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Elkenroth

Talbrücke Elkenroth: Gelenk-OP für einen Betonriesen

So ist das eben, wenn man fast 40 Jahre lang den Buckel krumm gemacht hat: Irgendwann wollen die alten Knochen nicht mehr so recht. Nicht anders ergeht es der Elkenrother Talbrücke der L 288 zwischen Betzdorf und Hachenburg. Laut der bislang letzten Verkehrszählung 2005 trägt sie Tag für Tag im Schnitt 6000 Autos und Lkw übers Elbbachtal. Klar, dass es da irgendwann mal in den „Gelenken" knirscht.

Aus diesem Grund muss sich das rund 300 Meter lange und an der tiefsten Stelle gut 50 Meter hohe Bauwerk derzeit einer umfassenden Operation unterziehen: Insgesamt werden 17 Lager in den Brückenenden sowie auf den sieben unterschiedlich hohen Pfeilern ausgetauscht. Ferner ist eine Betonsanierung in beiden Widerlagern, auf den Pfeilerköpfen und im Hohlkasten der Brücke vorgesehen. Gesamtkosten: 360 000 Euro.

Durch eine dicke Stahltür über eine kleine Leiter und durch einen schmalen Einstieg geht es hinein in den hohlen Bauch des Betonriesen. Über uns scheppert es dreimal sehr laut. „Ein Lastwagen", sagt Bauwart Peter Mockenhaupt von der Straßenmeisterei Betzdorf lachend. Dann rappelt es zweimal ein wenig leiser. „Und das war ein Pkw." Ob der Fahrer ahnt, dass sich unter ihm gerade Menschen befinden? Wohl kaum.

„Passen Sie auf Ihre Köpfe auf", warnt Elfi Weber, die für die Brückensanierung zuständige Mitarbeiterin beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Diez. Tatsächlich: Anfangs muss man sich schon etwas bücken, um sich nicht zu stoßen. Doch nach paar Schritten in Richtung des nördlichen (Betzdorfer) Endes ist die Decke höher. Hier kann man bequem gehen. Die in nahezu gleichmäßigem Abstand angebrachten Kellerleuchten zaubern ins Dunkel des Schlauchs einen geheimnisvollen Wechsel aus Licht und Schatten.

Alle 30, 40 Meter wird es auch von unten hell: Durch ein Gitter im Boden blickt man runter auf die Pfeilerköpfe. Über einer der Öffnungen ist ein Seilzug angebracht. Mit dessen Hilfe werden die Lager sowie der Beton zum Verfüllen durch die niedrigeren der hohlen Brückenpfeiler nach oben bugsiert. Die sogenannten Kalottenlager, das schwerste wiegt rund 720 Kilogramm, sind Sonderanfertigungen der Schweizer Firma Mageba. Sie bestehen aus einem konkaven Unterteil, das mit Gleitmaterial ausgekleidet ist. Darauf liegt eine konvexe Kalotte, die als Gegenstück auf dem Unterteil Kippbewegungen des Lagers ermöglicht.

Die Fahrbahnplatte stützen zwei Hydraulikpressen, die kaum größer als ein Kochtopf sind

Am nördlichen Ende sind die Arbeiten schon in vollem Gange, die alten, beim Bau der Brücke eingebauten Lager bereits demontiert. Dafür haben zwei Hydraulikpressen, jeweils kaum größer als ein Kochtopf, die Fahrbahnplatte angehoben – gänzlich unbemerkt vom darüberrollenden Verkehr. Jede der beiden Pressen kann 160 Tonnen Gewicht stemmen. „Ein kleines technisches Wunderwerk", sagt Bauleiter Bernhard Jahnke von der Firma Aventas Bau aus dem saarländischen Illingen, die sich um den Einbau der Lager und die Betonarbeiten kümmert. „Alternativ hätte man die Brücke auch per Kran jeweils an den Längsseiten anheben können", erklärt LBM-Mitarbeiterin Elfi Weber, „dafür hätte man aber die Fahrbahn an der entsprechenden Flanke einseitig sperren müssen." Mageba-Mitarbeiter Ralf Karges begutachtet derweil das erste neu eingebaute Lager und stellt es exakt auf die Außentemperatur ein, damit es auch bei Sommerhitze oder Winterfrost noch optimales Spiel hat.

Vorerst nicht erneuert werden die alten Übergangskonstruktionen, jene Bauteile, die beim Befahren der Brücke teils für ordentlich Lärm sorgen. „Auch in Elkenroth gab es schon Beschwerden", weiß Peter Mockenhaupt, „aber der Austausch ist sehr aufwendig und teuer und wird wohl erst gemacht, wenn er unumgänglich ist." Immerhin wurden vor einigen Jahren die Dichtprofile ausgetauscht.

Ist die Sanierung an beiden Brückenenden fertig, geht es Pfeiler für Pfeiler voran. An den höchsten, knapp 50 Meter über dem Boden, wird auf frei schwebenden Gerüsten gearbeitet, die eine Spezialfirma aus dem Schwarzwald montiert. Im Juli soll dann die gesamte Maßnahme abgeschlossen sein – und die Elkenrother Brücke wieder fit für ihre tragende Rolle. Daniel Weber

Verkehr auf der L288 rollt nahezu ungehindert

Die umfangreiche Sanierung der Elkenrother Talbrücke, immerhin eine der größten Landesstraßenbrücken in Rheinland-Pfalz, kommt nahezu ohne Einschränkungen für den Straßenverkehr auf der L 288 zwischen Betzdorf und Hachenburg aus. Lediglich in der Woche vor Ostern gab es kurzzeitig eine einseitige Sperrung, um die Konsolengerüste an den fast 50 Meter hohen Pfeilern in der Mitte herabzulassen. Gleiches wird noch einmal geschehen, wenn die Gerüste im Juli wieder demontiert werden. Gesperrt bleibt die Brücke bis auf Weiteres für Schwertransporte. daw

Der Zustand: Kaum besser als "ungenügend"

Die Sanierungsbedürftigkeit der Elkenrother Talbrücke ist seit Längerem bekannt. Im Mai 2011 hatte das Landesverkehrsministerium den Zustand des Bauwerks auf einer Skala von eins bis vier mit der Note 3,4 und damit gerade noch als „kritisch" statt „ungenügend" bewertet. Dies bedeutet laut Definition: „Eine Schadensausbreitung oder Folgeschädigung kann kurzfristig dazu führen, dass Stand- oder Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sind. Eine umgehende Instandsetzung ist erforderlich." LBM-Mitarbeiterin Elfi Weber erklärt: „Wir machen an unseren Brückenbauwerken jedes Jahr eine einfache Prüfung und alle fünf Jahre eine Hauptuntersuchung. Ab der Note 3,5 wird saniert." daw

Altenkirchen Betzdorf
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