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Wissen

Stolpersteine mahnen die Lebenden

Als der Gedenkstein für Hermann Kubalski in den Asphalt im Wissener Felsenweg eingesetzt wird und seine noch lebenden Familienangehörigen sichtlich bewegt Rosen an dieser Stelle niederlegen, scheinen all die Millionen Opfer nationalsozialistischer Gräueltaten plötzlich ganz nah. Auch frühere Wissener Bürger wurden von den Nazis grundlos inhaftiert, gefoltert, vertrieben oder sogar getötet.

Sechs solcher Stolpersteine mit Messingplatte hat der Künstler Gunter Demnig am Freitag in der VG Wissen gesetzt.
Sechs solcher Stolpersteine mit Messingplatte hat der Künstler Gunter Demnig am Freitag in der VG Wissen gesetzt.
Foto: Nadja Hoffmann-Heidrich

Wissen – Als der Gedenkstein für Hermann Kubalski in den Asphalt im Wissener Felsenweg eingesetzt wird und seine noch lebenden Familienangehörigen sichtlich bewegt Rosen an dieser Stelle niederlegen, scheinen all die Millionen Opfer nationalsozialistischer Gräueltaten plötzlich ganz nah. Auch frühere Wissener Bürger wurden von den Nazis grundlos inhaftiert, gefoltert, vertrieben oder sogar getötet.

 


Um ihrer zu gedenken, hatte die Wissener Verwaltung schon vor einiger Zeit auf Beschluss des Verbandsgemeinderates den Kölner Künstler Gunter Demnig beauftragt, auch in der Region an der Sieg sogenannte „Stolpersteine“ zu verlegen. Am Freitagnachmittag wurden sechs solcher Steine mit gravierten Messingplatten vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer in Wissen beziehungsweise Katzwinkel in die Straße eingelassen. Die Namen des Zeugen Jehovas Hermann Kubalski, der friedlichen Widerstand gegen das diktatorische Regime leistete, sowie die der jüdischen Mitbürger Liebmann Hony, Ernst Bär, Johanna Bär, Heinz Bär und Dr. Alfred Reichmann sind ab sofort wie steinerne Mahnmale öffentlich sichtbar.
Während Familie Bär, die bis 1938 in der Maarstraße wohnte, rechtzeitig in die USA flüchten konnte (über ihren weiteren Lebensweg ist wenig bis gar nichts bekannt) und Hermann Kubalski 1945 aus dem Konzentrationslager befreit wurde, haben Dr. Alfred Reichmann (sein Gedenkstein sitzt in Katzwinkel in der Knappenstraße) und Liebmann Hony die Zwangsinhaftierung nicht überlebt. Reichmann wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Hony wurde bereits ein Jahr zuvor im KZ Theresienstadt von den Nazis getötet.
Sein letzter Wohnsitz in Wissen war eigentlich die Rathausstraße 33. Der heutige Eigentümer dieses Grundstücks, zu dem auch der Bürgersteig gehört, war allerdings gegen die Verlegung eines Gedenksteins in diesem Bereich. So musste Künstler Demnig auf die gegenüberliegende Seite und somit zum Regiobahnhof ausweichen. Da an dieser Stelle allerdings kaum ein Fußgänger vorbeikommt, entschied Bürgermeister Michael Wagener kurzerhand, im Umfeld des Bahnhofs einen gut erkennbaren Hinweis auf den „Stolperstein“ anbringen zu lassen.
Ganz anders als in der Rathausstraße 33 die Reaktionen im Felsenweg, wo sich zur Steinverlegung viele Mitglieder der Zeugen Jehovas einfanden und diesen für sie wichtigen Moment sogar dankbar mit Musik und Gesang begleiteten. „Kunstformen wie die Stolpersteine sind ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen“, sagte Lothar Görtz stellvertretend für die Glaubensgemeinschaft. „Die Schicksale der Menschen, an die wir uns heute erinnern, sind für uns eine Mahnung. Ihr Vermächtnis sollte die Grundlage unseres eigenen Handelns sein“, fügte Bürgermeister Wagener hinzu.

Altenkirchen Betzdorf
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