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Decize/Betzdorf

Städtepartnerschaft: Kleine Revolution bei den Freunden in Decize

Claudia Geimer

Franzosen lieben Revolutionen. Und in Betzdorfs Partnerstadt Decize hat sich auch eine kleine ereignet: Mit Justine Guyot ist im November 2017 nicht nur eine neue Bürgermeisterin gewählt worden, nein, auch der Stadtrat hat sich seit dem letzten Besuch vor zwei Jahren stark verändert. Junge Leute sind nachgerückt und auch die neue erste Frau von Decize zählt gerade einmal 27 Lenze. Wobei gesagt werden muss, dass es sich beim Bürgermeisteramt von Decize um ein Ehrenamt handelt. Die französische Kleinstadt hat 6000 Einwohner.

Justine Guyot präsentiert sich der 66-köpfigen Delegatin aus Betzdorf, die von Christi Himmelfahrt bis Sonntag im Städtchen an der Loire weilte, als eine durchaus couragierte junge Dame. Die angehende Anwältin gehört, wie die Mehrheit im Stadtrat, dem sozialistischen Lager an. Ihre Rede bei der offiziellen Begrüßung der Freunde aus Betzdorf am Samstag in der Stadthalle nutzt sie für eine deutliche Abrechnung mit der Politik des ersten Mannes im Staat. Emmanuel Macron sei ein „Präsident der Reichen und der großen Städte.“ Viele Franzosen widersetzten sich und seien nicht bereit, dies hinzunehmen. Justine Guyot kommt einem während ihrer flammenden Rede wie eine neuzeitliche Jean d`Arc vor.

Ihr Auftritt kommt allerdings nicht bei allen Decizern im Saal gut an. Dies zeigt sich hinterher beim traditionellen gemeinsamen Mittagessen, bei angeregten Gesprächen an den Tischen. Die Rede sei deplatziert gewesen, so die Kritik. Die Ansprache zeigt deutlich, das die Grande Nation nach der Wahl von Macron gespalten ist. Bei weitem nicht alle Franzosen stehen hinter dem veränderungswilligen Präsidenten. Nun, die 53 Jahre währende Partnerschaft zwischen Betzdorf und Decize hat viele Präsidenten kommen und gehen sehen. „Unsere Freundschaft ist für die Zukunft gewappnet“, sagt Betzdorfs Bürgermeister Bernd Brato in seiner Ansprache.

Zuvor hatte er bei einer Sitzung von Ratsmitgliedern aus Betzdorf und Decize im Rathaus die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehung für Europa hervorgehoben. In der Sitzung werden Neuigkeiten ausgetauscht. Brato spricht die Sanierung der Brücke an und baut auf Ortskenntnisse der französischen Freunde: „Ihr kommt dort vorbei, wenn ihr mit dem Bus zur Stadthalle fahrt.“

Seine Amtskollegin erzählt im Gegenzug von Projekten in Decize: Die Stadthalle wird renoviert und eine neue Tennishalle gebaut. Außerdem will die Kleinstadt auch in schnelles Internet investieren. Bei seinem Lieblingsthema wird Betzdorfs Bürgermeister natürlich sofort hellhörig. Sollte es Probleme geben, würde er sich als Berater anbieten, lässt er Sigrid Fielauf übersetzen. Die Studienrätin am Betzdorfer Gymnasium dolmetscht für die offizielle Delegation.

Sie erzählt, dass Decize 2019 eine Kanu-WM im Marathon, das sind Rennen über eine längere Distanz, ausrichten wird und bei der Bewerbung sogar Moskau hinter sich gelassen habe. Polizei und Budo-Club sind auch wieder nach Decize gereist. Und natürlich die Feuerwehr mit 28 Teilnehmern. Oliver Brato vom Orgateam berichtet von einem tollen Ausflug am Freitag in den Freizeitpark „Le Pal“, mit Fahrgeschäften und einem angegliederten Zoo. Höhepunkt für die Feuerwehr ist jedes Jahr das gemütliche Zusammensein am Samstagabend im Feuerwehrhaus.

Der Ausflug der offiziellen Delegatin am Freitag führte die Partner zunächst zu einem der vielen Kanäle, die Burgund durchziehen. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, weil die Loire selber schwer schiffbar gemacht werden konnte. Früher waren die künstlichen Wasserstraßen wichtig für die Wirtschaft, heute sind sie bei Touristen beliebt und laden zu entspannten Bootsfahrten ein. Die Gruppe wohnt einer Schleusung bei.

Auch in Frankreich werden die schönsten Dörfer prämiert. Aktuell ist dies Apremont. Die Betzdorfer und ihre Gastgeber bummelten durch den pittoresken Ort, inklusive dem „Parc floral“ mit schönen Blumen, Pflanzen und hübschen Gebäuden. Und nicht nur Margot Kölzer aus Bruche gerät ins Schwärmen: „Das ist etwas für die Seele.“ Samstagabend wurde in manchen Familien der Eurovision Song Contest geschaut und dabei die Daumen für das Duo „Madame Monsieur“ aus Frankreich gedrückt: Denn die Sängerin Emilie Satt ist die Enkelin der ehemaligen, inzwischen verstorbenen Bürgermeisterin von Decize, Janine Sattonnet.

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Geimer

Altenkirchen Betzdorf
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