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Kreis Altenkirchen

Neue Anlaufstelle in Betzdorf: Zu viele Männer sind zur Gewalt in Beziehung bereit

Gewalt in Familien, in der Ehe und in Partnerschaften kommt nicht selten vor. Vieles wird nicht bekannt. Formen häuslicher Gewalt tauchen in allen sozialen Schichten und Altersgruppen auf, unabhängig von der Bildung. Tätliche Auseinandersetzungen erfolgen in Beziehungen oft, wenn „Mann“ selbst die Konfliktregelung nicht anders gelernt hat. Brutale Reaktionen hat man da bereits bei den Eltern erlebt. Wo es einmal gewalttätige Auseinandersetzungen gab, da folgen oft weitere.

Stellten das Projekt „Contra häusliche Gewalt“ vor (von links): Nicole de Fries-Nickol, Ralf Kohlhaas, Harald Kruse und Kerstin Stahl. Foto: Andreas Neuser​
Stellten das Projekt „Contra häusliche Gewalt“ vor (von links): Nicole de Fries-Nickol, Ralf Kohlhaas, Harald Kruse und Kerstin Stahl.
Foto: Andreas Neuser​

Um Männer aus diesem Kreislauf der gewalttätigen Auseinandersetzungen herauszuholen, gibt es nun bei der „Brücke Altenkirchen“ mit Sitz in Betzdorf ein neues Angebot. Dort ist man seit 1. Oktober Anlaufstelle für die landesweite Aktion „Contra häusliche Gewalt“. Das vom Innenministerium geförderte Projekt gibt es bereits seit zehn Jahren im Land. Bisher gab es landesweit acht Anlaufstellen. Die nächst erreichbare für unsere Region befindet sich in Koblenz. Doch das ist weit weg. So wurde nun eine neunte Anlaufstelle in Betzdorf eingerichtet. Zuständig ist man hier für Menschen aus dem Kreis Altenkirchen, dem Westerwaldkreis und Teilen des Kreises Neuwied. Praktisch für alle, für die Koblenz schwer erreichbar ist.

Gestern wurde das neue Angebot vorgestellt. Harald Kruse, Leitender Oberstaatsanwalt in Koblenz, war nach Betzdorf gekommen, um das Projekt gemeinsam mit den Vertretern der „Brücke“ zu erläutern – gemeinsam mit Diplom-Sozialarbeiterin Kerstin Stahl, Diplom-Sozialpädagoge Ralf Kohlhaas und Rechtsanwältin Nicole de Fries-Nickol (Vorsitzende Verein „Brücke Altenkirchen“).

Das neue Angebot zur Täterarbeit ist an Männer ab 18 Jahren gerichtet. Schließlich sind bei häuslicher Gewalt rund 80 Prozent der Täter Männer. Sollten aber Frauen mit einem hohen Aggressionspotenzial auch Hilfe benötigen, so können sie sich ebenfalls an die „Brücke“ wenden.

Häusliche Gewalt zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen. Es kann ein einmaliger „Ausrutscher“ sein oder auch sich stets wiederholende Auseinandersetzungen mit Gewalt. Oft sind Stresssituationen ein Hintergrund – so zum Beispiel, wenn es Streit um kaum vorhandenes Geld gibt.

Um Menschen aus diesem Gewaltkreislauf herauszubekommen, soll ihnen gezeigt werden, dass es andere Formen der Konfliktlösung gibt. Es gilt auch, genau zu analysieren, warum man so aggressiv wird und sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Das wird mit Betroffenen erst in Einzelgesprächen und dann in Gruppensitzungen abgearbeitet. Rund 20 bis 25 Sitzungen sind schon notwendig, damit die Männer auch erkennen, was falsch gelaufen ist, warum sie sich anders verhalten müssen. In diesen Sitzungen wird auch immer intensiv herausgearbeitet, wie man merkt, dass sich ein Aggressionspotenzial aufbaut und wie man damit anders umgeht. Zuschlagen ist nicht die Lösung.

Für Oberstaatsanwalt Kruse ist dieses Projekt ein sehr sinnvoller Ansatz. „Denn jede weitere Gewalttätigkeit, die verhindert werden kann, ist bereits ein Erfolg.“ Ziel sei es, da sind sich alle Gesprächsteilnehmer einig, den Kreislauf der Gewalt zu unterbrechen. Das Angebot ist für die Männer kostenlos. Wie kann ich nun an dem Projekt teilnehmen? Ich kann mich selbst melden, wenn ich mit meinen Aggressionen nicht klar komme. Aber auch, wenn im Umfeld von Beratungen des Jugendamtes, bei Scheidungsprozessen, Strafverfahren oder Polizeieinsätzen Hinweise auf häusliche Gewalt auftauchen, soll reagiert werden. Da bekommen die betroffenen Männer dann den Rat, sich an die „Brücke“ zu wenden. Wer sich dort freiwillig meldet, der hat bereits einen wichtigen Schritt getan.

Wer als Mann Hilfe beim Ausstieg aus der häuslichen Gewalt benötigt, der kann sich an die „Brücke Altenkirchen“ in Betzdorf wenden unter Telefon 02741/933.010. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.contra-haeusliche-gewalt.de

Von unserem Redakteur Andreas Neuser

Altenkirchen Betzdorf
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