und Kulturzentrum des BUND über einen (ökologischen) Technologiepark bis hin zu einem Natur- und Freizeitressort, das die Planer der DSK im Herbst 2015 in Emmerzhausen präsentiert hatten. Auf der Wunschliste steht bekanntlich auch die Rückkehr eines Aussichtsturms auf dem Stegskopf. Zwischenzeitlich soll sogar der Skiverband Rheinland Interesse an der Einrichtung eines Trainingsstützpunkts auf dem zweithöchsten Berg des Westerwalds bekundet haben.

Was tatsächlich realisierbar ist, darüber soll das neuerliche Gutachten Aufschluss geben. Sollten am Ende alle Projektideen scheitern, könnte es durchaus sein, dass vom Lager nichts übrig bleibt. Hartnäckig halten sich Gerüchte, wonach die Bima einen Rückbau bevorzugen würde: Durch eine „Renaturierung“ könnte man über das Ökokonto Ausgleichsflächen für Bauvorhaben vermarkten.

Könnte die DBU auch das Lager ins Naturerbe übernehmen?

Ja, aber auch im Fall einer solchen Bundeslösung würde mutmaßlich alles auf einen Abriss hinauslaufen. Schließlich hat die Stiftung deutlich gemacht, dass für sie der Naturschutz klar an erster Stelle steht. Die DBU teilt dazu mit: „Bei Flächen, die unsere Liegenschaften in sinnvoller Arrondierung ergänzen und uns zur Übernahme angeboten werden, überprüfen wir stets, ob eine geeignete Verwendung im Sinne des Naturschutzes möglich wäre. Wird dies bejaht, kommen Verhandlungen für uns in Betracht.“

Die DBU setzt dabei offenbar jedoch verstärkt auf einen Rückbau von Kasernen, Bunkern und Straßen. „Wir haben insgesamt bereits über eine Million Euro in die Hand genommen, um der Natur ihren Raum wiederzugeben und einige Teilflächen zu entsiegeln. Allerdings sind unsere Mittel begrenzt, und ihr Einsatz sollte immer wohl bedacht werden“, erläutert Professor Werner Wahmhoff, Prokurist der DBU Naturerbe GmbH, auf der Internetseite der Stiftung. Auf RZ-Anfrage, ob für die DBU Investitionen in die Infrastruktur des Lagers denkbar seien, teilt die Pressestelle mit: „Die Frage lässt sich derzeit nicht beantworten.“

Klar ist: Sollte das Lager gleichfalls an die DBU übergehen, ist eine spätere Verpachtung oder ein Verkauf an Kommunen oder Verbände – auch von Teilflächen – für gewerbliche Zwecke ausgeschlossen, sagt Emmerzhausens Ortschef Dücker. Dies verbiete der Rahmenvertrag, den die DBU mit dem Bundesumweltministerium zum Nationalen Naturerbe geschlossen hat. „Dann kann man da allenfalls noch 'ne Biowurst verkaufen – oder alles abreißen und entsiegeln.“

Von unserem Redakteur Daniel Weber

Altenkirchen Betzdorf
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