40.000
Aus unserem Archiv
Friesenhagen

Renaturierung im Wildenburger Land: Der Gösinger Weiher weicht einer Feuchtwiese

Tief im Friesenhagener Land, nahe der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bei Steeg, liegt der Gösinger Weiher. Die Grafen zu Hatzfeldt-Wildenburg haben ihn irgendwann im 19. Jahrhundert als Fischgewässer angelegt, doch als solches wird er seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Mehr noch: Er wird so wenig bewirtschaftet, dass er immer mehr verschlammt und immer flacher wird.

Björn Stelter ist bei der Hatzfeldt-Wildenburg'schen Verwaltung für das Projekt Gösinger Weiher zuständig. Das Gewässer soll verschwinden und dafür der Gösinger Bach durchgängig gemacht werden für Fische und Wasserlebewesen. Zudem wird hier ein Auenwald als Feuchtbiotop entstehen.  Fotos: Peter Seel
Björn Stelter ist bei der Hatzfeldt-Wildenburg'schen Verwaltung für das Projekt Gösinger Weiher zuständig. Das Gewässer soll verschwinden und dafür der Gösinger Bach durchgängig gemacht werden für Fische und Wasserlebewesen. Zudem wird hier ein Auenwald als Feuchtbiotop entstehen. Fotos: Peter Seel
Foto: sel

Jetzt hat die Hatzfeldt-Wildenburg'sche Verwaltung beschlossen, den Weiher aufgrund der gesetzlichen Auflagen nicht weiter zu erhalten und an seiner Stelle ein Feuchtbiotop mit Sumpf, Tümpeln und einem Auenwald anzulegen. Damit kann der Bachlauf durchgängig gestaltet werden; der Damm gilt schon länger als nicht mehr sicher im Sinn des Hochwasserschutzes. Die RZ sprach mit Björn Stelter, der das Projekt für die Hatzfeldt'sche Verwaltung (Schloss Schönstein) betreut.

„Der Gösinger Weiher“, sagt der 45-jährige Forstingenieur, „stellt unter ökologischen Gesichtspunkten nichts Besonderes dar. Wenn wir das Areal aber umgestalten, dürfen wir davon ausgehen, dass sich in einer dann entstehenden Sumpfwiese deutlich mehr Pflanzen- und Tierarten entwickeln als bisher.“ Damit reagiert das Haus Hatzfeldt auch auf Vorgaben der Wasserbehörden; es geht dabei vor allem um die Durchgängigkeit des Gösinger Bachs für Fische und Kleinlebewesen nach EU-Recht: Für die sind nämlich Ablauf und Weiher unüberwindliche Hindernisse. „Der Weiher liegt ja im FFH-Gebiet 'Sieg und Nebengewässer'“, erläutert Stelter, „und in diesem Plan wird es als wünschenswert bezeichnet, die Durchgängigkeit der Gewässer zu verbessern und die natürliche bachbegleitente Fauna und Flora zu fördern.“ Zudem sei der Ablauf des Weihers, verdeutlicht Stelter, in einem Zustand, der längst nicht mehr zeitgemäß ist und den aktuellen Vorgaben nicht mehr entspricht. Vor allem aus ökologischen Gründen wird das Projekt auch von der Landestiftung „Aktion Blau“ unterstützt: 90 Prozent der Kosten werden aus Mainz gefördert. Da nur Kommunen in den Genuss einer solchen Förderung kommen, hat die Hatzfeldt'sche Verwaltung die Verbandsgemeinde Kirchen als Träger der Baumaßnahme ins Boot geholt; die restlichen zehn Prozent bezahlt Hatzfeldt. Maik Köhler als Kirchener VG-Chef bestätigte, dass man mit Hatzfeldt gedeihlich zusammenarbeite. „Wir strecken das Geld vor“, so Köhler, „und für die Verbandsgemeinde ist das ein Nullsummenspiel. Der Weg ist geebnet.“

Der Ablauf, durch den das Wasser aus dem Weiher fließt, ist längst in die Jahre gekommen.
Der Ablauf, durch den das Wasser aus dem Weiher fließt, ist längst in die Jahre gekommen.
Foto: sel

Wie teuer die Sache letztlich wird, das kann der Experte derzeit nur schätzen: Er geht von 80.000 bis 100.000 Euro aus. „Vorläufig ist das Ingenieurbüro Hölzemann in Oberlahr mit der Planung für die Renaturierung beschäftigt“, klärt Stelter auf. „Das sind Profis, die oft mit der Oberen Wasserbehörde in Montabaur zusammenarbeiten. Je nachdem, wie am Ende die Planung aussieht, wird sich ergeben, wie teuer das Ganze wird.“ Das Gutachten soll bereits im März vorliegen.

Bereits im Jahr 2016 hatte die Hatzfeldt-Wildenburg'sche Verwaltung eine Vermessung des Geländes und eine Prüfung des Damms veranlasst, hinter dem sich der Gösinger Weiher auf der Größe von etwa drei Fußballplätzen ausbreitet (etwa 180 mal 50 Meter, also rund ein Hektar). Noch in diesem Frühjahr soll ein zweiter Überlauf an den Damm angebaut werden, um das Wasser koordiniert aus dem Weiher in den Bach abzulassen – dies über einen Zeitraum von einigen Monaten verteilt. „Damit nicht der Schlamm in den Bachlauf gelangt“, erklärt Stelter. „Der Damm wird je nach Planung wohl bis auf Reste zur Sicherung der Reithalle unterhalb abgetragen.“

Als nächstes sollen im Sommer die Bagger anrücken und den im Weiherbecken zurückgebliebenen Schlamm zusammenschieben – weg vom Bachlauf, sodass er etwas erhöht eintrocknen kann. „Das wird die Grundlage für das Feuchtgebiet. Man kann mit dem vorhandenen Material einige Tümpel modellieren, die nur vom Regenwasser gespeist werden und vom Bach abgesondert liegen. Dazu werden wir Erlen und Weiden zur Stabilisierung des Untergrunds anpflanzen.“ Dabei, so der Fachmann, wird der Mensch kaum nachhelfen müssen, da sich derlei Pflanzen schnell selber in ihrer entsprechenden Ökonische einfinden. Dabei sei nicht nur mit selten gewordenen Pflanzenarten zu rechnen, sondern auch mit Amphibien, Kleintieren und Vögeln bis hin zum Schwarzstorch.

Von unserem Redakteur Peter Seel

Altenkirchen Betzdorf
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
  • Meist gelesen
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Dienstag

12°C - 24°C
Mittwoch

13°C - 24°C
Donnerstag

13°C - 23°C
Freitag

13°C - 26°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach